Wohin mit dem Lagerstättenwasser? „ExxonMobil“ hat ein Ziel

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Auch die Versenkbohrung Sottrum Z1 soll bis 2020 geschlossen werden.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Dauer-Zankapfel Lagerstättenwasser: Anfang Juli berät der Bundestag in zweiter und dritter Lesung über das Fracking-Gesetzespaket, dann soll auch über den künftigen Umgang mit dem vielfach belasteten Grundwasser aus den Erdgas führenden Schichten entschieden werden. Im Landkreis Rotenburg melden die Förderunternehmen Dea und „ExxonMobil“, dass sie hier aus der oberflächennahen Verpressung aussteigen wollen. Dass dies nur wenige Kilometer jenseits der Kreisgrenze umso stärker geschehen soll, fällt in der Diskussion oft unter den Tisch.

Die Formulierung ist noch schwammig und sorgt derzeit hinter den Kulissen in den Reihen der großen Koalition, die das Gesetzespaket beschließen will, für heftige Debatten. Was bedeutet es, dass Lagerstättenwasser nur noch „in druckabgesenkte kohlenwasserstoffhaltige Gesteinsformationen eingebracht“ werden darf, die „einen sicheren Einschluss“ gewährleisten? Exxon verspricht, bis 2020 alle acht Bohrungen im Landkreis Rotenburg zu verfüllen, über die derzeit noch das Lagerstättenwasser in den Kalkarenit verpresst wird – ein Vorgriff auf die neuen Gesetze, basierend auf dem heftigen Gegenwind von den zahlreichen Bürgerinitiativen und sich anschließenden Politikern. Zu groß die Angst, das Lagerstättenwasser im Gestein aus der Kreidezeit in Tiefen von bis zu 1000 Metern könne das Grundwasser und insbesondere die Rotenburger Rinne verseuchen – selbst wenn die Gefahr auch nach über 40 Jahren Gasförderung im Landkreis noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Und stattdessen? Zunächst verspricht Exxon eine bessere Überwachung der noch bestehenden Verpressstellen. In Sottrum beispielsweise soll eine permanente Untertage-Drucküberwachung und ein Grundwassermonitoring installiert werden. „Parallel prüft und erschließt ‚ExxonMobil‘ zusätzliche Kapazitäten außerhalb des Kalkarenits in tieferliegenden Horizonten sowie weitergehende Möglichkeiten einer Aufbereitung von Lagerstättenwasser“, heißt es vom maßgeblichen Förderunternehmen im „Erdgas-Landkreis“ Rotenburg. Doch die Ziele helfen nicht, die Frage zu beantworten, wo das Lagerstättenwasser jetzt hin soll.

Klarheit und viel Kritik brachten die vergangenen Wochen in Walsrode. Der dortige Clusterplatz in der Gemarkung Fulde ist als Übergangslösung ausgemacht. „‚ExxonMobil‘ hat am 2. Juni bei der zuständigen Bergbehörde einen Nachtragsantrag bezüglich des Einbringens anderer als aus dem Bereich Söhlingen/Walsrode kommenden Lagerstättenwässer zum bestehenden Sonderbetriebsplan gestellt“, lässt Exxon-Pressesprecher Klaus Torp wissen.

Auch in einer Umweltausschuss-Sitzung der Stadt Walsrode wurde im Mai darüber gesprochen. Dort hieß es, Exxon habe einen Bauantrag beim Landkreis für die Errichtung einer überdachten Tankkraftwagen-Verladung sowie eines weiteren Tanks in Hinblick auf eine spätere zentrale Lagerstättenwasseraufbereitung gestellt. Der Einzugsbereich erweitere sich „um das Wasseraufkommen aus dem Produktionsbereich Elbe Weser“. Pressesprecher Torp bestätigt, es sei „geplant, Lagerstättenwasser auch aus anderen Produktionssonden des Förderbereichs per Tankkraftwagen zum Clusterplatz Walsrode zu bringen und in der Bohrung Walsrode H1 zu versenken.“

Dass diese erhöhte Verpressung von Lagerstättenwasser nahe Walsrode in einem Horizont von rund 750 Metern dort auf wenig Begeisterung stößt, ist wenig überraschend: „Wir begleiten das sehr kritisch“, sagt Bürgermeisterin Helma Spöring (parteilos). Leider hätten aber weder die Stadt noch der Heidekreis Möglichkeiten, Genehmigungen zu verweigern. Dafür sei allein das Landesbergamt zuständig. Dass deren Vertreter noch in der jüngsten Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg mitteilten, es lägen keine Anträge vor, überrascht wenig: Es war der 1. Juni – der Tag, bevor Exxon nach eigenen Angaben die Unterlagen eingereicht hat. Auch wenn bislang noch ungewiss ist, wo das Lagerstättenwasser nach den neuen Gesetzen bleibt, die Frage für die Übergangszeit ist damit wohl beantwortet.

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