Chefarzt: Aufgabe der Politik, Fallpauschalen zu überdenken

„Wir weisen keine Kinder ab“

Chefarzt Dr. Christof Kluthe beschäftigt der Fachkräftemangel.
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Chefarzt Dr. Christof Kluthe beschäftigt der Fachkräftemangel.

Rotenburg – Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen in der Kinderklinik am Agaplesion Diakonieklinikum ist gesichert. Das erklärt deren Chefarzt Dr. Christof Kluthe auf Anfrage der Rotenburger Kreiszeitung. „Die wirtschaftlichen Bedingungen sind schwierig, aber der Versorgungsauftrag für unsere Region ist entscheidend. Die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen muss einfach besonders geschützt werden“, so Kluthe. Hintergrund: In vielen Kinderkliniken schlagen die Chefärzte Alarm – hoher Kosten- und Personaldruck. Zum Teil wird die Bettenzahl daher reduziert. Die Versorgung der Kinder leidet darunter.

„In der ja noch kurzen Zeit, die ich hier seit meinem Start am 1. April in Rotenburg überblicke, spüre ich eine große Unterstützung vonseiten der anderen Fachabteilungen und der Krankenhausleitung des Diakonieklinikums“, erklärt Kluthe. Von der Vielfalt und Größe der Klinik als Maximalversorger in der Fläche profitiere die Kinderklinik sicher sehr. Das sieht mancherorts anders aus. Es gibt Krankenhäuser, in denen Kinder nicht mehr aufgenommen werden, obwohl Betten zur Verfügung stehen.

Und in Rotenburg? „Wir weisen keine Kinder ab, die stationär aufgenommen werden müssen. Im Gegenteil, wir behandeln und betreuen alle Patienten unter 18 Jahren auf unserer Kinderstation interdisziplinär gemeinsam mit anderen chirurgischen Fachabteilungen – zum Beispiel nach einer Blinddarmoperation oder Verletzungen“, so Kluthe. Die Kinderklinik am Diako verfüge laut Krankenhausplan über 30 Betten, davon zehn Betten auf der Neonatologischen Intensivstation. Der Chefarzt: „Die Zahl dieser Intensivbetten ist ausreichend für die Versorgung der kranken Neugeborenen in unserem Einzugsgebiet. In den vergangenen Jahren ist die Durchschnittszahl unserer Betten konstant und im Schnitt unverändert.“

Behandlung und Pflege der Kinder und Jugendlichen entspreche den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation, „und das freut mich persönlich besonders. So wird eine altersgerechte Pflege ermöglicht – Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“. Kinder und Jugendliche brauchen eine andere Medizin und Pflege als erwachsene Patienten, ist Kluthe überzeugt. Als Mediziner sei es daher schwer, die individuellen Bedürfnisse nur anhand einer Fallpauschale zu ermitteln.

„Kinder brauchen andere Zuwendung, Vertrauen muss aufgebaut werden. Die Betreuung und Behandlung brauchen mehr Zeit“, führt Kluthe weiter aus. So sei der Aufwand an der medizinischen Versorgung höher. Der Chefarzt: „Fallpauschalen berücksichtigen diesen erhöhten Bedarf an Zeit und Personal aktuell nur bedingt. Daher bin ich froh, dass wir so gute Unterstützung im eigenen Haus und Konzern haben und auch vom Land und den Kostenträgern positive Signale erhalten.“

Es sei die Aufgabe der Politik, das System der Fallpauschalen insgesamt und bundesweit zu überdenken und zu überarbeiten, wenn es insbesondere um Kinderkliniken geht. Denn der Kostendruck von Krankenhäusern darf nicht auf den Schultern der jungen Patienten ausgetragen werden.

„Hier in Rotenburg überlegen wir gemeinsam, wie wir gute Medizin und Pflege für Kinder weiter anbieten und verbessern können. Natürlich beschäftigt uns aktuell auch – wie alle anderen Fachbereiche – der Fachkräftemangel im ärztlichen Bereich und in der Pflege.“

Man konzentriere sich im Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg zudem gerade auf die zusätzliche Weiterentwicklung der Klinik und plane im Diako ein Eltern-Kind-Zentrum mit modernen, neu geschaffenen Räumen mit optimalen Bedingungen für die jungen mit ihren Eltern, so Kluthe abschließend.

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