Landkreis bietet Betroffenen Hilfe an

Wenn der Partner zuschlägt

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Gestelltes Bild zum Thema häusliche Gewalt: Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen.

Rotenburg. Häusliche Gewalt ist im Landkreis Rotenburg alltäglich. Das geht aus den Zahlen hervor, die Marlis Schaklewski von der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (Biss) im Jugendhilfeausschuss des Kreistags vorlegte.

Mehr als 270 Fälle waren es im vergangenen Jahr, 36 Frauen suchten das Frauenhaus auf. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Und: Oft sind auch Kinder betroffen.

Meistens schaukelt sich die Situation hoch, berichtete Schaklewski. Es beginnt mit dem Versuch, Kontrolle zu gewinnen, Macht zu demonstrieren. Der Partner will bestimmen, mit wem sich der andere trifft und mit wem nicht, will wissen, wann er sich wo und warum aufhält. Auch über Geld wird Kontrolle ausgeübt. 

Die nächsten Schritte in der Eskalationsstufe sind Erniedrigungen, Isolation und schließlich körperliche Gewalt. Es gibt auch Fälle, in denen der Partner schon zu Beginn der Partnerschaft zuschlägt, aber das, so Schaklewski, ist eher die Ausnahme.

Gewalt in bestehenden Partnerschaften

Die häusliche Gewalt spielt sich zumeist in bestehenden Partnerschaften ab. Häufig sind es aber auch Ex-Partner, die körperliche oder psychische Gewalt ausüben. Stalking lautet hier ein Stichwort. Dass Kinder oder andere Verwandte zuschlagen, kommt ebenfalls vor.

Die Opfer sind ganz überwiegend Frauen. Und die haben oft schon einiges erlitten, bevor sie sich an die Biss oder direkt ans Frauenhaus wenden. Die Beratungsstelle in Zeven wird meistens von der Polizei über Fälle häuslicher Gewalt informiert. Die Mitarbeiter bemühen sich dann darum, möglichst umgehend Kontakt mit dem Opfer aufzunehmen. Zunehmend melden sich Betroffene aber auch von sich aus in dem Zevener Büro. Das seit 2006 bestehende Angebot spricht sich mehr und mehr herum, so Schaklewski.

Den Betroffenen werden bei der Beratung Wege aufgezeigt, wie sie sich der Gewalt entziehen können. Und es wird bei Bedarf auf andere Hilfen hingewiesen, etwa, wenn Sucht im Spiel ist oder eine psychische Krankheit. Die Erfahrung der Berater zeigt: Nicht selten geht Gewalt einher mit anderen Problemen.

Frauen mit Migrationshintergrund suchen Hilfe

Auffallend ist, dass verstärkt Frauen mit Migrationshintergrund die fachliche Hilfe suchen. In 18 Fällen von 272 Fällen waren im vergangenen Jahr Männer die Opfer. Auch sie werden in der Biss beraten. Und: Wenn es im Umfeld der eigenen vier Wände zu Gewalt kommt, leiden darunter auch die Kinder. Sie sind mindestens als Zeugen betroffen.

Das Frauenhaus dagegen steht allein Frauen offen. Die Unterkunft in Zeven, deren genaue Adresse geheim gehalten wird, haben im vergangenen Jahr 36 Frauen mit 32 Kindern aufgesucht. Sie finden dort erst einmal Schutz und eine Beratung darüber, wie es weiter geht. Viele suchen sich von dort aus eine eigene Wohnung, einige kehren aber auch zu ihrem Partner zurück. Bis zu zehn Frauen können im Frauenhaus mit ihren Kindern eine Zeit lang unter kommen. Wie lange sie bleiben, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa davon, wie schnell sie eine Wohnung finden.

Das Frauenhaus in Zeven besteht in diesem Jahr 25 Jahre. Seither fanden dort – bis Ende vergangenen Jahres – 896 Frauen mit 911 Kindern Schutz.

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