Investoren wollen sechs XXL-Anlagen östlich von Rotenburg errichten

Windpark-Pläne stehen

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Blickwinkel östlich von Rotenburg auf den neuen, geplanten Windpark Wolhsdorf als Simulationen mit den bisherigen Windenergie-Anlagen (WEA).

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der geplante Windpark Wohlsdorf östlich des Rotenburger Stadtgebiets sorgt für Diskussionen. Anwohner insbesondere des Neubaugebiets an der Brockeler Straße, aber auch Bürger aus Bartelsdorf und Wohlsforf befürchten Beeinträchtigungen durch Lärm und Schlagschatten. Am Montagabend wurde des Projekt von den Investoren im Rathaus erstmals öffentlich vorgestellt. 2017 könnten die Windräder gebaut werden.

Das sieht zumindest der Plan der Reon AG aus Lilienthal und der Capcerta GmbH aus Wohlsdorf vor. „Wenn das Regionale Raumordnungsprogramm endgültig verabschiedet wird, haben wir den Tag darauf unseren Antrag auf dem Tisch“, berichtete am Montagabend Wirtschaftsingenieur Julian Helmich im voll besetzten Ratssaal. Er war mit seinen Kollegen erschienen, um Details ihres Projektes zu präsentieren und Fragen zu beantworten.

Dass es davon noch viele gibt, machte die muntere Diskussion schon zu Beginn der fast dreistündigen Veranstaltung deutlich. Viele Anwohner meldeten sich zu Wort, insbesondere diejenigen, die sich schon durch die bislang vorhanden 16 Windräder in dem Gebiet gestört fühlen. „Wenn der Lärm erst da ist, stößt die Räder keiner mehr um“, sagte ein Bartelsdorfer.

Tatsächlich versuchte Ulrike Jungemann, Regionalplanerin beim Landkreis, gar nicht, Probleme schön zu reden. Aber der Kreis sei eben in der Pflicht, Flächen für Windkraft auszuweisen. 1,16 Prozent der Kreisfläche sollen es werden, eine Verdopplung der Vorrangfläche. Nach einem Erlass des Landes Niedersachsen zwar immer noch viel zu wenig, aber für die Regionalplaner das, was unter Berücksichtigung wichtiger Aspekte des Landschafts- und Naturschutzes möglich sei. Jungemann: „Wir suchen die Flächen heraus, die am konfliktärmsten sind.“ Nach den Stellungnahmen der Kommunen und einer möglichen politischen Beratung sowie Überarbeitung hofft die Verwaltung auf eine Anerkennung der neuen Regionalen Raumordnung Mitte des kommenden Jahres.

Unternehmer Helmich nahm in seinen Ausführungen wie Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) Bezug auf die grundsätzliche Debatte über die Energie der Zukunft. Erdgasförderung? Atomstrom? Kohle? Gesellschaftlich kaum noch durchsetzbar. Es bedürfe Alternativen. Und eine wichtige davon sei eben die Windkraft.

Sechs Windenergie-Anlagen der neuesten Generation sollen auf der 97 Hektar großen, neuen Potenzialfläche zwischen Rotenburg, Wensebrock und Bartelsdorf/Wohlsdorf entstehen. Helmich und seine Kollegen sprechen von Windrädern des Typs „E141“ mit einer Nabenhöhe von rund 160 und einem Rotordurchmesser von 140 Metern – was also eine Gesamthöhe von rund 230 Metern entspricht und damit als „raumbedeutsam“ gilt. Diese sechs Anlagen sollen in etwa so viel Strom liefern wie die bisherigen 16 Anlagen in unmittelbarer Nähe, jährlich etwa 75 Millionen Kilowattstunden, was der Versorgung von 19.000 Vier-Personen-Haushalten entspreche.

Auch ohne die rechtliche Absegnung laufen bereits gezielte Vorplanungen. Und so konnte Helmich den besorgten Bürgern am Montagabend bereits dezidierte Pläne und Karten zu möglichen Belastungen durch Schall, Licht und Schattenwurf vorstellen. Zusammengefasst sagten diese aus: Alle Richtwerte werden klar eingehalten, Störungen seien nicht zu erwarten. Natürlich seien die Windräder weithin sichtbar, aber die modernen Anlagen hielten die von ihnen ausgehenden Emissionen sehr gering. Für die Errichtung müssten zwar einige Zuwegungen mit Schotter ertüchtigt werden, aber das sei zeitlich sehr begrenzt.

Bürgermeister Weber und seiner Verwaltung waren die Pläne bereits vor einigen Wochen vorgestellt worden. Eine abschließende Position habe man aber noch noch bezogen, betonte er. Dazu sei nun auch die politische Diskussion im Fachausschuss und Rat notwendig. Die Stadt müsse entscheiden, ob sie an dieser Stelle Wohnbebauung für die nächsten Jahrzehnte ausschließe und ob die Belastungen für die Bürger zumutbar seien. Einwirken müsste sie mit ihrer Stellungnahme zum Raumordnungsprogramm. Nachträglich den Windpark über eine eigene Bauleitplanung zu verbieten, sei schwierig, hieß es – dafür fehlten nämlich angesichts aller eingehaltenen Richtlinien die städtebaulichen Argumente.

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