„Wir sind geradeaus gelaufen“

Agaplesion Diakonieklinikum behandelt 2017 mehr als 150 .000 Patienten

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Detlef Brünger ist seit September offiziell verantwortlicher Geschäftsführer des Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Seit 2014 verzeichnet das Rotenburger Krankenhaus wieder schwarze Zahlen. Ein Jahr nach dem Einstieg des Frankfurter Gesundheitskonzerns Agaplesion in Rotenburg kehrte die viele Jahre defizitäre Klinik zurück in die Gewinnzone. Eine Entwicklung, die anhält. 180 Millionen Euro Umsatz wurden 2017 erwirtschaftet. „Wir sind zufrieden“, bilanziert Geschäftsführer Detlef Brünger – wohlwissend, dass dieses Ergebnis in der hart umkämpften Branche viel Einsatz braucht.

„Es war ein Jahr des Übergangs, zumindest in der Führung“, blickt der 53-jährige Brünger zurück. Seit September steht er offiziell an erster Stelle im Diako, seit Dezember 2016 war der Diplom-Volkswirt bereits mit Christoph Rolf Maier als sogenanntem Generalbevollmächtigtem als Interims-Doppelspitze eingesetzt. Die Vorgeschichte mit der viel diskutierten Ablösung von Rainer W. Werther ist bekannt, mit dem Abschied Maiers Anfang des Jahres an die Spitze des Agaplesion Bathildiskrankenhaus Bad Pyrmont sei man „wieder in alter Struktur“ in Rotenburg aufgestellt, so Brünger – neben ihm steht Professor Michael Schulte als Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer an der Spitze in Rotenburg. Insgesamt arbeiten für das Diako und seine Tochterfirmen 2.500 Mitarbeiter, darunter 600 im Pflegedienst und 314 Ärzte.

Zahl der Geburten erreicht Spitzenwert

„Wir sind geradeaus gelaufen“, sagt Brünger mit Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres. 31.500 Patienten seien stationär behandelt worden, ähnlich wie 2016. Im ambulanten Bereich ist die Zahl allerdings um rund 2. 000 Patienten und 1 .000 Notfälle gestiegen: auf 127. 000 Patienten, darunter 22 000 Notfälle. Auch die Zahl der Geburten hat mit 1. 150 einen neuen Spitzenwert erreicht. Die Zahlen der ersten beiden Monate 2018 deuten laut Brünger darauf hin, dass Patienten Rotenburg weiter annehmen: „Wir sind nahezu ausgelastet.“ Vor allem die Grippe sorge aktuell dafür, dass kaum ein Bett frei ist.

Und Rotenburg wächst. Auch wenn es wegen des Platzmangels und der Stadtrandlage am Naturschutzgebiet vorerst nur in die Höhe gehen kann. Am Freitag wird die für rund 1,6 Millionen Euro sanierte Station für Gastroenterologie, Diabetologie und Ernährungsmedizin neu eröffnet, im Frühjahr 2019 sollen die 27 Zimmer der interdisziplinären Komfortstation auf Haus B bezugsfertig sein. Etwa 6,4 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. „Investitionen in die Zukunft“ seien das, heißt es. Dazu gehört auch das geplante Parkdeck auf dem Mutterhausgelände. Doch der Bau sei stets eine „Entscheidung der konkurrierenden Mittel“. Brünger: „Wir investieren vor allem in medizinische Entwicklung.“ Trotzdem sei die Lösung des Parkproblems notwendig – und Gespräche mit Stadt und Landkreis dazu laufen. Zudem sei die öffentliche Hand gefordert, ihren Verpflichtungen insgesamt nachzukommen. Denn der Investitionsstau sei groß, die neue Bundesregierung sei gefordert, die Finanzierung anzuschieben.

„Eine Entscheidung der Politik“

Tatsächlich scheint Wachstum im hart umkämpften Gesundheitsmarkt auch für einen medizinischen Vollversorger wie das Diako eine Notwendigkeit zu sein. Wohin es sonst gehen kann, zeigt aktuell das Beispiel Zeven: Das dortige Martin-Luther-Krankenhaus (MLK) soll zum Ende des Jahres geschlossen werden, stattdessen ist ein „ambulantes Gesundheitszentrum“ geplant. „Eine Entscheidung der Politik“, gibt sich Brünger diesbezüglich zurückhaltend. Das Diakonie-Krankenhaus hatte nach Angaben von Landrat Hermann Luttmann (CDU) im Sommer 2014 „völlig überraschend“ abgelehnt, ein Angebot zum Betrieb des maroden MLK zu machen. Brünger betont heute, dass man „stets gesprächsbereit“ sei und mit einem Medizinischen Versorgungszentrum in Zeven seit Jahren aktiv sei. Und es gebe Interessen, „es auszubauen“. Zu den Fachbereichen Allgemeinmedizin, HNO-Heilkunde, Innere Medizin sowie Neurologie und Psychiatrie bestehe Interesse an der halben Stelle im Bereich Chirurgie, die von der Kassenärztlichen Vereinigung für Zeven im Gespräch ist. Dass man damit in direkter Konkurrenz zu den MLK-Nachfolgeplänen steht, sei normaler Wettbewerb.

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