Infoabend für Einsteiger

Notfallseelsorge: „Das wird nie Routine“

Helfen Menschen in Akutsituationen: Karin Schnakenberg (v.l.), Elsbeth Bonath, Sabine Lehninger, Corinna Kohröde-Warnken, Karin Klement und Judith Spoo.

Rotenburg - Plötzlicher Kindstod, Gewaltverbrechen, schwere Unfälle – das sind nur einige der Szenarien, zu denen Notfallseelsorger von der Rettungsleitstelle hinzugerufen werden. „Notfallseelsorgende unterstützen Menschen in einer Akutsituation und suchen mit ihnen nach einem Weg, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen und erste Schritte nach dem erschütternden Ereignis gehen zu können“, sagt Karin Klement.

Die Pastorin aus Visselhövede ist leitende Notfallseelsorgerin im Kirchenkreis Rotenburg und koordiniert die Dienste des Teams. Zu ihm gehören neben Pastoren zunehmend auch gut ausgebildete Ehrenamtliche, schreibt Anette Meyer, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Kirchenkreis Rotenburg, in einer Pressemitteilung.

Neu dabei ist beispielsweise Judith Spoo. Die 58-Jährige hat vor Kurzem eine Grundausbildung an acht Wochenenden absolviert. „Wir haben viel gelernt über den Umgang mit Traumatisierten, aber auch über den Umgang mit uns selbst.“ Die einzelnen Module behandeln medizinische, psychologische und rechtliche Aspekte ebenso wie einen Schnuppertag bei Polizei und Feuerwehr. Aber auch die theologische Frage nach einem Gott, der solches Leid zulässt, ist Thema.

„Man kommt gut gerüstet und gestärkt aus dem Kurs“, bestätigt Sabine Lehninger. Die 52-jährige Bauingenieurin für Gleisbau ist auch ein Neuling im Team, ebenso wie Karin Schnakenberg. Die Lehrerin hat ihre Grundausbildung in einem einwöchigen Kompaktkurs absolviert. „Ich kann das Gelernte sehr gut auch im Privaten und im Schuldienst gebrauchen. Ich gehe jetzt mit vielen Situationen viel ruhiger um“, sagt die 58-Jährige.

Erster Einsatz: Hurricane Festival

Ihren ersten Einsatz werden sie auf dem Hurricane Festival in Scheeßel haben. „Dort herrschen noch überschaubare Verhältnisse, und die Notfälle sind nicht so schwer“, sagt Corinna Kohröde-Warnken. Die stellvertretende Leiterin der Notfallseelsorge im Kirchenkreis ist als Ehrenamtliche seit mehreren Jahren dabei und hat bereits zahlreiche Einsätze gehabt. „Das wird nie Routine. Man geht immer mit einem Herzklopfen in die Situation, aber man bekommt Erfahrung“, sagt die gelernte Krankenschwester, die früher auf großen Intensivstationen gearbeitet hat und deshalb mit Tod und Sterben vertraut ist.

Elsbeth Bonath bringt eine 15-jährige ehrenamtliche Erfahrung aus der Hospiz- und Trauerarbeit mit Kindern und Erwachsenen in ihre Tätigkeit als Notfallseelsorgerin mit ein. „In meiner bisherigen Arbeit konnte ich sehen, wie wichtig es ist, dass Menschen in Notsituationen einen Ansprechpartner haben, der da ist, der zuhört, und der sie stärkt“, sagt die 67-Jährige.

Stabile Persönlichkeit unerlässlich

Das Team halte es für hilfreich, wenn ehrenamtliche Notfallseelsorger beruflich aus dem medizinischen oder sozialen Bereich kommen, aber eine Bedingung sei es nicht. „Wichtig ist, dass man eine stabile Persönlichkeit hat. Man muss den Anblick beispielsweise von Verstorbenen an Unfallorten und die Verzweiflung der Angehörigen aushalten können. Dazu gehört vor allem Herzblut“, sagt Kohröde-Warnken.

Sie und Karin Klement werden am Freitag, 2. Juni, ab 18 Uhr im Gemeindehaus der Auferstehungskirche, Berliner Ring 19a, einen Infoabend für ehrenamtliche Neueinsteiger in der Notfallseelsorge gestalten. Sie berichten über Aufgaben, Voraussetzungen und Fortbildungsmöglichkeiten und freuen sich auf neue Interessierte. Infos erteilt Klement unter der Telefonnummer 04262 / 2824 und E-Mail an karin.klement@evlka.de. jo

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