Online-Petition zum Thema Sepsis

Arne Trumann: „Wir wollen Druck aufbauen“

Arne Trumann

Zeven - Von Joachim Schnepel. Sie gilt als die dritthäufigste Todesursache in Deutschland: die Sepsis. Im Volksmund wird sie Blutvergiftung genannt. Und sie kann jeden treffen.

Rund 75.000 Menschen sterben nach Schätzungen von Experten pro Jahr daran. Der Zevener Arne Trumann, der 2012 beinahe selbst an einer Sepsis gestorben wäre, hat sich dem Kampf gegen die Krankheit verschrieben. Dazu ist er im ganzen Bundesgebiet als Redner unterwegs, auch hat er politische Kampagnen angeschoben. Sein Ziel ist es, die Krankheit mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Er selber wurde 2012 von einem grippalen Infekt heimgesucht, der bei ihm einen septischen Schock auslöste, verbunden mit einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung. „Mein damaliger Hausarzt hat die Situation nicht erkannt. Es war mein Glück, dass ich quasi in letzter Minute mit Rettungswagen und Blaulicht in ein Bremer Krankenhaus eingeliefert wurde. Dort gab es erfahrene Intensivmediziner, die sich damit auskannten und die wussten, was zu tun war“, berichtet Trumann. Er lag vier Wochen im künstlichen Koma, war insgesamt neun Monate krankgeschrieben. Der 51-Jährige kam sozusagen mit einem blauen Auge davon, büßte allerdings sieben Fingerglieder ein, für den leidenschaftlichen Hobby-Klavierspieler ein schwerer Schlag. Trotzdem arbeitet Trumann nach einer längeren Wiedereingliederung heute wieder in seinem alten Beruf als Projektmanager bei Lisega.

Das Ziel von Trumann, der sich auch im Vorstand der Deutschen Sepsis-Hilfe engagiert, ist es, die Krankheit mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, und zwar bei Ärzten wie bei Betroffenen, also Patienten, und ihren Angehörigen.

Dazu tritt Trumann in seiner Freizeit bundesweit als Redner bei Ärzte-Kongressen auf und schildert dort die Auswirkungen der Krankheit aus Patientensicht, was bei den Medizinern regelmäßig auf großes Interesse stößt, wie er berichtet. Im Juli reiste er nach Berlin und informierte dort die Öffentlichkeit in den Räumlichkeiten des Deutschen Bundestages. „Wir durften dort in den Tagesräumen des Deutschen Bundestages eine Sitzung abhalten“, freute sich der Vater dreier Töchter, der auch schon in Fernsehsendungen zum Thema mitgewirkt hat. Zusammen mit der Deutschen Sepsis-Stiftung und der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung möchte er eine Kampagne ins Leben rufen. Das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) unterstützt das Anliegen ebenfalls. „Es geht darum, Wege aufzuzeigen, was man tun und wen man ansprechen muss“, bringt Trumann sein Engagement kurz und prägnant auf den Punkt. Er will „die Augen dafür öffnen, dass man etwas unternehmen muss.“

Trumann spricht von dringendem Handlungsbedarf. Rund 20.000 Tote bundesweit könnten seiner Meinung nach vermieden werden, wenn alle Beteiligten besser über die Sepsis und ihre Auswirkungen informiert wären. Viele Menschen könnten gerettet werden, wenn alle Maßnahmen gegen die Krankheit konkret umgesetzt würden. Darunter auch eine bessere Hygiene in den Krankenhäusern, denn die Sepsis kann auch durch Krankenhauskeime hervorgerufen werden. Ein Problem ist laut Trumann jedoch, dass der Druck aus der Öffentlichkeit fehlt. Dem will er durch verstärkte Aufklärungsarbeit in Sachen Sepsis entgegenwirken und er will das öffentliche Interesse für die Problematik wecken. Deshalb auch sein Interesse an der politischen Arbeit. So war er auch Schirmherr einer Petition der Sepsis-Stiftung, die im Sommer in den Bundestag eingebracht werden sollte. Das erforderliche Quorum wurde im Juli allerdings nicht erreicht. Und trotzdem bleibt es sein und das Ziel der Stiftung, einen Nationalen Sepsisplan zu formulieren. „Es muss Druck aufgebaut und fachkundiges Personal gesucht werden. Es kann jeden treffen. Schon ein grippaler Infekt wie bei mir reicht dafür aus.“

www.arnetrumann.com

zz

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