Wohnraumbericht des Landkreises / Der Durchschnitt wohnt im Einfamilienhaus

116 Quadratmeter

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Es wird weiter viel gebaut im Landkreis Rotenburg – Einfamilienhäuser dominieren.

Badenstedt - Von Stephan Oertel. Der durchschnittliche Landkreisbewohner lebt in seinem eigenen freistehenden Haus auf einer Wohnfläche von 116 Quadratmetern, wobei viele Ältere alleine in ihren vier Wänden wohnen. Das geht aus dem Wohnraumbericht hervor, den Clemens Schult vom Landesamt für Statistik am Mittwochnachmittag im Sozialausschuss des Kreises vorgestellt hat. Dabei ging er auch auf einige lokale Besonderheiten und auf Leerstände ein.

Wo gibt es wie viel Wohnraum in welcher Größe? Wie viele Menschen leben in einer Unterkunft? Wann sind die Häuser gebaut worden? Wo stehen Wohngebäude leer? Auf Fragen wie diese wollte der Landkreis Antworten haben und beauftragte das Landesamt, die entsprechenden Daten zu erheben. Die Basis dafür lieferte laut Schult vor allem der Zensus 2011. Während dieser Volkszählung hatten die Bewohner auch Angaben über ihren Wohnraum gemacht. Die wurden nun für den Landkreis und die Gemeinden ausgewertet. Nicht ermittelt wurde die Höhe der Mieten, zumal dies auch nicht Bestandteil des Zensus war.

Knapp 54000 Gebäude mit 72600 Wohnungen ergab die Auswertung der Statistiker für den rund 162700 Einwohner zählenden Landkreis Rotenburg. Viele der Unterkünfte wurden in den 1970er und 90er Jahren gebaut. Etwa jedes neunte Haus ist nach der Jahrtausendwende errichtet worden, gut jedes dreizehnte vor Ende des ersten Weltkriegs. Die meisten sehr alten Gebäude mit Baujahr 1919 und früher gibt es in den Städten Bremervörde (513) und Visselhövede (468), die meisten neuen ab Baujahr 2000 stehen in Zeven (840), Rotenburg (753) und Sottrum (690).

Auffällig ist im Landkreis Rotenburg der mit 80 Prozent sehr hohe Anteil an freistehenden Einfamilienhäusern. Sie beherrschen das Bild in den Siedlungen. Knapp zehn Prozent der Wohngebäude sind Doppelhäuser. Reihen- und insbesondere Mehrparteienhäuser gibt es dagegen nur wenige und wenn, dann vor allem in den Städten, also in Zeven, Bremervörde, Rotenburg und Visselhövede.

Außergewöhnlich groß ist die Wohnfläche: misst eine Wohneinheit im Schnitt, wobei der Altkreis Bremervörde mit 119 Quadratmetern klar vor dem Altkreis Rotenburg (113) liegt. Besonders große Unterkünfte gibt es im Schnitt in den Samtgemeinden Tarmstedt, Selsingen und Geestequelle, wo jeweils ein Mittel von mehr als 125 Quadratmetern errechnet wurde, in Rotenburg sind es dagegen weniger als 105 Quadratmeter.

Kleine Wohneinheiten gibt es dagegen nur wenige. Wer etwa eine Wohnung mit höchstens 29 Quadratmetern sucht, findet Kreisweit gerade einmal 384 Unterkünfte – die mit Abstand meisten davon in Rotenburg (159). 270 liegen insgesamt im Altkreis Rotenburg.

Mit 63 Prozent leben fast zwei von drei Kreisbewohnern in ihren eigenen vier Wänden. Zum Vergleich: in Niedersachsen sind es 54, in Deutschland 46 Prozent. Aus den Statistiken geht weiter hervor, dass viele auch im hohen Alter und oft alleine in ihren großen Eigenheimen leben. Perspektivisch ist hier also mit Leerständen zu rechnen. Insbesondere die Häuser neueren Baujahrs wiederum werden häufig von Familien mit Kindern bewohnt.

Einen laut Schult guten statistischen Wert erreicht der Landkreis bei den Leerständen. 2,9 Prozent der Wohneinheiten sind unbewohnt. „Man braucht ja auch Wohnungen, in die jemand einziehen kann“, bemerkte der Statistiker. Dabei handelt es sich eher um kleinere Wohnungen älteren Baujahrs. Eine höhere Leerstandsquote weisen vor allem Visselhövede (4,7 Prozent) und Bremervörde (3,7 Prozent) auf, aber auch deren Werte seien nicht dramatisch. In Selsingen (2,2 Prozent), Fintel (2,3 Prozent) und Scheeßel (2,4 Prozent) stehen laut der Statistik am wenigsten Häuser leer.

Der Wohnraumbericht liefert dem Landkreis und den Gemeinden eine Fülle statistischer Daten. Diese sind mit Blick auf Planungen von Interesse. Etwa wenn es darum geht abzuschätzen, wo perspektivisch mit Leerständen zu rechnen ist, wo zum Beispiel kleinerer Wohnraum fehlt und in welchen Orten sich einmal ein ambulantes Pflegeangebot anbietet. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel liefern die Zahlen eine wichtige Grundlage. Der im Gärtnerhof Badenstedt tagende Sozialausschuss nahm den Bericht erst einmal zur Kenntnis.

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