Wenn der Boden nicht trägt

Pfähle machen das Bauen auf ungeeignetem Untergrund möglich

+
Bauunternehmer und Bauherr Marc Terborg nimmt den hohen Aufwand und die Kosten dafür in Kauf, um dieses Grundstück an der Mühlenstraße zu bebauen. Warum? „Wegen der Lage“, sagt er. Und er stelle sich gerne schwierigen Aufgaben.

Rotenburg - Von Guido Menker. Es ist laut auf dem Grundstück an der Rotenburger Mühlenstraße. Sehr laut sogar. Das Ramm- und Bohrgerät gibt alles. Da versteht auch Bauunternehmer Marc Terborg kaum mehr sein eigenes Wort. Er hat dieses, wie er sagt, schwierige Grundstück gekauft und will es mit einer Wohnanlage bebauen – und das, obwohl der Boden ein solches Objekt nicht trägt. Es muss also nachgeholfen werden. Genau das passiert an diesem Morgen. Die letzten von 39 Betonpfählen sind in den Boden einzubringen.

„Wir stellen uns gerne schwierigen Aufgaben“, sagt Marc Terborg ein wenig lächelnd. Die Bebauung eines solchen Grundstückes wie in diesem Fall an der Mühlenstraße, schwierig geschnitten und direkt an der Hochwasserschutzkante gelegen sowie mit einer Reihe von Vorgaben versehen, ist eine Herausforderung. Da ist der Aufwand, da sind die zusätzlichen Kosten, und dazu kommt der zeitliche Aspekt. „Sieben Arbeitstage“, sagt Terborg. Rund 35.000 Euro kostet die Pfahlgründung. Allein 6500 Euro muss er für die Einrichtung der Baustelle auf den Tisch legen. Die Maschine ist nur mit einem Schwertransporter zu bewegen.

„Ja“, sagt Terborg, „das Grundstück ist problematisch. Die oberen drei Meter des Bodens sind nicht ausreichend tragfähig.“ Es geht um Humus und Torf. Und doch hat er es gekauft – wegen der Lage, und um bis Ende dieses Jahres in einem Neubau fünf Wohneinheiten zu schaffen. Zwischen 80 und 100 Quadratmeter groß sollen sie werden und oberhalb eines Parkdecks entstehen. 

Nun aber ist erst einmal eine Pfahlgründung fällig. „Dabei durchbrechen wir die erste Schicht und gehen so tief, bis wir eine tragfähige Ebene erreichen“, erklärt Terborg. In diesem Fall sind auf dem 941 Quadratmeter großen Grundstück 39 zwölf Meter lange Betonpfähle zu gießen. Diese haben einen Durchmesser von 40 Zentimetern. Vielleicht wären für dieses Projekt auch weniger Pfähle ausreichend gewesen, aber der Sottrumer Marc Terborg will wirklich nichts dem Zufall überlassen.

Mit einer solchen Maschine werden Pfähle aus Beton in den Boden gegossen – so tief, dass sie die Tragfähigkeit sicherstellen.

Es ist nicht die erste Pfahlgründung in Rotenburg. Auch im Bereich der Neubaugebiete an der Brockeler Straße ist diese Technik in den vergangenen Jahren zum Einsatz gekommen. Dort waren Torflinsen im Boden das Problem. Im jetzt auf den Weg gebrachten Baugebiet Brockeler Straße II gibt es ebenfalls ein paar Schwierigkeiten, „aber es ist bebaubar“, sagt Planungsamtsleiter Clemens Bumann. Das habe ein Gutachten im Oktober vergangenen Jahres ergeben. 

Die Situation dort: Nicht Torflinsen, sondern Lehmeinschlüsse erforderten besondere Maßnahmen. In diesem Fall mit Blick auf die Oberflächenentwässerung. Die betroffenen Grundstücke müssten ans Kanalnetz angeschlossen werden, weil der Boden die erforderliche Versickerung nicht hergebe, so Bumann. „Die Ansprüche an die Bodenqualität werden immer größer, weil auch die Erkenntnisse immer besser werden“, weiß der Planungsamtsleiter zu berichten.

Im Fall der Baugebiete an der Brockeler Straße hatte genau das im Vorfeld der Bebauung für Ärger gesorgt. Bauherren mussten für eine bessere Gründung tiefer in die Tasche greifen, einige Käufer leiteten sogar eine Kaufrückabwicklung in die Wege. Auf politischen Druck hin und vor dem Hintergrund von Diskussionen über unzureichende Bodenuntersuchungen im Vorfeld hatte sich die Stadt bereit erklärt, einen Teil der Kosten dafür zu übernehmen beziehungsweise beim Kaufpreis zu erlassen. Es gab eine „Drittel-Lösung“: Die ersten 10.000 Euro mussten die Grundstückskäufer selbst übernehmen, die nächsten 10.000 beglich die Stadt, bis zur Obergrenze von 30.000 wurden die Kosten dann geteilt. Im Durchschnitt lagen die Kosten für die Schaffung eines tragfähigen Bodens letztlich bei knapp über 20.000 Euro insgesamt, heißt es. 

Bedarf an Bauplätzen ist da

Laut Clemens Bumann gebe es zurzeit Überlegungen, dass die Stadt auch bei vergleichbaren Problemen im in Planung befindlichen Baugebiet Brockeler Straße II mögliche Mehrkosten mit auffängt. Der mögliche Anschluss einiger Grundstücke an die Kanalisation sei zwar nicht ganz so teuer, sorge aber eben auch für einen finanziellen Mehraufwand. Ob und in welchem Umfang sich die Stadt daran beteiligt, müsse allerdings noch geklärt werden, sagt Bumann. Auf jeden Fall werde es aber für den zweiten Teil mehr Bohrungen geben, um im Vorfeld entsprechend Klarheit zu haben.

Die Stadt Rotenburg wird künftig weitere Bauplätze zu schaffen versuchen. Der Bedarf ist da. Nicht besser, sondern eher schlechter sehe es allerdings – so Bumann – in den Bereichen zum Beispiel am Grafeler Damm sowie im Bereich der Soltauer Straße aus. Auch dort seien Schwierigkeiten mit den Böden zu erwarten. Bumann: „Im Bereich Grafeler Damm würde es mit der Versickerung von Wasser ebenfalls problematisch.“

Fazit: Das Bauen wird teurer, und möglicherweise gilt das künftig dann auch für die Grundstücke selbst. Clemens Bumann schließt daher Preisanpassungen nicht aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Citroën Berlingo: Meister der Möglichkeiten

Citroën Berlingo: Meister der Möglichkeiten

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Meistgelesene Artikel

Maisfeldfete ein großer Erolg

Maisfeldfete ein großer Erolg

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Jungen Kettenburger Familien fehlen die Bauplätze

Jungen Kettenburger Familien fehlen die Bauplätze

Kommentare