340 Kilometer in 30 Tagen

Für besseren Klimaschutz: Anja Büssenschütt wandert von Ottersberg nach Berlin

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Anja Büssenschütt wandert für das Klima und hält unterwegs Vorträge.

340 Kilometer, 30 Tage, zu Fuß von Ottersberg nach Berlin: Anja Büssenschütt wandert für das Klima und möchte damit mehr Aufmerksamkeit für das Thema wecken. In der Hauptstadt angekommen, ist ihre Reise noch nicht zu Ende: Sie will rebellieren – gemeinsam mit weiteren Aktiven der Bewegung Extinction Rebellion (XR).

Rotenburg – Sympathisch lächelnd und entspannt sitzt Anja Büssenschütt auf einem Stuhl im noch etwas provisorischen Büro der Rotenburger Grünen. Gleich hält sie einen Vortrag über den Klimawandel – vor einem überschaubaren Publikum. Für eine Rebellin würde man die 52-Jährige auf den ersten Blick nicht halten. Doch genau das hat sie im Sinn: Als Teil der Bewegung Extinction Rebellion – zu Deutsch „Rebellion gegen das Aussterben“ – will sie ab dem 7. Oktober eine Woche lang dabei sein, wenn diese die Hauptstadt blockiert.

Berlin ist das Ziel ihrer Wanderung für den Klimaschutz, die am Sonntag in Ottersberg begonnen hat. Manchmal ist sie privat untergebracht, sonst schläft sie im Zelt. Mit Rucksack und Pilgerwagen ist sie unterwegs, 340 Kilometer in 30 Tagen. Viel Zeit, Aufmerksamkeit zu wecken. Rotenburg ist da nur einer von mehreren Zwischenstopps. „Wir wollen rebellieren“ sagt Büssenschutt. „Ich möchte die Menschen darüber aufklären, was bei uns geschieht. Wir sind in der Klimakatastrophe.“

Seit Oktober 2018 engagiert sich die Ottersbergerin in der Bürgerinitiative „NoMoorGas“ gegen die Ausweitung der Erdgasförderung, Dabei lernt sie immer mehr über das Thema Klimawandel, kommt schließlich auf einer Fridays-for-Future-Demonstration mit einigen der Rebellen ins Gespräch. 

Am Sonntag startete Anja Büssenschütt in Ottersberg in ihre Wanderung nach Berlin.

„Wir haben jahrzehntelang demonstriert, Petitionen geschrieben, und es hat sich kaum etwas bewegt. Die etablierten Bewegungen haben ein Stück weit versagt.“ Und das reiche ihr nicht, vor allem für ihre beiden 16-jährigen Töchter: „Ich möchte mich nicht in 20 Jahren fragen lassen ,Ihr habt das doch gewusst, warum habt ihr nichts dagegen gemacht?‘“, so Büssenschütt. 

„Wir sind dabei, unsere Grundlage, die Erde, zu zerstören“, erklärt sie während des Vortrags, bei dem sie den Klimawandel anhand einiger Diagramme erläutert. Wetterphänomene habe es immer gegeben, „aber nicht diese extreme Erwärmung“. Dabei skizziert sie eine mögliche Zukunft, die Extinction Rebellion sieht, sollte sich nicht schnell etwas ändern – Hitzewellen, Dürren und Dauerregen, dazu Konsequenzen wie weiter steigende Flüchtlingszahlen. 

„Die intensive Landwirtschaft ist ein großes Problem für unsere Ökosysteme“, so Büssenschütt. Ebenso die Entwaldung. „Eine ,Verwüstung‘, im wahrsten Sinne, ist unumkehrbar.“ Dass jeder etwas für Klimaschutz und Umwelt tun könne, sei klar, aber vor allem müsse sich etwas auf politischer Ebene tun. „Unsere Eltern haben eine vielfältige Welt geerbt. Das Erbe kann ich an meine Kinder nicht weitergeben“, sagt die 52-Jährige und spricht das „sechste Artensterben“ an.

Die Wanderung möchte sie daher nutzen, ein Umdenken zu erreichen. „Wenn wir aus der Situation rauskommen wollen, in die wir uns in den vergangenen 50 Jahren manövriert haben, wird das nicht ohne ein bisschen Umstellen gehen.“ Das bedeute auch, einen Schritt aus der Komfortzone heraus zu machen – der Grund, warum sie sich dazu entschlossen hat, für das Klima zu wandern. „Das ist echt nicht mein Hobby“, sagt sie und lacht.

Doch sie ist sicher, dass die Menschen etwas tun können. Damit befasst sich dann auch der zweite Teil ihres Vortrags. „Wir haben eine moralische Verpflichtung allen Lebewesen gegenüber. Ein ,Weiter so‘ gibt es nicht.“ Da bisherige Versuche nicht funktioniert hätten, müsse etwas Neues her. „Ignorieren, das geht nicht mehr“, macht Büssenschütt deutlich. Als Teil von Extinction Rebellion möchte sie an der geplanten Aktionswoche teilnehmen, die am 7. Oktober beginnt – weltweit. 

„Paris, London, Madrid, New York, Sydney – überall wird das öffentliche Leben gestört, durch friedlichen, gewaltfreien zivilen Ungehorsam, das ist uns wichtig“, stellt Büssenschütt heraus. In Großbritannien, dem Ursprungsland der Bewegung, haben die Rebellen zuletzt im April London lahmgelegt – indem sie Plätze und Brücken blockiert haben. „Da herrscht teilweise Straßenfeststimmung“, sagt Büssenschütt. 

Nach zehn Tagen hätten sich Politiker mit den Aktivisten unterhalten. „Dann hat das Unterhaus den Klimanotstand ausgerufen – da kommt ihnen jetzt aber der Brexit in die Quere.“ Dass sie bei Aktionen im Oktober verhaftet werden kann, nimmt sie gelassen – das verschaffe dem Ganzen nur mehr Aufmerksamkeit. Und die wollen die Rebellen.

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