Interview mit Gerhard Harnisch, Standortleiter der Deutschen Angestellten Akademie in Rotenburg

„Wir finden einen Weg!“

Gerhard Harnisch – hier in einem Beratungsgespräch – leitet seit zwei Jahren den Standort Rotenburg der Deutschen Angestellten-Akademie und sucht Tag für Tag mit seinem Mitarbeiter-Team nach Lösungen für jobsuchende Menschen. - Foto: Klein

Rotenburg - Von Manfred Klein. Seit zwei Jahren ist Gerhard Harnisch Standortleiter der Deutschen Angestellten-Akademie GmbH (DAA) in Rotenburg. Der Standort befindet sich an der Großen Straße 28-30, in der Lüdemann-Passage, und zukünftig auch Am Neuen Markt 12 in Rotenburg.

Herr Harnisch, seit wann arbeiten Sie für die DAA in Rotenburg?

Gerhard Harnisch: Ich bin seit fast neun Jahren hier tätig. Vorher habe ich für die DAA in Uelzen gearbeitet.

Können Sie sich noch erinnern, wie Ihr Einstieg hier war?

Harnisch: Ja, das weiß ich noch sehr genau. Ich kannte zunächst niemanden. Zuerst wohnte ich in Ahausen, und die Familie Cordes hat mich dort herzlichst empfangen und aufgenommen. Der DAA-Standort war genau gegenüber dem alten Druckhaus Sasse. Da haben Sie ja jetzt wunderbar schöne neue Büroräume bezogen; herzlichen Glückwunsch übrigens dafür!

Danke, und wie war ihr Eindruck von Stadt und Landkreis Rotenburg?

Harnisch: Nun, ich bin hier sehr unvoreingenommen hergezogen und habe natürlich eine Zeitlang gebraucht, die Stadt und die Infrastruktur des Landkreises genauer kennenzulernen. Mir war seine Größe ehrlich gesagt gar nicht so bewusst, und so schön auch der Landkreis sich einem darbietet, so schwer ist es doch in bestimmten Regionen, ohne Auto am gesellschaftlichen Leben (sprich Arbeits- und Freizeitorganisation) teilzunehmen.

Wer sind Ihre derzeitigen Auftraggeber?

Harnisch: Wir arbeiten sehr intensiv mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur zusammen. Diese weisen uns Menschen aus der Stadt und dem Landkreis zu, für die wir unsere Dienste anbieten.

Seit zwei, drei Wochen ist immer wieder ein Trupp von Soldaten zu sehen, der in Ihr Haus marschiert, sind Sie jetzt auch in Militärfragen engagiert?

Harnisch (lacht): Nein, nein, dafür sind andere Menschen zuständig. Die Soldaten sind derzeit hier, weil sie bei uns in einwöchigen Crashkursen in Englisch geschult werden.

Und welche Dienstleistungen bieten Sie an?

Harnisch: Wir sind behilflich bei der Erstellung professioneller Bewerbungsunterlagen, wir coachen Ratsuchende in Einzelberatungen und erarbeiten mit ihnen eine realistische Berufsperspektive beziehungsweise eine Reintegration in den ersten Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Wir bilden junge Menschen in Zusammenarbeit mit den örtlichen Betrieben aus. Die Betriebe führen die praktische Seite der Ausbildung durch, und wir unterstützen zum einen, indem wir den Auszubildenden helfen, die theoretischen Inhalte besser zu verstehen und bereiten sie intensiv auf ihre Prüfungen vor, und zum anderen unterstützen wir sie bei allen möglichen persönlichen Nöten, die sie uns vertrauensvoll mitteilen.

Sagen Sie bitte, was sind denn „professionelle Bewerbungsunterlagen“?

Harnisch: Nun, es fängt damit an, dass man alle Unterlagen vorliegen hat; als da wären ein gut erstelltes Deckblatt, ein Bewerbungsschreiben, das auf das Anforderungsprofil der zu besetzenden Arbeitsstelle eingeht und die eigenen fachlichen wie persönlichen Stärken dazu benennt, einen aktuellen und lückenlosen Lebenslauf sowie last but not least die entsprechenden Zeugnisse und Zertifikate. Man muss einer Bewerbung ansehen können, dass man sich dafür gründlich vorbereitet hat. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne darauf hinweisen, dass Jugendliche vom Landkreis Rotenburg durch die neu gegründeten Jugendberufszentren – in Rotenburg zum Beispiel an der Harburger Straße 59 über der Sparkasse – und durch die Berufsberatung der Arbeitsagentur an der Nordstraße 17 intensiv unterstützt werden. Sie müssen nur die kostenlose Hilfe annehmen.

