102 Einbürgerungen im Landkreis pro Jahr

Die wenigsten wollen Deutsche werden

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Deutscher zu werden, scheint für viele Ausländer auch in der Region nicht unbedingt attraktiv zu sein. Die Zahl der Anträge stagniert auf geringem Niveau. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Zahl der ausländischen Bevölkerung auch im Landkreis Rotenburg steigt. Die Zuwanderung ist so hoch wie nie. Allerdings bleiben die wenigsten Asylsuchenden, die in den vergangenen Monaten in den Unterkünften der Region untergekommen sind, auch dauerhaft hier. Und noch viel weniger Menschen entscheiden sich für eine Einbürgerung. Nicht einmal ein Prozent der Ausländer im Landkreis haben im vergangenen Jahr den formalen Schritt, Deutsche zu werden, begangen.

Die Zahl der Einbürgerungen lag in den vergangenen Jahren im Durchschnitt bei 102. Es gibt aber keinen eindeutigen Trend, eher Wellenbewegungen, sagt Kreissprecherin Christine Huchzermeier: Im Jahr 2009 waren es 82 Anträge, 2011 stieg die Zahl auf 133, 2013 sackte sie wieder auf 88 ab, 2014 waren es 113, 2015 insgesamt 117 und im ersten Halbjahr 2016 bereits 66. Deutschlandweit, das hat jetzt das Statistische Bundesamt berichtet, gehe die Zahl der Einbürgerungen zurück: 2015 wurden nur noch 107 200 Ausländer Deutsche. Das seien 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr und 1,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. In Niedersachsen dagegen gab es steigende Zahlen, 7 988 Ausländer nahmen 2015 die deutsche Staatsbürgerschaft an, 266 mehr als im Vorjahr.

Die jüngsten Flüchtlingsbewegungen schlagen sich noch nicht in der Einbürgerungsstatistik nieder. Im Landkreis wurden in den vergangenen dreieinhalb Jahren rund 350 Personen aus 50 Ländern eingebürgert. An der Spitze der Herkunftsländer steht die Türkei (78 Personen), es folgen Polen (37), Vietnam (33), Kosovo (21), Syrien (18), Niederlande (18) und Libanon (13). Auch bundesweit bilden Türken und Polen die größten Gruppen, an dritter Stelle liegen übers ganze Land verteilt die Ukrainer. 2015 wurden mehr Menschen aus EU-Mitgliedsländern eingebürgert, die Einbürgerungen aus EU-Kandidatenländern gingen zurück. „Dies ist jedoch wie schon in den Vorjahren fast ausschließlich die Folge der rückläufigen türkischen Einbürgerungen“, heißt es vom Statistischen Bundesamt.

Nur wer eingebürgert ist, hat das Recht zu wählen

Von den 10 710 Ausländern, die derzeit im Landkreis leben, sind 4 335 EU-Ausländer und 2 408 Asylbewerber. Bei zuletzt 117 Einbürgerungsanträgen liegt die Zahl der Ausländer im Landkreis, die Deutsche werden wollen, damit bei nur rund einem Prozent. Dabei hat Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) betont, dass Einbürgerungen wichtig für eine nachhaltige Integration seien. Denn nur wer eingebürgert sei, habe das Recht zu wählen und vor allem auch gewählt zu werden, sagte die Ministerin. Wer eingebürgert sei, habe freien Zugang zu allen Berufen. Und die Erfahrung zeige tatsächlich, dass Eingebürgerte häufig höhere Bildungsabschlüsse erreichten. Derzeit erarbeitet das Sozialministerium den Ansatz für eine Kampagne, die die Menschen erreichen soll, die seit acht Jahren rechtmäßig in Niedersachsen wohnen und alle Voraussetzungen für eine Einbürgerung erfüllen.

Acht Seiten lang ist das erste Dokument, das es auszufüllen gilt, um den deutschen Pass zu erhalten. Danach aber gibt es keinen gradlinigen Weg mehr. „Es ist kaum möglich, eine pauschale Antwort auf die Frage ,Was muss ich tun?’ zu geben“, sagt Kreissprecherin Huchzermeier. Denn: „Die Ausgestaltung des Verfahrens und die zu erbringenden Voraussetzungen richten sich nach der Herkunft und den persönlichen Verhältnissen des Einbürgerungsbewerbers.“ So variiert zum Beispiel die Zeit des erforderlichen rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland zwischen drei und acht Jahren. Der eine muss die bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben, ein anderer nicht. Und auch die Erfordernisse beim sogenannten Einbürgerungstest oder beim Erwerb des Sprach-Zertifikats „Deutsch B1“ – völlig unterschiedlich.

EU-Bürger entscheiden sich selten für die Einbürgerung

Ebenso variiert natürlich die Motivation, überhaupt einen Antrag stellen zu wollen. Für viele EU-Ausländer, die hier arbeiten und leben, besteht gar keine Notwendigkeit. Die bundesweiten Zahlen zeigen das deutlich: EU-Bürger entscheiden sich verhältnismäßig selten für die Einbürgerung – nur 1,4 Prozent der Berechtigten wurden 2015 Deutsche. Die höchsten Werte gab es bei Menschen aus Kamerun, wo sich fast jeder Vierte, der die Voraussetzungen erfüllte, einbürgern ließ. Bei Menschen aus Syrien, Irak oder Afghanistan lag die Quote um die elf Prozent.

Wer den Weg vom Antrag über die individuellen Beratungsgespräche und die Tests einschlägt, fällt im Übrigen nur in ganz seltenen Fällen durch. Huchzermeier: „Das kommt in der Praxis nicht sehr häufig vor.“ Auch die Leistung beim gemeinsamen Singen der Nationalhymne bei den Einbürgerungsfeiern im Kreishaus kann das Deutschwerden dann nicht mehr stoppen...

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