Wolf-Dieter Klatt stellt Verein „buy local“ in Rotenburg vor

Die lokale Macht der Kunden

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Referent Wolf-Dieter Klatt stellt vor, worum es bei „buy local“ geht.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Immer mehr Leerstände, immer mehr Einzelhandelsketten oder der Kunde kauft gleich bei den einschlägigen Onlinehändlern von A wie Amazon bis Z wie Zalando – mancherorts drohen die Innenstände zu veröden. Die Stadt Rotenburg möchte diesem Trend entgegenwirken. Deshalb war am Mittwochabend Wolf-Dieter Klatt als aktives Mitglied des Vereins „buy local“ zu Gast, um dessen Arbeit vorzustellen.

Was verbirgt sich aber hinter dem Englischen „buy local“ genau? Ein kurzer Film zur Einleitung machte das den etwa 50 Anwesenden deutlich: Erhalt der vielfältigen Einzelhandelsgeschäfte und persönliche Beratung seien den Mitgliedern genauso wichtig wie Nachhaltigkeit, faire Arbeitsbedingungen, die Unterstützung sozialer und kultureller Projekte und dass das Geld in der Region bleibt. Der Gedanke hinter der „offensiven Imagekampagne für den Mittelstand“ (Klatt): „Wer als Kunde vor Ort einkauft, unterstützt seine Stadt.“

Der Referent, der auf Vorschlag von Cornelia Mannsfeld – selbst mit Müllers Buchhandlung „buy local“-Mitglied und -Botschafterin – eingeladen war, führt in Berlin-Tegel ein Augenoptikgeschäft, welches er von seiner verstorbenen Frau übernahm. „In den Kommunen können wir mit steigender Sorge beobachten, dass sie sich von Einzelhandelsgeschäften entleeren“, berichtete er. Gründe dafür seien unter anderem der „ausufernde Onlinehandel“ sowie „extrem gestiegene“ Mieten. Sein Vorschlag: „Schreiben Sie die Besitzer der leerstehenden Geschäfte an, wie sie ihren Anteil dazu beitragen wollen, diese Situation zu bereinigen. Das wirkt manchmal Wunder!“ Das „buy local“-Zertifikat, das sich die Händler nach erfolgreichem Mitgliedsantrag auch in das Geschäft hängen dürfen, signalisiere dem Kunden Qualität. Dafür soll auch das gewählte Tier für das Logo der Iniative sprechen: Das Eichhörnchen ernährt sich vor Ort. Von den anwesenden Zuhörern gab es neben positivem Feedback auch Anregungen und Kritik mit in die Vereinszentrale nach Singen (Baden-Württemberg): So fehle der lokale Bezug des Siegels, und auch der englische Name komme nicht überall gut an, da er die Senioren außen vor lasse.

Für Bürgermeister Andreas Weber (SPD) stand am Ende des Vortrags mit anschließender Diskussion fest, welcher Satz, fast schon Forderung, ihm im Gedächtnis bleibt: „Jedem muss klar sein, welche Macht sein Kaufverhalten lokal entfaltet.“ Weber sieht die Lage seiner Stadt nicht dramatisch: „Es ist eien Einkaufsstadt, die schlechter gesehen wird, als sie ist.“ Trotzdem gebe es Optimierungsmöglichkeiten. Mansfeld hingegen mahnte: „Man muss sich neuen Entwicklungen öffnen. Das haben auch unsere Vorgänger schon getan. Deshalb gibt es die alten Geschäfte noch.“

Die Aufnahmekriterien des Vereins sind auf der Internetseite nachzulesen: www.buylocal.de

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