Der Wilstedter Reinhard Piehl plant, die Schulsituation in nepalesischem Bergdorf zu verbessern

Damit die Kinder Englisch lernen

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Die Mädchen und Jungen sitzen in den Klassenzimmern getrennt. Die Einrichtung ist äußerst spartanisch.

Wilstedt/Nepal - Von Elisabeth Hintze. Ein Zeitungsartikel war es, der Reinhard Piehls Fernweh und gleichzeitig seinen Drang zu helfen weckte: Der 73-Jährige las vor gut einem Jahr einen Bericht über Klaus Eckert, einen Arzt aus Bremen, der seit einigen Jahren in einem kleinen Bergdorf in Nepal medizinische Hilfe leistet und für künftige Projekte Freiwillige suchte. Englischlehrer, um genau zu sein. Denn das Schulsystem in Banjhakateri – so der Name des Dörfchens in der Provinz Gulmi – ist nicht auf dem neuesten Stand und benötigt dringender Neuerungen.

Piehl, pensionierter Lehrer aus Wilstedt und seit jeher „äußerst umtriebig“, wie er selbst sagt, fühlte sich gleich angesprochen. Er nahm Kontakt zu Eckert auf, und engagiert sich seitdem in dessen Verein Brepal, der sich die Entwicklungshilfe in Banjhakateri auf die Fahne geschrieben hat. Zweimal ist Piehl bereits nach Nepal, das südasiatische Land am Himalaya, gereist. Beide Male kehrte er mit Ideen für eine Verbesserung der Schulsituation im Gepäck zurück.

„Das Schulsystem dort ist sehr kompliziert“, erklärt Piehl. In Banjhakateri leben gerade einmal 3000 Einwohner, dennoch gibt es sieben Schulen im Ort. Denn dieser erstreckt sich über ein großes Gebiet, die einzelnen Hütten liegen weit verstreut an steilen Hängen. „Es gibt nur einen Weg, der sich durch das Dorf schlängelt, Hang hoch und Hang wieder runter“, berichtet Piehl. Oftmals müssten die Mädchen und Jungen 90 Minuten Schulweg auf sich nehmen. Daher gebe es so viele Bildungseinrichtungen, um die Wege relativ kurz zu halten.

Reinhard Piehl besuchte während seiner ersten Reise im Oktober vergangenen Jahres erstmals mehrere der örtlichen Schulen. „Ich habe mich über die Zustände dort erschrocken.“ Einerseits sei ihm die schlechte Ausstattung aufgefallen, aber hauptsächlich bereiteten ihm die mangelnden Englischkenntnisse Sorgen – sowohl der Schüler als auch der Lehrer. „Ich dachte erst, sie seien schüchtern. Dann habe ich gemerkt, dass sie mich nicht verstanden haben.“ In Nepal gebe es zwar eine Schulpflicht, die aber niemand überprüfe. Oftmals gingen die Mädchen und Jungen nur wenige Jahre zur Schule. Dann müssten sie zuhause auf dem Feld mithelfen, um Geld für die Familie zu verdienen.

Der pensionierte Lehrer verschaffte sich während seines ersten Besuchs einen Überblick über das Bildungssystem und versuchte anschließend, Konzepte zur Verbesserung zu entwickeln. Erschwerend kommt für ihn allerdings hinzu, dass das Bildungsministerium in Nepals Hauptstadt Kathmandu im vergangenen Jahr beschlossen hat, in zwei Distrikten des Landes den Unterricht komplett auf Englisch laufen zu lassen. Einer der zwei Distrikte ist Gulmi, somit ist das Bergdorf Banjhakateri ebenfalls von den Neuerungen betroffen.

Vor einem Monat flog Piehl gemeinsam mit seiner Frau Anne erneut nach Nepal. Anlass der Reise war unter anderem die Einweihung des neuen Gesundheitszentrums, das Brepal in dem Bergdorf errichtet hat. Zur Feier waren auch die Leiter der sieben örtlichen Schulen eingeladen. Piehl hoffte von ihnen hören, welche Wünsche für die Verbesserung ihrer Einrichtung am dringendsten seien. „Ich wollte, dass sie sich einigen, damit wir erstmal nur mit einer Schule anfangen können.“

Dieses Unterfangen erwies sich jedoch als kompliziert, denn jeder der Schulleiter beanspruchte die Hilfe primär für sich. Letzten Endes seien die Schulleiter jedoch zu dem Entschluss gekommen, dass sie dringend einen Englischlehrer bräuchten, der einerseits die Schüler unterrichtet, andererseits die bereits vorhandenen Lehrkräfte schult.

Knackpunkt ist laut Piehl allerdings, dass es zwar studierte Fachkräfte im Land gebe – aber niemand möchte in die Provinz, in ein abgelegenes Bergdorf wie Banjhakateri, ziehen. Bis zu zwei Tage dauere die Fahrt von Kathmandu. 260 Kilometer, die größtenteils nur auf Buckelpisten und mit Jeeps zurückgelegt werden können.

Zweites Problem: das fehlende Geld. „Ich habe von einem Sponsor 5000 Euro für das Schulprojekt“, erzählt Piehl. Ein ausgebildeter Englischlehrer würde im Jahr umgerechnet 3000 Euro verdienen. „Aber nur ein Jahr zu finanzieren, das reicht nicht. Mit der Aussicht zieht kein Lehrer dorthin.“

Und was nun? „Darüber zerbreche ich mir Tag und Nacht den Kopf“, sagt Piehl. Ansätze zur Lösung der Probleme habe er, inwiefern sich diese umsetzen ließen, werde sich zeigen. Im kommenden Oktober wird wieder ein Freiwilliger nach Nepal reisen, Reinhard Piehl bleibt dann aber zuhause. „Ich kann nicht laufend nach Asien fliegen.“ Denn die Freiwilligen erhalten keinerlei Zuschüsse, Piehl hat seine Reisen komplett aus eigener Tasche finanziert.

Ob noch zum neuen Schuljahr – in Nepal wechselt es bereits zum 1. Mai – eine Fachkraft für Englisch eingestellt werden kann? Piehl wagt keine Prognose. Dennoch, das zur Verfügung gestellte Geld solle „auf jeden Fall verbraten“ werden. Dann könne eben ein anderer Wunsch der Schulleiter erfüllt werden. Ein Teppich beispielsweise. Piehl: „Ich war über diesen Wunsch doch sehr erstaunt. Nachdem ich die Klassenzimmer besichtigt habe, machte er allerdings Sinn.“ Denn viele der kleineren Schülerinnen und Schüler müssen aufgrund der schlechten Ausstattung auf dem Boden sitzen.

Eine Bitte hat der ehemalige Lehrer zu guter Letzt noch: „Ich suche weitere Freiwillige, die nach Nepal reisen, um den Kindern dort spielerisch die englische Sprache zu vermitteln.“ Junge Menschen nach dem bestandenen Abitur beispielsweise, die noch nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen möchten. Lehramtsstudenten etwa, aber auch jeder, der einen Teil zur Verbesserung der Schulsituation in Banjhakateri beitragen möchte, ist Reinhard Piehl willkommen.

***

Informationen zum Verein Brepal finden sich im Internet unter www.brepal.de. Reinhard Piehl steht zudem unter der Nummer 04283/982211 oder per E-Mail an r.piehl@gmx.de für weitere Fragen zur Verfügung.

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