Der Wolf beschäftigt Experten / Risse in Ahausen und Bartelsdorf von Hunden

Um 2 Uhr morgens schleicht Isegrim durchs Moor

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Ralf Gerken aus Scheeßel liefen am 2. Februar im Tister Bauernmoor zwei Wölfe vor die Linse.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Zwei Wölfe im Tister Bauernmoor: So lautet die jüngste Meldung im Zusammenhang mit Isegrim. Die Bestätigung gelang dem dortigen Jagdpächter Ralf Gerken aus Scheeßel mit einer Wildkamera. Die DNA-Ergebnisse der letzten Risse im Landkreis liegen mittlerweile auch vor.

Jürgen Cassier, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde, hat Mittwoch die Ergebnisse erhalten: „Beim Lamm in Ahausen konnte kein Wolf nachgewiesen werden, aber ein Hund. Beim Kalb in Bartelsdorf ebenfalls.“ Auch in Lengenbostel war kein Wolf im Spiel. Das bestätigt auch noch einmal schriftlich der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN): „Demnach konnte in keinem der drei Fälle der Wolf als Verursacher der Nutztierrisse nachgewiesen werden. In zwei Fällen – Bartelsdorf am 13. Oktober und Ahausen am 4. Dezember – waren hingegen DNA-Spuren von Hunden nachweisbar.“ Die aktuelle Tabelle der Nutztierrisse unter www.wildtiermanagement.com weist allerdingsfür den Vorfall in Ottingen am 11. Mai vergangenen Jahres bei Schaf und Lamm einen Wolf nach.

Nachdem das Senckenberg-Institut in Frankfurt alle eingereichten DNA-Proben von Rissen fertig beprobt hat, arbeitet der NLWKN derzeit mit Hochdruck daran, die Fälle ins Internet zu stellen und die betroffenen Tierhalter zu informieren. Das Senckenberg-Institut in Görlitz wurde am Mittwoch zum „Beobachtungs- und Dokumentationszentrum des Bundes“ zum Thema Wolf erklärt. 425000 Euro stellt das Bundesumweltministerium (BMUB) dafür die nächsten drei Jahre zur Verfügung. „Sie soll in erster Linie die Naturschutzbehörden von Bund und Ländern fachlich unterstützen“, heißt es.

Ein aktuelle Bestätigung von Wölfen lieferte kürzlich Ralf Gerken aus Scheeßel. Er war überrascht, als er am 4. Februar seine Wildkamera im Tister Bauernmoor auslas: „Am 2. Februar zogen zwei Wölfe über meine Kirrung und konnten in zwei kurzen Videosequenzen aufgenommen werden“, sagt er.

Um 2 Uhr morgens schlich Isegrim im Doppelpack durchs Moor. Kotproben konnte Gerken trotz intensiver Suche bislang nicht sicherstellen. Sie wären erforderlich, um herauszufinden, von woher die beiden Grauen stammen. Dr. Britta Habbe, hauptberufliche Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen, ist anhand der Aufnahmen ziemlich sicher, dass es sich um ein junges männliches und ein weibliches Tier handelt. Zum Alter vermutet sie: „Davon ausgehend, dass es sich um die beiden im vergangenen Jahr in Ostervesede bestätigten Wölfe handelt und jetzt geschlechtsreif sind, sind sie zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr.“

Die Videosequenzen aus dem Tister Bauernmoor sind laut Cassier seit längerem die einzigen konkreten Nachweise für Wölfe im Landkreis. „Es hat mehrere Sichtbeobachtungen gegeben und auch Fotos, die allerdings von so schlechter Qualität sind, dass sie nicht zu verwerten waren.“ Diese Aufnahmen stammen aus Hiddingen und Hemslingen. „Die Wölfe sind jetzt aktiv, die Ranz (Paarungszeit) läuft noch“, sagt der Wolfsberater.

Gesichtet hat auch Wolfang Albrecht einen Wolf, als er in seinem Revier in Boitzen, einem Ortsteil von Heeslingen, ansaß. „Das war zwischen Weihnachten und Neujahr. Da kamen zwei Sauen, etwa 50 bis 60 Kilogramm schwer. Ich wartete, ob noch was nachkommt, da ich vorher Frischlinge gefährtet hatte. Dann wurden die Sauen unruhig und sie verschwanden.“ Kurze Zeit später sei der Wolf auf 60 bis 70 Meter herangekommen und verschwand „grob Richtung der Sauen“. Die Tage und Wochen darauf gab es laut Albrecht immer wieder Sichtmeldungen rings um Boitzen.

Laut dem führenden Forschungsteam, dem Institut für Wolfmonitoring und -forschung (Lupus), wurden im vergangenen Monitoringjahr (2014/2015, 1. Mai bis 30. April) in Deutschland insgesamt 31 Wolfsrudel, acht Wolfspaare und sechs territoriale Einzeltiere bestätigt. Für Niedersachsen nennt Lupus fünf Wolfsrudel, drei Wolfspaare und zwei territoriale Einzeltiere. Die Wanderdaten der beiden von Lupus in Munster besenderten Wölfe sind mittlerweile online unter www.nlwkn.niedersachsen.de unter der Rubrik Wolfsbüro einsehbar. Laut Cassier melden immer mehr Menschen aus dem Landkreis ihre Wolfsbeobachtungen. Er bittet genauso wie Britta Habbe weiterhin um Unterstützung.

Bis 31. März ist Cassier unter der Telefonnummer 04261/9832800 und unter der E-Mail juergen.cassier@lk-row.de zu erreichen. Habbes Nummer lautet 0511/8567791.

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