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Wiedersehen mit alten Asphalten

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Von: Heinrich Kracke

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Ein Mann sitzt am Schreibtisch. Vor ihm liegt ein Stapel Papier mit eine Stift darauf.
Von Verden nach Bremen: Rick Graue gibt nach knapp zwei Jahren im Chefsessel seinen Abschied an der Aller und kehrt in gleicher Position in seine Heimatstadt zurück. © Kracke

Rick Graue verlässt nach knapp zwei Jahren den Chefsessel in der Verdener Straßenbaubehörde. Ihn zieht es nach Bremen auf eine ähnliche Position.

Verden – Völlig unbekannt sind sie ihm nicht, die Fahrbahnen rund um Thedinghausen und Riede, speziell die Radwege. Als Student sei er hier gefahren, auf dem Rennrad und dann Tempo machen. „Damals hatte ich den Eindruck, der einen oder anderen Straße könnte eine Sanierung gut zu Gesicht stehen“, sagt Rick Graue (35). Aus Bremen heraus tourte er, aus seiner Heimatstadt, und dann über Dreye und Felde hinaus in die Landschaft. Rund zehn Jahre ist das her. Vor gar nicht langer Zeit gab es ein unerwartetes Wiedersehen. „Hat mich natürlich gefreut, dass im vergangenen Jahr fast durch die ganze Samtgemeinde Thedinghausen der Radweg an der L 203 und in den Jahren davor auch an der L 331 zwischen Riede und Felde die Fahrbahn und der Radweg saniert werden konnten“, sagt der Leiter der Straßenbaubehörde Verden.

Ein allerdings nur kurzes Gastspiel, das er an der Aller gibt. Im Dezember 2020 war er auf den Chefsessel an der Bgm.-Münchmeyer-Straße in Verden gewechselt, dies auch im Zuge der neuen Struktur, die sich die Straßenbaubehörden deutschlandweit gegeben hatten. Seine Vorgängerin Gisela Schütt wurde zur Leiterin der neuen Autobahn-GmbH, Standort Verden, berufen. Jetzt allerdings verlässt Graue die Reiterstadt schon wieder. Zum 1. Juni übernimmt er die Leitung der Straßenbaubehörde Bremen (ASV). Die Nachfolge in Verden ist bereits geregelt. Katja Pott soll nach Angaben des Verkehrsministeriums Mitte Juli die Zügel in die Hand nehmen. Aktuell ist sie bei der Stadt Wolfsburg beschäftigt, Erfahrungen in einer Straßenbaubehörde sammelte sie in Osnabrück.

Als Fachbereichsleiter Bau zeichnete Graue für den sechsspurigen Ausbau der A7

Insgesamt sechs Jahre war Graue in unterschiedlichen Funktionen an der Aller tätig, und das in einem Bereich, zu dem fast jeder eine Meinung hat. „Im Sommer sagen die Leute, warum baut ihr hier schon wieder und richtet Umleitungen ein; im Winter sagen sie, warum baut ihr hier nicht endlich.“ Wo allerdings die Fäden regional zusammenlaufen, das ist nur wenigen bekannt. In Verden ist der regionale Geschäftsbereich der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, so der offizielle Titel, mit seinen – einschließlich den Straßenmeistereien – rund 130 Beschäftigten für den Erhalt der Landes- und Bundesstraßen in den Kreisen Verden, Celle sowie Heidekreis und im Altkreis Rotenburg zuständig. Bis vor zwei Jahren gehörten auch noch die Autobahnen dazu. Als Fachbereichsleiter Bau zeichnete Graue unter anderem für den sechsspurigen Ausbau der A7 zwischen Walsroder Dreieck und Bad Fallingbostel sowie im weiteren Verlauf für die sechsspurige Erneuerung zwischen der Rastanlage Allertal und dem Autobahnkreuz Hannover Nord verantwortlich.

Geprägt habe ihn aber ein ganz anderes Kapitel. Jenes beispielsweise im direkten Umgang mit Anwohnern von Baustellen. Zu Beginn seiner Tätigkeit in Verden war es. Eine Ortsdurchfahrt im Landkreis Rotenburg, die saniert werden sollte. Eine der ersten Baumaßnahmen unter den neuen technischen Regeln, die eine Vollsperrung für solche Maßnahmen vorschreiben. Eine Reihe von Läden an der Straße. Eine Information an alle Betroffenen war zuvor herausgegeben worden. „Dies zwar innerhalb des rechtlich zulässigen Zeitrahmens, im Nachhinein betrachtet jedoch trotzdem ein wenig zu kurzfristig“, wie er heute einräumt. Der Baubeginn stand unmittelbar nach der Urlaubsrückkehr an. „Das Telefon stand nicht mehr still. Anrufe ohne Ende.“ Und keiner darunter, der den Einsatz der Bauarbeiter gut fand. „Es war durchaus zeitintensiv und schwierig, die Wogen wieder zu glätten.“

Graue: „Ich befahre die Radwege. Das ist einfach sicherer.“

Für ihn stellte diese Baustelle eine Art Lehrstunde dar. „Als Leiter solcher Maßnahmen ist man gut beraten, sensibel an die Aufgabe zu gehen und so früh wie möglich in den Austausch mit den Betroffenen zu gehen.“ Selbstverständlich, es können nicht alle Wünsche erfüllt werden, irgendwo ist immer jemand, der lautstark erklärt, dass noch mehr getan werden müsse, aber mit etwas gegenseitiger Rücksichtnahme könne so manches im Vorfeld geklärt werden. Eines der Beispiele: Eine größere Bäckerei äußerte die Sorge, bei der Vollsperrung könne die tägliche Ladung Mehl nicht mehr angeliefert werden. „Am Ende haben wir uns darauf verständigt, der Transporter darf morgens vor Arbeitsbeginn der Bauarbeiter den gesperrten Straßenabschnitt passieren.“

Aber er hat es ja nicht anders gewollt. Eine Ingenieurstätigkeit sollte es sein, darauf hatte er sich in den letzten Monaten der Schulzeit festgelegt, sagt er. Im Maschinenbereich? „Da arbeitet man allzu oft an Details, die im Großen und Ganzen oftmals kaum erkennbar sind.“ Also entschied er sich für das Bauingenieurwesen. Hier sehe man das Ergebnis, im Übrigen seien ihm die Arbeiten vertraut. „Große Baumaschinen haben mich schon als Kleinkind interessiert. Ich konnte ihnen stundenlang zusehen.“ Eines allerdings hat sich seit Kinder- und Jugendtagen verändert. „Nein“, sagt Graue, „mit dem Fahrrad bin ich nicht mehr auf den Straßen unterwegs. Ich befahre die Radwege.“ Das sei einfach sicherer.

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