„Wir legen uns ins Zeug“

Der Bau des Rotenburger Hospizes kann bald beginnen

Johannes Stephens (v.l.), Sandra Köbe und Matthias Richter wollen das Hospiz in die Mitte der Gesellschaft tragen. Foto: men
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Johannes Stephens (v.l.), Sandra Köbe und Matthias Richter wollen das Hospiz in die Mitte der Gesellschaft tragen.

Rotenburg – Der Bauantrag läuft, und die Betreibergesellschaft gründet sich in drei Wochen. „Von uns aus kann es bald losgehen“, sagt Johannes Stephens, Referent des Vorstandes im Rotenburger Diakonissen-Mutterhaus und zugleich Projektleiter für das in Planung befindliche stationäre Hospiz „Zum Guten Hirten“.

3,6 Millionen Euro nimmt das Mutterhaus für dieses Projekt in die Hand. Damit lässt sich der Neubau am Therkornsberg realisieren, aber ohne Spenden geht es nicht. Das unterstreichen Stephens sowie der Vorstandsvorsitzende Matthias Richter. Mit am Tisch sitzt auch Sandra Köbe, zuletzt Koordinatorin beim Verein Hospiz- und Palliativarbeit in der Region Rotenburg.

„Mit einem Hospiz lässt sich kein Geld verdienen, sondern man muss es mitbringen“, sagt Richter. Allein dieser Umstand macht es vielerorts schwierig, ein solches Projekt überhaupt in die Tat umzusetzen. „Dafür braucht es die Bereitschaft, das finanzielle Risiko zu übernehmen.“ Diese Bereitschaft habe das Mutterhaus. „Wir haben das Grundstück gekauft, wir bauen das Haus, und wir kümmern uns um die Außenanlagen“, sagt er, „und für die Innenausstattung setzen wir auf Spenden.“ Für die Ersteinrichtung seien weitere 450 000 Euro erforderlich. Darüber hinaus ist das Mutterhaus aufgerufen, für die laufenden Kosten jährlich weitere 150 000 Euro zusammenzutragen. 95 Prozent der Kosten übernehmen die Kranken- und Pflegekassen. Es geht also schon jetzt und damit noch vor der Grundsteinlegung darum, Freunde und Förderer zu finden, die sich in den Dienst dieser Einrichtung stellen. „Dafür legen wir uns ins Zeug“, so Richter. Ein großes Anliegen sei es, das Hospiz „Zum Guten Hirten“ in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Das Projektteam sucht ganz gezielt die Öffentlichkeit. Die ersten Reaktionen seien positiv, es gebe schon erste konkrete Finanzierungszusagen.

Der Bau startet voraussichtlich im April oder Mai, für das Frühjahr 2021 sieht das Mutterhaus die Eröffnung vor. Acht Plätze soll es zunächst geben, doch das Haus mit seinen 1 000 Quadratmetern biete Kapazitäten für zwei weitere Zimmer, in denen Menschen auf ihrem letzten Weg im Leben umfassende Betreuung finden. Die zunächst vorgesehene Größe basiert auf einer bereits 2017 gestarteten Bedarfsanalyse. Johannes Stephens: „Es gibt allerdings auch noch eine Ausbaureserve.“ Ein insgesamt 25-köpfiges Team soll im Hospiz rund um die Uhr für den Ablauf sorgen. „Schon jetzt erreichen uns Nachfragen von Fachkräften, die gerne bei uns arbeiten möchten“, weiß Richter zu berichten. Darüber hinaus will die Betreibergesellschaft Ehrenamtliche in die Arbeit einbinden, ohne dabei allerdings dem Hospizverein Konkurrenz zu machen, betont Matthias Richter.

Hinter der Betreibergesellschaft stecken das Mutterhaus mit 75 Prozent und die Rotenburger Werke mit 25 Prozent der Anteile. „Wir freuen uns sehr über die Unterstützung der Werke“, betont Richter die gute Nachbarschaft. Ein ähnlich gutes Verhältnis gebe es zudem mit dem Hospizverein. Richter: „Dieser ist auch weiterhin extrem wertvoll und wichtig.“ Insgesamt steige das Angebot, das stationäre Hospiz schließe dabei eine Lücke.

Vor diesem Hintergrund geht es in diesen Wochen und Monaten der Vorbereitung nicht nur um das Werben um Spenden, sondern auch darum, das Hospiz inhaltlich in die „Mitte der Gesellschaft“ zu tragen und gleichzeitig Netzwerkarbeit auf vielen verschiedenen Ebenen zu betreiben. „Wir bauen Zuhause – bauen Sie mit“, lautet die Überschrift einer grundlegenden Informationsbroschüre. Das Motto: „Weil Sterben Herzenssache ist“.

Zugleich legt Stephens im Gespräch mit unserer Redaktion einen Veranstaltungsflyer vor, der eine Mischung aus Infos, Austausch und Unterhaltung beinhaltet. Alles Mittel und Wege, das Hospiz in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Die Veranstaltungsreihe für das Hospiz startet bereits am 5. März im Aira an der Elise-Averdieck-Straße. Von 18 Uhr an läuft dort das „Forum Hospiz: Wer hilft am Lebensende?“ Der Eintritt ist frei. Für den 21. März von 19 Uhr an ist dann ein Konzert mit der Band „Wildes Blech“ im Buhrfeindsaal geplant. Auch in diesem Fall ist der Eintritt kostenlos – um Spenden wird man allerdings bitten. Baubegleitend geht es am 4. Juni mit dem „Forum Hospiz: Der Körper am Lebensende“ weiter – erneut im Aira von 18 Uhr an. Ein paar Schritte weiter gibt es am 16., 20. und 24. Juni ein Public Viewing im Buhrfeindsaal – es steht die Fußball-Europameisterschaft auf dem Programm. Mit im Boot sitzt der Lions Club Rotenburg. Ebenfalls um Fußball geht es am 10. Juli im Buhrfeindsaal, wenn um 18 Uhr das Programm „David trifft Goliath – voll in den Winkel“ von und mit David Kadel beginnt. Das dritte „Forum Hospiz“ mit „Gedanken zum Lebensabend“ plant das Mutterhaus für den 3. September ab 18 Uhr, am 31. Oktober folgt dann noch ein Benefiz-Gospelkonzert mit Chris Lass und seinem Gospelchor in der Kirche „Zum Guten Hirten“ (18 Uhr). Das Jahresprogramm endet schließlich am 5. November mit dem „Forum Hospiz: Der Hospizalltag braucht Sie!“ ab 18 Uhr – erneut im Aira an der Elise-Averdieck-Straße.

Richter betont: „Das Hospiz ist eine Einrichtung für Rotenburg und Verden. Wir wollen vermitteln, worum es geht – um ein Sterben in Würde.“ Die Reaktionen bisher seien sehr positiv. Da ist dann auch schon einer, der sagt, er übernehme die 1 500 Euro für den massiven Esstisch im Wohnzimmer, ein anderer kündigt an, den Kauf eines Multimedia-Fernsehers zu bezahlen. Die Bands, die die Konzerte spielen, machten es ohne Gage, die Veranstalter des Hurricane-Festivals stiften Tickets für eine Verlosung oder Versteigerung zugunsten des Hospizes. Das alles seien gute Signale. „Jetzt hoffen wir ganz einfach, dass diese Welle noch größer wird“, sagt Matthias Richter zuversichtlich.

www.hospiz-zum-guten-hirten.de

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