Weniger Bürokratie, mehr Fachkräfte

Rotenburger Handwerkstag: Medaille geht an Michael Vente

+
Kreishandwerksmeister Norbert Schmudlach (r.) verlieh Michael Vente die Rotenburger Handwerksmedaille.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Junge Menschen für das Handwerk begeistern – das hat am Donnerstagabend in der Aula der Berufsbildenden Schulen (BBS) im Fokus des 38. Rotenburger Handwerkstages gestanden.

Dafür hatte die Kreishandwerkschaft Elbe-Weser als Gastgeberin Wiebke Jessen von der Sinus-Akademie aus Heidelberg eingeladen, die ihre Studie „Wie ticken Jugendliche?“ den rund 150 Gästen präsentierte. Durch die Forschungen erhofften sich die Gastgeber, strategische Impulse für die Fachkräftesuche zu gewinnen. Auch die große Koalition war Thema in den Wortbeiträgen von Kreishandwerksmeister Norbert Schmudlach und Bürgermeister Andreas Weber (SPD), die ihre Erwartungen und Forderungen an das Bündnis formulierten. Für sein Engagement und seine Verdienste im Handwerk erhielt Michael Vente die Rotenburger Handwerksmedaille.

Hausherr und BBS-Schulleiter Wolf Hertz-Kleptow eröffnete den Handwerkstag und begrüßte die Teilnehmer, zu denen auch CDU-Landtagsabgeordneter Eike Holsten, stellvertretender Landrat Hans-Joachim Jaap, Stadtwerke-, Volksbank- und Sparkassenvertreter sowie mehrere Kreistagsabgeordnete zählten. Der Schulleiter betonte in seiner Rede die gute und wichtige Zusammenarbeit seiner Europaschule mit der Kreishandwerkerschaft und ihren Innungen. Rund 2 650 Schüler zählt die BBS und bleibt damit auf „einem gleichbleibend hohen Niveau“. Um die duale Ausbildung im Rahmen des Fachkräftemangels noch attraktiver zu gestalten, plane die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade zusammen mit dem Kultusministerium das Berufsabitur, so Hertz-Kleptow. Damit könne nach drei bis dreieinhalb Jahren die Fachhochschulreife erlangt werden. Auch die BBS möchte sich an dem Modellversuch beteiligen, erste Gespräche mit der Kreishandwerkerschaft und den Innungen seien bereits geplant. Für die stets konstruktive Zusammenarbeit mit der Interessenvertretung des regionalen Handwerks bedankte sich der Schulleiter bei Hauptgeschäftsführer Eginhard Engelke und den Kreishandwerksmeistern Norbert Schmudlach und Diedrich Höyns sowie allen Mitarbeitern. Hertz-Kleptow: „Das ist nicht selbstverständlich.“

Politik muss Betrieben mehr Spielräume geben

Schmudlach stellte sich nach einer musikalischen Einlage der Rotenburger Bläsergruppe Akkord-Fabrik als Nächstes an das Podium und zählte wie sein Vorredner einige Statistiken auf. Demnach bildet die Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser aktuell rund 3 300 Personen aus. „Im Handwerk können sie die Vielfalt erleben, ganz gleich, welche Hautfarbe sie haben oder politische Richtung sie verfolgen. Im Handwerk ist das alles egal.“ Die Kreishandwerkerschaft möchte dazu beitragen, dass „unsere Umgebung, unser Rotenburg“ ein guter Ort bleibt. Dazu gehöre auch die Politik. Die neue Regierung müsse den Unternehmern mehr Gestaltungsspielräume geben. Dazu zählen laut Schmudlach keine neuen bürokratischen und finanziellen Belastungen sowie keine neuen wachstums- und beschäftigungsschädlichen Gesetze. „Im Fokus der Betriebe steht weiterhin ein gesundes und nachhaltiges Wirtschaften. Wir sind nicht dafür zuständig, uns tagtäglich durch ein ständig wucherndes Dickicht von bürokratischen Dienstpflichten und Regulierungsauflagen zu kämpfen.“

Bürgermeister Andreas Weber (SPD) nahm in seinem anschließenden Vortrag direkten Bezug zu Schmudlachs Forderung an die voraussichtlich neue Regierung der CDU/CSU und der SPD. Durch die vielen Förderungsmaßnahmen, die im Koalitionsvertrag stehen, erhoffe sich auch Weber nicht mehr, sondern weniger Bürokratie in Deutschland. „Es muss darauf geachtet werden, dass Unternehmer entlastet werden, denn die Verwaltungsarbeit hemmt schon jetzt die Effektivität vieler unserer Betriebe.“ Weber möchte in Rotenburg dafür werben, dass die SPD-Mitglieder dem Koalitionsvertrag Anfang März zustimmen. Die AfD als stärkste Oppositionskraft im Bundestag werde sich laut Weber durch ihre Wortbeiträge in den kommenden Jahren selbst entlarven und schon bald an Bedeutung verlieren.

Vortrag über Entwicklung von Jugendlichen

Abseits der Politik wollten die Anwesenden aber auch etwas Praktisches mit nach Hause nehmen, etwas, das in ihren Handwerksbetrieben von Nutzen sein kann. Dafür kam Wiebke Jessen von der Sinus-Akademie auf die Bühne und stellte Erkenntnisse und Entwicklungen über die Einstellungen von Jugendlichen vor. Eingeteilt in sogenannte Lebenswelten, präsentiere sie die unterschiedlichen Charaktereigenschaften von jungen Menschen und wie diese im Bewerbungsgespräch im eigenen Betrieb erkannt werden können. „Jeder hat irgendein Potenzial, das es gilt, herauszufinden.“

Sein Engagement für die Ausbildung von Jugendlichen bewies bereits Michael Vente, ehemaliger Geschäftsführer des Rotenburger Sanitärunternehmens Thermoland Radecke. Der Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister sowie vereidigte Sachverständige erhielt für seine Verdienste die Handwerksmedaille. Auch als Energieberater ist Vente tätig und war 23 Jahre als Lehrlingswart und Bindeglied zwischen Betrieb und Auszubildenden aktiv. Aktuell entwickelt er mit zwei weiteren Experten eine bundeseinheitliche Meisterprüfung im Installateur- und Heizungsbauhandwerk.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Kindergartenfest Bücken

Kindergartenfest Bücken

Meistgelesene Artikel

Maisfeldfete ein großer Erolg

Maisfeldfete ein großer Erolg

Senior tötet Wespen mit Gasbrenner

Senior tötet Wespen mit Gasbrenner

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Kommentare