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Wenn Fachkräfte fehlen: Auch das Rathaus hat Probleme

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Der Radweg in der Luhne soll bis zur Bundesstraße verlängert werden. Bisher fehlten die Kapazitäten dafür.

Es klingt zunächst nach einer der üblichen Wortmeldungen zum Tagesordnungspunkt „Mitteilungen und Anfragen“, wie es sie in jeder Rotenburger Ratssitzung gibt. Joachim Hickisch vom Bündnis 90 / Die Grünen hakt nach und will wissen, wann denn endlich der Ausbau des Radweges in der Luhne bis an die Bundesstraße heran und darüber hinaus bis ins Gewerbegebiet Hohenesch erfolgt. Er habe eigentlich schon längst mit der Fertigstellung gerechnet – doch bis jetzt ist damit noch nicht einmal begonnen worden. Es ist eine Anfrage, die ein Dilemma offenbart. Denn der Fachkräftemangel, von dem schon seit längerer Zeit, aber inzwischen mit immer mehr Vehemenz die Rede ist, geht auch am Rotenburger Rathaus nicht vorbei.

Rotenburg - Genau dieser Mangel an Fachkräften ist nämlich der Grund für die Verzögerung. Das erklärt Bürgermeister Andreas Weber (SPD) noch in der Ratssitzung, um es später im Gespräch mit der Kreiszeitung näher zu beleuchten. „Als die Planungen für den Radweg starten sollten, reichten die internen Kapazitäten nicht aus“, erklärt er. Daher sei zunächst eine Auftragsvergabe vorgesehen worden, aus der allerdings nichts wurde. Im weiteren Verlauf waren Prioritäten zu setzen. Laut Weber hatten die Planungen für den Endausbau in den Neubaugebieten an der Brockeler Straße am Stockforthsweg sowie an der Saalestraße und in den Gewerbegebieten zunächst Vorrang, nachdem im April des vergangenen Jahres die Zuschussgenehmigung in Höhe von 60 Prozent für den Radweg im Rathaus eingetroffen war. Doch die hohe Auslastung war mit der vorhandenen Personalstärke – zwei Ingenieure in Vollzeit – nicht ad hoc zu bewältigen. Und so musste das Radweg-Projekt zunächst geschoben werden. Dieser Situation zu begegnen, ist nicht leicht. Der Rat der Stadt hatte zwar zugestimmt, dass die Tiefbauabteilung im Bauamt einen dritten Ingenieur in Vollzeit bekommen soll, doch nach der Stellenausschreibung 2017 ist Beate Behrens als zusätzliche Kraft erst 2018 gefunden worden, sagt Weber.

Alles gut also, möchte man meinen. Aber die nächsten Probleme tun sich schon wieder auf: Ingenieur Peter Ahrens wird Ende Februar in Ruhestand gehen, und sein Kollege Pedro Casanueva ist nur noch halbtags im Team, weil er noch ein halbes Jahr drangehängt hat. Eigentlich wäre er schon jetzt in Pension. Nun geht er Ende März. Neue Leute müssen also her. Aber im ersten Anlauf ist kein Nachfolger gefunden worden. Weber: „Es gab Bewerbungen, doch die Qualifikation reichte nicht aus.“ Inzwischen läuft eine erneute Ausschreibung, und es trudeln auch Bewerbungen im Rathaus ein. „Die müssen nun geprüft werden. Ich hoffe sehr, dass für uns etwas dabei ist.“ Das alles dokumentiert eine Situation, die in vielen Betrieben bereits bekannt ist: Es fehlen Fachkräfte. Und deshalb ist es auch für die Stadt gar nicht leicht, Planungsaufträge zu vergeben. Die Fachbüros haben sehr viel zu tun – da kommt man ebenfalls nicht gleich zum Zug. Außerdem muss auch eine vergebene Planung im Rathaus begleitet werden. Und: „Eine Fremdvergabe kommt die Stadt teurer.“ Also geht die Suche weiter.

Aber das Problem betrifft nicht nur den technischen Bereich. Webers Angaben zufolge sei es genauso schwer, neue, ausgebildete Verwaltungs-Fachangestellte zu finden. Der Bürgermeister: „Der Markt ist leergefegt.“ Schwierig sei es auch, neue Sozialassistenten und Erzieher zu finden. Immerhin: Bei der Suche nach Auszubildenden sei die Stadt immer noch recht erfolgreich.

Dennoch: Man muss sich etwas einfallen lassen, um die Arbeit in der Stadtverwaltung für potenzielle Bewerber so attraktiv wie möglich zu gestalten. Weber setzt auf das Gesundheitsmanagement, auf eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie, auf eine hohe Flexibilität am Arbeitsplatz, auf möglichst entfristete Verträge sowie auf eine Förderung von Heimarbeit. Neubewertungen von Stellen seien ein weiterer Baustein. Unter dem Strich schreibe man vor allem die Familienfreundlichkeit im Rathaus besonders groß, betont Weber.

Aber was wird denn nun aus dem Radweg in der Luhne, nachdem die Querungshilfe im Zuge der Fahrbahnsanierung auf der Bundesstraße bereits installiert worden ist? Beate Behrens hat sich der Sache angenommen. Plan sei es, den Ausbau so schnell wie möglich auszuschreiben und zu starten – mit dem Ziel, ihn bis Frühjahr 2020 fertigzustellen. Und bis dahin wird sich vielleicht auch die personelle Situation in der Tiefbauabteilung entspannt haben.

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