Die Tricks der Betrüger

Erneut Fälle in der Region: Was bei einem Enkeltrick passiert

Eine ältere Frau telefoniert mit einem schnurlosen Festnetztelefon.
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Eine ältere Frau telefoniert mit einem schnurlosen Festnetztelefon. Ältere Menschen fallen immer wieder auf den sogenannten Enkeltrick herein.

Zuletzt hat es das eine oder andere Mal wieder Meldungen über Enkeltricks in der Region gegeben. Damit versuchen Betrüger, leichtgläubige Senioren um ihr Erspartes zu bringen. Doch wie gehen sie vor und welche Tricks wenden sie an?

Rotenburg – Der Enkeltrick hat in den vergangenen Wochen wieder öfter für Schlagzeilen in der Region gesorgt. Tatsächlich wachse laut Polizei die Zahl der Betrugsdelikte gegen ältere Menschen. Zu diesen Taten zählen auch der sogenannte falsche Polizeibeamte oder das falsche Gewinnversprechen. Ziel der Täter ist es, die Leichtgläubigkeit insbesondere von Senioren auszunutzen.

Dabei geht es um teils hohe Schadenssummen. Ein Paar aus Scheeßel hat auf diesem Wege vor wenigen Wochen zum Beispiel 45.000 Euro verloren. Mit dem Trick versuchten es die mutmaßlich selben Täter kurz darauf in Sottrum – allerdings erfolglos. 45.000 Euro, und das ist noch nicht einmal ein Spitzenwert, wie wir im Gespräch mit Thomas Teuber erfahren. Er ist Präventionsexperte der Polizeiinspektion Rotenburg. Gegenüber unserer Zeitung erläutert er unter anderem, wie die Betrüger vorgehen, wie man sie erkennt und wie man sich oder seine Angehörigen schützen kann.

In 33 Fällen sind Senioren im Landkreis Rotenburg zu schaden gekommen

Was ist ein Enkeltrick überhaupt?

Als Enkeltrick werde das Vorgehen bezeichnet, wenn Betrüger sich unter der Vorspieglung falscher Tatsachen als Angehörige ausgeben, die dringend Geld brauchen, so Präventionsfachmann Thomas Teuber. Wie oft das passiert, sei schwer zu sagen, da der Enkeltrick als solches nicht statistisch erfasst werde, sondern zusammen mit anderen Betrugsdelikten gegen Senioren. 470 solcher Fälle seien laut Teuber 2020 angezeigt worden, doch lediglich bei 33 seien die Senioren auch zu schaden gekommen. Teuber geht aber von einer vielfach höheren Dunkelziffer aus.

Wer sind die Täter?

Oft sitzen die Köpfe im Ausland, es gibt aber auch regionale Teams, die das Geld für sie abholen. Es kann aber vorkommen, dass Täter mehrere hundert Kilometer weit fahren, um das Geld abzuholen. Teuber spricht von kleinen Callcentern, aus denen die Opfer angerufen würden. Die Betrüger seien technisch sehr gut ausgerüstet, könnten auch fremde Nummern und sogar den Notruf 110 im Display anzeigen lassen. Das komme häufig beim sogenannten falschen Polizisten zum Einsatz. Teuber sagt, er sei immer wieder überrascht, wie gut die Betrüger die Tat durchplanen. Manche würden ihren Opfern auch mal ein Taxi zur Bank rufen.

Falsche Polizisten und Gewinnversprechen

Neben dem Enkeltrick sind der sogenannte falsche Polizist und das falsche Gewinnversprechen „Klassiker“ von Betrügern:

- Beim falschen Polizisten melden sie sich oft am Telefon, weil sie aus einem anderen Verbrechen heraus Wertsachen und Geld der Opfer in Sicherheit bringen wollen. So etwas macht die Polizei aber nicht „in echt“. Dann kommt ein vermeintlicher Zivilpolizist vorbei, um alles abzuholen. „Echte“ Zivilpolizisten können sich immer ausweisen, so Teuber. Wer sicher gehen will, überprüft per Anruf, ob wirklich ein Beamter vorbei kommen soll. Dazu darf man auch den Notruf 110 wählen.

- Beim falschen Gewinnversprechen locken Betrüger ihre Opfer mit vermeintlichen hohen Gewinnen, dazu soll es aber in finanzielle Vorleistung gehen. Etwa, weil vielleicht eine Gebühr oder Ähnliches ansteht. Auch hier gilt: Einfach auflegen und die Polizei rufen.

