Neue Serie: Unser Autor begleitet ein Paar auf dem Weg zur Heirat

Wenn zwei sich trauen

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Nach 15 Jahren Zusammenleben kommt die Hochzeit: Melanie Klement und Benjamin Pätsch. Unser Autor begleitet sie auf dem Weg dorthin.

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. An fast jedem Wochenende kann man von 30-Jährigen lesen, die „fegen“ müssen, weil sie den Gang zum Standesamt nicht gewagt, geschafft oder überhaupt nur ins Auge gefasst haben. Ein Trend? Geht eine Heirat gegen den Zeitgeist?

Oder gibt’s nach wie vor gute Gründe für das Eheversprechen? Wir begleiten ein Paar bei ihren Vorbereitungen und Überlegungen zum „großen Tag“: Melanie Klement und Benjamin Pätsch aus Rotenburg werden Ende September heiraten. Lesen Sie im ersten Teil, warum überhaupt und wie weit die Planungen inzwischen gediehen sind.

Alles ist genau geplant

Sie wollen heiraten. „Er“, gelernter Einzelhandelskaufmann und tätig in Brockel, ist 39 Jahre alt, und liegt damit etwa fünf Jahre über dem Durchschnittsalter der deutschen heiratswilligen Männer. „Sie“, medizinische Fachangestellte im Rotenburger Diakonie Krankenhaus, ist 32 Jahre alt und damit in dieser Beziehung sozusagen fast eine „Durchschnittsfrau“. Frauen sind bei der Heirat im Schnitt 31,2 Jahre alt. Trotzdem ist bei ihnen alles etwas anders. In ihrem Reihenhaus im Osten der Stadt wohnen nämlich nicht nur die beiden, sondern auch ihre zwei gemeinsamen Kinder: Leon (12) und Lea (fast 3). Ihre Eltern leben, wie sie selbst scherzhaft sagen, „seit 15 Jahren in wilder Ehe“. Jetzt soll das Ganze aber tatsächlich noch amtlich werden.

Warum nach so langer Zeit? Beide haben sich das gut überlegt. „Finanzielle Gründe sind es jedenfalls nicht“, betonen sie. Sie hätten inzwischen natürlich auch schon manches Auf und Ab in ihrer Beziehung erlebt, aber im Laufe der Jahre wäre eben auch die Überzeugung gewachsen, dass sie zusammen gehören und zusammen bleiben wollen. „Wir heiraten aus Liebe“, sagen beide voller Überzeugung. Ihren Hochzeitstag am 30. September haben sie deshalb auch genau geplant.

„Es war irgendwie der richtige Schritt“

Kennengelernt hatten sie sich mal vor 15 Jahren auf einer Vatertagstour. Nach einem ersten feucht-fröhlichen Geplänkel folgte dann das „klassische Programm“: SMS, gemeinsame Kinobesuche, lange Gespräche. Sie fanden Gefallen aneinander, hatten ähnliche Interessen und zogen schon bald zusammen. Dann kam Leon zur Welt; an Heirat dachten beide zu diesem Zeitpunkt nicht. Selbst nach Leas Geburt vor drei Jahren war eine Hochzeit kein Thema; aber im vergangenen Jahr nahm dann alles geradezu klassisch mit einem Antrag seinen Lauf: „Vergangenes Jahr Weihnachten“, erzählt Melanie Klement, „habe ich irgendwie damit gerechnet, aber es kam erst mal nichts – Heilig Abend nichts, am Ersten Weihnachtstag zunächst auch nichts. Silvester hätte ich ihn sonst gefragt!“

Aber dann passierte es doch noch: Benjamin hatte alles bestens vorbereitet und die Ringe in Überraschungseiern versteckt, die etwas später am Festtag präsentiert wurden. Und – wie war das nun nach 15 Jahren? „Wir sind bisher schon durch dick und dünn gegangen, da war das irgendwie der richtige Schritt,“ stellen beide fest. Sie räumen allerdings ein, dass nach aller Weihnachtsfreude auch ein etwas „zwiespältiges Gefühl“ auftauchte. Das wäre ja nun die „endgültige Bindung“. So jedenfalls verstünden sie das. Daran mussten sie sich erst gewöhnen.

Trend: Man bindet sich wieder offiziell

Im Grunde folgen sie einem Trend. Die Zahl der Eheschließungen in Deutschland nimmt seit einigen Jahren zu. Gleichzeitig – eher unerwartet – ist die Zahl der Ehescheidungen deutlich gesunken. Im Rotenburger Standesamt gab es 2016 einen „Eheschließungsrekord“: 133 mal sagten hier zwei Menschen „Ja“ zueinander (einschließlich zweier sogenannter eingetragener Lebenspartnerschaften). 2015 waren es gerade 89, und auch in den Jahren vorher hatte man gerade so die 100 übersprungen.

Juristisch gesehen gibt es „Riesenunterschiede zwischen verheirateten und nicht-verheirateten Paaren“, so Claus Buhrfeind, Rotenburger Rechtsanwalt und Notar. „Der Gesetzgeber schützt die Ehe in besonderer Weise – schon im Grundgesetz.“ Das bedeute, und das habe er oft erlebt, dass es keinerlei Absicherung im Krankheits- oder Todesfall bei nicht verheirateten Paaren gibt. Da könne man zwar vieles auch durch Verträge oder ein Testament regeln, aber selbst dabei wird es problematisch: Ist ein Paar nicht verheiratet, wird im Erbschaftsfall nämlich automatisch die höchste Erbschaftssteuerquote fällig.

Das bestätigt auch Wilhelm Hahne, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Rotenburg. „Rein steuerlich ist man noch immer mit der Ehe (oder der Lebenspartnerschaft) besser dran.“ Nach wie vor profitiere man bei der Steuer vom „Ehegattensplitting. Das bringt immer noch was – allerdings nicht mehr als maximal acht- bis neuntausend Euro.“

Auch die Kirchen freuen sich über wieder deutlich mehr Zulauf bei den Trauungen. Schon jetzt gibt es für 2017 mehr Anmeldungen als für gesamte Jahr 2016. Die (Stadt-)Kirche haben auch Melanie Klement und Benjamin Pätsch eingeplant: „Das gehört für uns dazu.“ Aber erst einmal sind andere Dinge zu organisieren: Der Saal muss gebucht werden, die Gästeliste erstellt, Einladungen gedruckt und zugestellt werden. Ein DJ muss gefunden, die Trauzeugen gebeten, der Anzug bestellt – und das Brautkleid ausgesucht werden. Das sollte der nächste größere Akt werden. Für den Autor übrigens auch eine Uraufführung. Denn Männer sind normalerweise nicht erwünscht, wenn Frau sich weiß einkleidet. Lesen Sie davon im nächsten Teil dieser Serie: „Allein unter Frauen!“

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