Drama zu Silvester

„Wer soll das bezahlen?“ – Pyroland sitzt nun auf 50 .000 Raketen-Paketen

Die Container mit den Silvester-Bestellungen sind voll bei Pyroland.
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Die Container mit den Silvester-Bestellungen sind voll bei Pyroland.

Lauenbrück – Als am Sonntag nach der Ministerpräsidentenkonferenz die Maßnahmen zum härteren Lockdown bekannt wurden, darunter auch das Verbot des Verkaufs von Feuerwerkskörpern, stand das Telefon von Florian von Bothmer nicht mehr still: Lieferanten, Mitbewerber, Logistiker und Kunden – die Ratlosigkeit bei den Pyrotechnik-Unternehmen und den zahlreichen damit zusammenhängenden Branchen ist groß.

Gerechnet hatte mit dieser kurzfristigen Entscheidung wohl niemand. Der Pyroland-Chef erklärt auch warum: „Der Feuerwerksverkauf, das sind nicht mal eben ein paar Tage Lagerverkauf, das sind Jahre Vorlauf.“ Denn: Der traditionelle Lagerverkauf macht nur einen kleinen Anteil des Jahresgeschäfts aus, rund 95 Prozent der Bestellungen laufen per Internet bis zum 21. Dezember, wenn der Online-Shop schließt.

Der Lauenbrücker erklärt, warum die Regierungsentscheidung für das Pyroland wie die gesamte Branche so desaströs ist: „Das ganze Jahr treten wir arbeitstechnisch wie finanziell in Vorleistung, um anschließend an wenigen Tagen den Umsatz des Jahres zu machen.“ Das gelte nicht nur für die Entwicklung neuer Effekte, sondern auch für die Produktion und die Arbeit der Kommissionierungskräfte.

Rund 50 Mitarbeiter bearbeiten derzeit die Bestellungen, die ab dem 29. Dezember nach ganz Deutschland ausgeliefert werden. Dazu stehen rund 500 Fahrer des kooperierenden Logistikunternehmens in den Startlöchern – „eine Maschinerie, die nicht mal eben zu stoppen ist“, betont der 44-Jährige. „Mitte Oktober wäre es vielleicht noch gegangen, jetzt ist das schlicht und einfach nicht mehr rückabzuwickeln!“ Damit meint der Scheeßeler nicht nur das Rücksortieren der bis jetzt 50 000 Pakete, die auf die Auslieferung warten und die damit verbundenen Lohnkosten von jährlich rund 700 000 Euro gegenüber den Null-Einnahmen: „Wer soll das alles wieder auspacken, wer soll das bezahlen?“ Es geht aber auch um die angemieteten Lagerflächen – momentan rund 5000 Quadratmeter angemietete Lagerfläche, die die Bestimmungen für Gefahrgut erfüllen müssen, „die stehen ab Januar nicht mehr zur Verfügung – ich wüsste gar nicht, wohin mit der Ware!“ Beim Mitbewerber Weco seien bereits 30 000 Paletten an den Handel unterwegs – wie die zu stoppen sind, mag man sich in der Branche nicht ausmalen.

Dabei ist die rechtliche Lage noch vollständig ungewiss, da die Kaufverträge ja schon vor dem Erlass geschlossen wurden. Die anstehende rechtliche Prüfung durch Anwälte wird über die Zukunft des Unternehmens entscheiden: „Entweder können wir, bis auf den Lagerverkauf, der natürlich ausfällt, weiter machen wie bisher, oder ich schließe die Türen ab und melde Insolvenz an. Dann müssen die Gerichte sich darum kümmern, was mit all der Ware geschieht“, konstatiert er mit einer Spur Verbitterung in der Stimme.

Momentan laufen die Leitungen jedoch heiß: Am Sonntag nach der Bekanntgabe des Verkaufsverbotes ging der Pyroland-Server in die Knie. „So viele Menschen auf der Seite hatten wir noch nie – alle wollen sich schnell noch ihr Feuerwerk sichern.“ Vorerst laufen die Vorbereitungen für die Auslieferung weiter wie geplant. Ausliefern oder Betriebsaus? Wie es weitergeht, wusste am Montag noch niemand.  hey

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