Wie dürfen wir uns Ihre Arbeit und die Ihrer Kolleginnen und Kollegen als Coach vorstellen?

Harnisch: Also zunächst wird ein Termin mit den Teilnehmern für das Erstgespräch vereinbart. Dann werden ihre Wünsche und Fragen geklärt sowie mögliche Vermittlungshemmnisse erörtert. Im weiteren Verlauf werden dann die Bewerbungsunterlagen gesichtet und aktualisiert und in der Regel eine Art Fahrplan in den ersten Arbeitsmarkt erstellt. Man trifft sich dann für einen Zeitraum von ein bis sechs Monaten ein- bis zweimal die Woche in vertraulicher Atmosphäre.

Welche Vermittlungshemmnisse liegen denn meist vor?

Harnisch: Um noch einmal kurz auf die Bewerbungsunterlagen zu sprechen zu kommen, wenn ich darf, diese sind häufig mangelhaft und tatsächlich ein Grund, jemanden nicht zum Vorstellungsgespräch einzuladen. Ferner gibt es eine Reihe von Gründen, die ich hier nur kurz erwähnen kann, die aber im Coachingprozess ausführlich besprochen werden: Zeiten der Arbeitslosigkeit aufgrund von Krankheiten, privaten Schicksalsereignissen, mangelnde Mobilität, fehlende Qualifikationen und anderes.

Damit ist ja auch der Personenkreis umrissen, der von Arbeitslosigkeit bedroht beziehungsweise betroffen ist, oder?

Harnisch: Ganz recht. Nicht zu vergessen ist der Personenkreis der alleinerziehenden Frauen sowie der der älteren und behinderten Menschen.

Sicherlich fällt Ihnen dann auch nicht immer eine Lösung ein?

Harnisch: Nun, in bestimmten Einzelfällen gibt es in der Tat nicht immer eine probate Lösung. Aber in unserem Team loten wir alle denkbaren Möglichkeiten aus, um Menschen zu helfen. Wir möchten ihnen Mut machen, nicht gleich aufzugeben, wenn auch das Ziel, in Arbeit zu kommen, nicht schnell zu erreichen ist. Unser Motto ist: „Wir finden einen Weg!“ Und manchmal muss man den Menschen dazu raten, etwas Neues auszuprobieren und ausgetretene Pfade zu verlassen. Und wenn ich hinzufügen darf, dann können wir auf unsere Vermittlungserfolge sehr stolz sein. Dieser kommt auch zustande, weil wir sehr gut mit dem Jobcenter des Landkreises und der Arbeitsagentur sowie den örtlich ansässigen Betrieben zusammenarbeiten. Und auch wir alle zusammen versuchen, neue Wege zu gehen, wenn wir feststellen müssen, dass die alten nicht zukunftsweisend sind.

Haben Sie neue Pläne?

Harnisch: Wir werden uns auch in der Flüchtlingsarbeit ab November dieses Jahres in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur engagieren. Hier wird es auch um die Integration in die Betriebe gehen. Ferner arbeiten wir an innovativen Konzepten, um arbeitssuchende Menschen noch besser integrieren zu können. Insbesondere ist es uns ein Anliegen, Menschen zu aktivieren, die sich nichts mehr zuzutrauen.

Herr Harnisch, sagen Sie uns bitte doch, was Ihnen in Stadt und Landkreis Rotenburg am besten gefällt?

Harnisch: Mir gefällt die Übersichtlichkeit dieser Stadt, viele Institutionen und Geschäfte sind schnell zu erreichen, es gibt viele engagierte Menschen und viele schöne Radwanderwege.

Was wünschen Sie sich für diese Region?

Harnisch: Mehr bezahlbaren Wohnraum für Geringverdienende. Dass die Toleranz gegenüber fremden Kulturen nicht abnimmt und diese als Bereicherung gesehen und anerkannt werden.

Eine letzte Frage, Herr Harnisch: Wen oder was möchten hier Sie nicht missen?

Harnisch: Meine Frau.

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