Bestatter im Landkreis bemängeln fehlende Systemrelevanz

„Wir werden immer vergessen“

Zwei Bestatter liefern einen Sarg mit einem an Covid-19 Gestorbenen im Krematorium an.
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Der Sarg mit einem an Covid-19 Gestorbenen wird im Krematorium angeliefert.

Sie befassen sich jeden Tag mit dem wohl schwersten Thema, das zu unserem Leben gehört: die Bestatter. Sie sind wichtig. Aber: Sie sind nicht systemrelevant. Zumindest nicht in Niedersachsen. Von daher ist es wenig überraschend, dass sie in den ersten Kategorien für die Verabreichung von anstehenden Corona-Schutzimpfungen nicht auftauchen.

  • Bestatter haben mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen.
  • Nicht systemrelavant - Impfung noch in weiter Ferne.
  • Diskussionen mit den Hinterbliebenen.

Rotenburg – Klaus Bremer, Bestatter in Scheeßel, sagt es ganz deutlich: „Ich würde es begrüßen, wenn auch wir frühzeitig geimpft werden können.“ Doch danach sieht es derzeit absolut nicht aus. „Wir werden als Randgruppe immer vergessen, aber ähnlich wie das Pflegepersonal arbeiten auch wir an vorderster Front“, bezieht auch Bremers Kollege Ralf Müller aus Sottrum eindeutig Stellung. Die Bestatter haben die Verstorbenen zu versorgen und für die Bestattung vorzubereiten, sie müssen zur Abholung in die Alten- und Pflegeheime, sie haben mit den Angehörigen das gesamte Prozedere zu besprechen und zu organisieren, und letztendlich haben sie einen unter den aktuellen Bestimmungen reibungslosen Ablauf während der Beisetzung sicherzustellen. „Wenn jetzt noch die FFP-2-Maskenpflicht kommt, stellt sich die Frage, wie wir die bekommen, wenn wir nicht vorrangig bestellen können“, sagt Müller.

Dass die aktuelle Situation natürlich auch an der Bestattungsbranche und den Hinterbliebenen nicht spurlos vorbei geht, betont der Bundesverband Deutscher Bestatter. „Wir bleiben weiter hartnäckig“, erklärte der Verband bereits im April des vergangenen Jahres. Das Bestattungswesen müsse zwingend als systemrelevanter Beruf behandelt werden. Doch das ist offenbar bis heute nicht in allen Bundesländern der Fall. Einige Bundesländer erachteten die Branche zwar als wichtigen Berufsstand, ohne aber die notwendige Systemrelevanz zu beschließen. Bis heute gelte das auch in Niedersachsen, unterstreichen mehrere Bestatter im Landkreis auf Nachfrage.

„Täglich viele Telefonate wegen Corona“

Ein Trauerfall bringt ohnehin nicht nur für die Bestatter, sondern auch für die Hinterbliebenen einen großen Aufwand mit sich und wirft gerade jetzt in der Pandemie zusätzlich viele Fragen auf. Und die landen insbesondere bei den Bestattern. Ralf Müller: „Wir versuchen alles, um es für die Angehörigen so angenehm wie möglich zu machen. Die Reaktionen auf die aktuellen Bestimmungen fallen sehr unterschiedlich aus.“ Viele Trauernde verwickelten ihn und seine Kollegen in Diskussionen – „ich führe täglich viele Telefonate wegen Corona.“

Die persönlichen Gespräche mit den Angehörigen der Toten laufen stets unter Einhaltung besonderer Abstands- und Hygienemaßnahmen ab. Man bitte darum, dass nicht zu viele Hinterbliebene dabei sind. „Und die Gespräche finden an einem langen Tisch statt – mit großem Abstand und Mund-Nasen-Schutz“, so Klaus Bremer. Beim Herrichten der Toten seien ein langer Kittel, Schutzbrille, Handschuhe und Mund-Nasen-Schutz Pflicht. „Das alles macht unsere Arbeit nicht leichter.“ Und mit der fehlenden Systemrelevanz sei es schon im vergangenen Jahr schwer gewesen, rechtzeitig an ausreichend Schutzmaterial zu gelangen. Müller: „Wo bestellen wir, wenn wir nicht vorrangig behandelt werden?“

Bestatter tauschen sich untereinander aus

Die Bestatter tauschen sich immer wieder untereinander aus. Vor allem dann, wenn es neue Regelungen und Bestimmungen für sie gibt. Dabei kommen dann auch Aspekte wie dieser auf den Tisch: „Eigentlich dürften wir ja gar nicht die Alten- und Pflegeheime betreten, weil wir bei der Regelung des Zugangs gar nicht berücksichtigt worden sind“, sagt Müller. Natürlich kommen sie trotzdem hinein – vielfach allerdings auch erst dann, wenn sie einen Schnelltest gemacht haben.

Thomas Lehmann, Bestatter in Rotenburg, fühlt sich und die Kollegen im Stich gelassen. Sauer allerdings sei er darauf, dass „nicht schon viel früher die Reißleine gezogen worden ist“. Er setzt vor allem auf die Hilfe der Berufsverbände, damit sich die Situation ändert. Letztendlich finde er sich mit der aktuellen Lage ab und versuche alles, um sich und die Mitarbeiter soweit es geht zu schützen. „Wir sind nicht systemrelevant – das geht eigentlich gar nicht“, stellt er auf Anfrage unserer Redaktion fest. Dabei sei es eigentlich erforderlich, die Bestatter im Zusammenhang mit der Krise ähnlich zu behandeln wie die Pfleger. So sieht es auch sein Kollege aus Sottrum, und der hat zugleich seine Mitarbeiter im Blick. Einerseits fehle der spezielle Zugriff auf erforderliches Schutzmaterial, andererseits den Mitarbeitern das Recht auf Kinderbetreuung. Auch in diesen Listen tauchen die Bestattungsunternehmen nicht auf.

Immerhin: Die Verbände bieten online jede Menge Informationen zu den Abläufen unter den jetzigen Bedingungen, zu Schutzmaßnahmen und Handhabungen im Umgang mit an Covid-19 verstorbenen Menschen.

Von Guido Menker

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