„WildwuX“-Theatergruppe macht am Dienstag Halt in Rotenburg

Die Sehnsucht nach Ruhe

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Barbara Sütterlin (v.l.), Hannah-Lena Stegemann, Neele Külper, Wilhelm Bracher Marie Watson, Lionel Tomm und Marius Kehlenbeck führen heute ihr Theaterstück in Rotenburg auf.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Mit 25 Kilometern pro Stunde durch die norddeutsche Tiefebene: Die „WildwuX“-Theatergruppe ist mit ihren Zirkuswagen unterwegs und macht am Dienstag um 16 Uhr Halt in der Rotenburger Fußgängerzone.

Bereits seit 1983 gibt es das Projekt vom Bund Deutscher Pfadfinder (BDP), und fast genauso lange ist Barbara Sütterlin an Bord. Erst selbst als Schauspielerin, inzwischen hat sie die Leitung inne. Jedes Jahr auf’s Neue sucht das BDP also junge Menschen, die Lust auf das Leben im Wagen und am Theaterspielen haben, beschreibt Sütterlin. Die Schauspieler-Suche habe sich aber in diesem Jahr als schwierig erwiesen. „Viele hatten Interesse. Es ist aber keine einfache Entscheidung, bei einem so intensiven Projekt mitzumachen“, erklärt Lionel Tomm, der in diesem Jahr für die künstlerische Seite von „WildwuX“ verantwortlich ist. Passend zu dieser Problematik hat die Gruppe auch das Stück entwickelt. „Wir haben uns gefragt, was uns verbindet“, berichtet der 26-jährige Student für Theaterpädagogik an der Hochschule in Ottersberg. Sie alle befinden sich zwar an unterschiedlichen Punkten in ihren Leben, aber sie eint, dass sie alle nichts verpassen wollen und sich deshalb viel Druck machen, so Tomm. „Es gibt eine Sehnsucht nach Ruhe und Genuss, aber niemand gibt dem nach“, ergänzt Sütterlin.

Da kam die Idee für das neue Stück mit dem passenden Namen „fast and flexible – mein Burnout zum Glück!“fast von alleine. Die Inszenierung habe aber weniger eine gesellschaftskritische als eine persönliche Ebene, erklärt Tomm: „Wir haben uns gefragt, warum es uns so schwer fällt, Momente zu genießen.“

Nun sind die sechs Schauspieler aus Cuxhaven, Bremen, Bremerhaven und Verden also seit Ende April dabei, das neue Stück zu entwickeln und einzustudieren. Herausgekommen ist eine Collage aus Szenen und Liedern, die die Mitwirkenden selbst geschrieben haben. Ein roter Faden ziehe sich durch das Stück, so Tomm. Aber: „Gerade weil wir in Rotenburg auf der Straße spielen, kommen immer Leute dazu oder gehen. Damit die Zuschauer trotzdem folgen können, sprechen die einzelnen Szenen für sich.“

Am Montag ging es in Ottersberg mit der Vorpremiere los, am Dienstag um 16 Uhr ist Rotenburg an der Reihe. Zunächst hält die Gruppe in der Fußgängerzone, Spielort ist aber die Geranienbrücke. Dann ziehen die Wagen weiter nach Otterndorf und Dorum-Neufeld. Bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h ist das dann die Entschleunigung, die das „WildwuX“-Stück einfordert. Sütterlin: „So lernt man die Elbe-Weser-Region mal verlangsamt kennen.“ Es gilt, Arbeit und Erholung zu verbinden und zu genießen. Ein krasser Gegensatz zur Probenzeit, die mit insgesamt fünf Tagen sehr kurz war.

Besonders der Auftritt in der Wümmestadt ist für die sechsköpfige Kombo ein spezieller, denn er ist der einzige auf der Straße. „Wir verstehen uns als Straßentheater und wollen nicht in einen dunklen Raum, bei dem vorne Eintritt genommen wird, sondern in die Öffentlichkeit. Spenden nehmen wir aber gerne“, sagt Tomm grinsend. „Es ist auf der Straße natürlich eine Herausforderung, viele Zuschauer zu gewinnen“, ergänzt Sütterlin. Mit den Spenden per Hut bezahlt „WildwuX“ dann den Diesel für die Zirkuswagen, ansonsten wird das Projekt als außerschulischer Bildungsbeitrag vom Land Niedersachsen gefördert.

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