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Rotenburger Verkehrsentwicklungsplan: Jetzt ist die Öffentlichkeit gefragt

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Von: Guido Menker

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Sebastian Schröder-Dickreuter (v.l.), Clemens Bumann und Torsten Oestmann berichten über den aktuellen Stand zum Verkehrsentwicklungsplan.
Sebastian Schröder-Dickreuter (v.l.), Clemens Bumann und Torsten Oestmann berichten über den aktuellen Stand zum Verkehrsentwicklungsplan. © Menker

Wie geht es mit dem Verkehr in Rotenburg weiter? Die Stadt lässt zurzeit einen Verkehrsentwicklungsplan erarbeiten und beteiligt jetzt die Öffentlichkeit an diesem Prozess.

Rotenburg – Es gibt Handlungsbedarf. Kommt die Stadt dem nicht nach, würden die Verkehrsprobleme in Rotenburg bis 2030 erheblich zunehmen. Das sagt Sebastian Schröder-Dickreuter von der Planersocietät in Bremen. Doch die Stadt will etwas unternehmen und hat das Planungsbüro, für das er tätig ist, bereits Anfang vergangenen Jahres mit der Erarbeitung eines Verkehrsentwicklungsplanes (VEP) beauftragt. Doch jetzt ist auch die Öffentlichkeit gefragt.

Im dritten, spätestens im vierten Quartal dieses Jahres soll das Ergebnis auf dem Tisch liegen. Dann können sich Politik und Verwaltung an die Realisierung der Maßnahmen heranmachen. Bis dahin geht es allerdings nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen im VEP-Prozess weiter. Von Montag an hat die Öffentlichkeit die Gelegenheit, sich selbst mit einzubringen. Im Rathaus sind sechs Stellwände zu finden, auf denen die bisherigen Grundlagen des VEP einzusehen sind. Dazu stellt das Planungsbüro die mit einer Verkehrsdatenerhebung zusammengetragenen Stärken und Schwächen für die Fußgänger-, Rad- und Autoverkehre dar. „Wer Vorschläge für Verbesserungen hat, kann diese bis zum 13. Mai im Rathaus auf Karteikarten notieren und abgeben“, erklärt Stadtplaner Clemens Bumann den vorgesehenen Ablauf.

Workshop für Verbesserungen

Der Verkehrsplaner aus Bremen und die Stadt haben in dieser Woche derweil zu einem zweiten Workshop eingeladen, um über den Stand der bisherigen Erhebungen und das daraus resultierende Verkehrsmodell zu berichten. Mit am Tisch saßen dabei neben Vertretern der Rotenburger Ratsfraktionen die Polizei, der Landkreis, das Straßenbauamt sowie Vertreter der Straßenmeisterei, aber auch der ADAC, ADFC sowie die Verkehrswacht und die Rotenburger Werke.

„Mit dem Modell können wir Veränderungen im Verkehrssystem simulieren und sofort die sich ergebenden Auswirkungen sehen“, erklärt Schröder-Dickreuter. Dass es Veränderungen geben muss, um mit Blick auf die kommenden zehn Jahre zu einem „verträglichen Konzept für Rotenburg“ zu kommen, steht außer Frage. Aber: Welche können, welche sollten das sein? Antworten darauf zu finden, ist die Aufgabe in den kommenden Wochen und Monaten.

Verkehrszählungen an zwölf Knotenpunkten

„Das Modell ist ein abstraktes Bild des Verkehrsnetzes“, sagt Schröder-Dickreuter. Es lasse sich damit erkennen, wo in Rotenburg wie viel Verkehr existiert und wohin dieser weiterfließt. Zugleich hat das Planungsbüro auch den zur Verfügung stehenden Parkraum unter die Lupe genommen. Zunächst sei festzustellen, dass es ausreichend Parkplätze gibt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn es gebe Bereiche, in denen zu bestimmten Zeiten eben nicht ausreichend Stellplätze für Autos zu finden sind. Das Agaplesion-Diakonieklinikum und der Bahnhof seien Beispiele dafür. Die Verkehrszählungen übrigens seien kameragestützt vorgenommen worden – an zwölf verschiedenen Verkehrsknotenpunkten.

„Ich bin bekanntlich ein Fan davon, gute Grundlagen für Entscheidungen zu haben“, erklärt Bürgermeister Torsten Oestmann in einem Gespräch mit der Presse. Planungsamtsleiter Clemens Bumann unterstreicht nämlich noch einmal deutlich die entscheidende Frage: „Wie wollen wir uns als Stadt aufstellen?“ Mit Blick auf die Verkehrserhebungen, die wesentlicher Teil der Grundlagen sind, die Oestmann meint, weist Bumann allerdings auf die Schwierigkeit hin, dass die für den Parkraum unter Corona-Verhältnissen zusammengetragen worden sind. „Am Diakonieklinikum lässt sich der Bedarf daher nur abschätzen.“ Unter dem Strich geht es aber um viel mehr. Sebastian Schröder-Dickreuter versichert, dass es sich um eine „integrierte Sichtweise“ handelt. Fußgänger und Radfahrer spielten dabei ebenso eine Rolle, wie die sich zunehmend veränderten Rahmenbedingungen. E-Mobilität nehme zu, die Preise für Sprit steigen. Auch darauf sei Rücksicht zu nehmen. Und: Es gehe auch um den demografischen Wandel. Der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung nehme stetig zu. Außerdem sei in den kommenden Jahren mit mehr Einwohnern zu rechnen. „Die demografische Entwicklung ist lange Zeit bei der Verkehrsplanung ignoriert worden“, sagt der Experte aus Bremen.

Interessierte Bürger können sich mit in die Planung einbringen. Im Rathaus ist eine Info-Ecke dafür vorbereitet worden.
Interessierte Bürger können sich mit in die Planung einbringen. Im Rathaus ist eine Info-Ecke dafür vorbereitet worden. © Menker

Aber womit ist noch zu rechnen in den kommenden Jahren? Die Zahl der Pendler könne weiter steigen, die Rolle des ÖPNV gewinne an Bedeutung. Zugleich macht Schröder-Dickreuter jenen einen Strich durch die Rechnung, die von einer deutlichen Zunahme des Durchgangsverkehrs ausgehen. „Subjektiv ist das die Wahrnehmung von vielen, aber die tatsächlichen Zahlen sprechen dagegen.“ Dennoch gibt es Handlungsbedarf, auch, wenn nicht alles schlecht sei. Schröder-Dickreuter spricht etwa von guten, weil barrierearmen Knotenpunkten für die Fußgänger mit taktilen Leitsystemen und akustischen Ampeln.

Jetzt ist die Bevölkerung dran. Sie kann sich über den Stand der Dinge informieren und eigene Einschätzungen dazu formulieren. „Sollten sich daraus Erkenntnisse ergeben, die eine weitere, öffentliche Veranstaltung erforderlich machen, werden wir darauf reagieren“, verspricht Bumann. Das Ziel indes ist eindeutig: Rotenburg will sich ein Konzept verschaffen, das für ein gutes Miteinander im Straßenverkehr steht, die klimafreundliche Mobilität fördert und auch die Aufenthaltsqualität in der Kreisstadt berücksichtigt. An Letzterem daran arbeitet die Stadt ja eh schon.

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