Die Mär vom Unfall

Welche Lügen erzählen die Täter?

Typisch sei die Behauptung, dass der Angehörige gerade einen Unfall hatte. Es müsse dann eine Werkstatt bezahlt werden oder ein Unfallgegner mache Regressansprüche geltend. Es könne laut Polizei sogar vorkommen, dass Komplizen im Hintergrund entsprechende Geräusche nachahmen. Andere würden sagen, dass sie eine Wohnung kaufen, sie beim Notar sitzen und jetzt schnell Geld bräuchten. Das Geld solle dann ein Bekannter oder eine andere dritte Person abholen. Zeitdruck spiele immer eine wichtige Rolle, erläutert Teuber. Komme das Geld nicht schnell an, habe das schlimme Folgen, heißt es dann.

Um welche Summen geht es?

In der Regel gehe es um vier- bis fünfstellige Summen, so Teuber. Manche gäben sich auch mit weniger zufrieden. Aber auch sechsstellige Summen seien bereits an Betrüger bezahlt worden.

Wie wählen die Täter ihre Opfer aus?

Über das Telefonbuch. Die Betrüger suchten dort gezielt nach typischen Vornamen aus alten Jahrgängen. Auch eine kurze Telefonnummer könne auf einen Senior schließen lassen, da der Anschluss entsprechend alt sei. Teuber empfiehlt, den Vornamen im Telefonbuch abkürzen zu lassen. Auch die Adresse sollte dort nicht stehen, um den Wohnort nicht preiszugeben. Allerdings, gesteht er ein, hieße das nicht, dass die Daten auch aus der digitalen Welt verschwinden.

Täter setzen ihre Opfer unter Druck

Wie überzeugen die Betrüger ihre Opfer?

Oft spiele zeitlicher Druck eine maßgebliche Rolle, erläutert der Präventionsexperte. Nach dem ersten Anruf werde ständig Kontakt gehalten, da das Geld umgehend beschafft werden soll. Muss das Opfer zur Bank, hörten die Betrüger oft mit. Zudem könne es sein, dass es überwacht wird, solange es das Geld noch nicht übergeben hat. Laut Teuber gehen die Betrüger im Gespräch sehr geschickt vor. „Oft merken die Geschädigten gar nicht, was sie alles preisgeben.“

Das Opfer riecht den Braten. Was soll es tun?

Auflegen und die Polizei rufen. „Wir wissen immer gerne, was gerade vor sich geht“, so Teuber. Er rät dringend ab, Gespräche mit den Betrügern zu führen. Auch vom Stellen einer Falle rät er ab. Der Stress und die Aufregung seien es nicht wert. Auch wenn das Opfer den Betrug zu spät bemerke, soll es die Polizei rufen. Niemand werde ausgelacht, man sei froh über jede Anzeige, so der Präventionsfachmann.

Die Chancen sind da, die Ermittlungen sind aber schwierig und sehr aufwendig.

Thomas Teuber

Wie sehen die Ermittlungschancen aus?

„Die Chancen sind da, die Ermittlungen sind aber schwierig und sehr aufwendig“, sagt Teuber. Es gebe immer wieder Fälle, wo die Opfer den Betrug bemerken, mitspielen und die Polizei rufen. Doch man müsse sich bewusst sein, dass das Opfer häufig observiert werde und die Täter und den Polizeiruf mitbekommen. Oftmals seien die Geschädigten psychisch auch gar nicht in der Lage, den Betrügern ihrerseits eine Lügengeschichte aufzutischen.

Opfer bekommen Hilfe

Wie kann man als „echter“ Enkel oder als Familie seine Angehörigen am besten schützen?

Indem man mit ihnen spricht und sie aufklärt. Eine Möglichkeit sei es, eine Verfügung bei der Bank zu hinterlassen, dass hohe Summen nur in Rücksprache mit Angehörigen ausgezahlt beziehungsweise ein Kredit aufgenommen werden kann. Übrigens gibt es Infoblätter für Bankmitarbeiter mit Handlungstipps, falls sie den Verdacht haben, ein Kunde wird gerade Opfer eines Enkeltricks.

Wo finden Opfer Hilfe?

Der Weiße Ring in Rotenburg ist in der Lage, Geschädigten zu helfen. Erreichbar ist er unter 0151 / 54503939. Alternativ gibt es das Opferhilfebüro in Verden unter der Telefonnummer 04231 / 9376 99.

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