Weniger Einfluss, mehr Kosten

Landkreis lehnt vollständigen Beitritt zum VBN-Tarif ab

Mit dem VBN-Ticket nach Bremen, mit dem HVV-Ticket nach Hamburg und mit dem Niedersachsen-Ticket nach Hannover oder Göttingen – das wäre aus Sicht der Landkreisverwaltung das Ideal.
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Mit dem VBN-Ticket nach Bremen, mit dem HVV-Ticket nach Hamburg und mit dem Niedersachsen-Ticket nach Hannover oder Göttingen – das wäre aus Sicht der Landkreisverwaltung das Ideal.

Rotenburg – Ein Blick auf den Tarifplan macht es deutlich: Weite Teile im Landkreis Rotenburg sind bereits VBN-Land. Genau genommen handelt es sich um acht der insgesamt 13 Verwaltungseinheiten, die mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen, kurz ZVBN, assoziiert sind. Scheeßel, Fintel und Sittensen im Osten sowie, weiter nördlich, Bremervörde und Geestequelle sind es nicht, wohl aber im kreiseigenen, dem VBN vergleichbaren ROW-Tarif. Der gilt aber nur für den Busverkehr – nicht für die Schiene.

„Das heißt also, das Ansinnen, den Landkreis komplett in den VBN reinzubekommen, hätte den alleinigen Effekt, dass man auf den Bahnhöfen Scheeßel und Lauenbrück sowie auf den vier Bahnhöfen entlang der Bremervörder Strecke auch den VBN-Tarif bekommen würde“, gab Torsten Lühring am Donnerstag in einer Sitzung des Kreisausschusses für Wirtschaft und Verkehr zu Protokoll.

Warum der Erste Kreisrat den Plan an die Wand werfen ließ? Im Herbst fasste der Rotenburger Kreistag den Beschluss, die Verwaltung möge einen Vollbeitritt des Landkreises zum ZVBN beziehungsweise eine Assoziierung weiterer Gemeinden prüfen. Dies sei inzwischen auch geschehen, so Lühring. Das Ergebnis: ernüchternd. „Bei Bothel und Visselhövede, die zuletzt in den VBN-Tarif gekommen sind, hat man noch eine Ausnahme gemacht, da es sich hier um einen Lückenschluss handelt“, habe er aus Gesprächen mit dem Zweckverband erfahren. Sollten weitere Kommunen nun noch nachrücken, müsste der Landkreis dem VBN insgesamt beitreten. Nur verliere der im Umkehrschluss dadurch auch seine Aufgabenträgerschaft für den ÖPNV. Nach Lührings Worten heißt das zum Beispiel: „Wir könnten vom Land dann keine Mittel mehr für die Erweiterung unseres Verkehrsangebotes bekommen – das Geld in siebenstelliger Höhe würde stattdessen nach Bremen überwiesen.“ Laufende Zuschüsse, die der Kreis etwa dem Bürgerbus zahle, erwäge der ZVBN mit seiner Förderpraxis jedenfalls nicht. „Der sagt, das sei Sache der örtlichen Gemeinden.“

Wenig zu gewinnen

Noch gravierender gestalte sich das Problem aber mit Blick auf die Schiene. Lühring: „Wenn wir den VBN-Tarif dorthin bekämen, bräuchten wir dazu das Land Niedersachsen – das ist aber kein Freund von weiteren Tarifausweitungen, weil es seinen eigenen Tarif hat und man sich so selber ein Stück weit Konkurrenz machen würde.“ Eine finanzielle Beteiligung aus Hannover sei im Falle eines Vollbeitrittes, anders als bei der HVV-Erweiterung, so nicht zu erwarten. „Alles müsste bis auf den letzten Cent kommunal bezahlt werden – es ist also relativ wenig zu gewinnen.“

Statt mit geringen Effekten den kreiseigenen Einfluss und das Geld komplett nach Bremen abzugeben, plädierte Lühring dafür, nach Alternativen Ausschau zu halten, beispielsweise die Subventionierung von Bahnpendlern. „Es ist ja beim Niedersachsen-Tarif mittlerweile schon so, dass man in Hamburg, Bremen und Hannover auch mit Einzelfahrkarten den Bus, die Straßen- oder die U-Bahn weiternutzen kann.“ Selbst im Kreis Rotenburg, erklärte er, seien solche Übergänge auf andere öffentliche Verkehrsmittel schon möglich.

Langfristiges Ziel sollte es seiner Meinung nach sein, dass man von jedem Bahnhof und jeder Bushaltestelle im Kreisgebiet mit einem VBN-Ticket nach Bremen, mit einem HVV-Ticket nach Hamburg und mit dem Niedersachsen-Ticket nach Hannover oder Göttingen reisen könne. „Und davon sind wir gar nicht mal weit entfernt.“

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