IGS startet mit 84 Fünftklässlern ins neue Schuljahr

Weniger Anmeldungen

IGS-Schulleiter Sven Thiemer betrachtet weniger die geringeren Anmeldezahlen als viel mehr die Schulwechsler mit kritischen Augen.
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IGS-Schulleiter Sven Thiemer betrachtet weniger die geringeren Anmeldezahlen als viel mehr die Schulwechsler mit kritischen Augen.
  • Guido Menker
    vonGuido Menker
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Rotenburg – Die Freude ist ein wenig getrübt. Zwar haben aus dem ersten Abschlussjahrgang der Integrierten Gesamtschule (IGS) Rotenburg 70 von 145 Schülern den erweiterten Sekunderstufe-I-Abschluss erreicht und damit die Möglichkeit, eine gymnasiale Oberstufe zu besuchen. Aber auf der anderen Seite startet nach den Ferien ein fünfter Jahrgang neu an der IGS, der um etwa zehn Prozent kleiner ausfällt als noch vor einem Jahr.

„Wir haben bis jetzt 84 Anmeldungen“, sagt IGS-Schulleiter Sven Thiemer. Die Gründe dafür sind noch wenig greifbar. Und doch stellt sich die Frage, inwieweit diese Entwicklung ihre Ursache in der Entscheidung des Stadtrates vom vergangenen Jahr hat, keine Oberstufe an der IGS in der Kreisstadt einzurichten. Fakt ist: Im Laufe des vergangenen Schuljahres, haben sieben Schüler aus unterschiedlichen Jahrgängen, die IGS vorzeitig verlassen, um an eine andere Schule zu wechseln, in der eben auch eine Oberstufe angeboten wird. „Die Eltern signalisieren zwar, wie sehr ihnen die IGS gefällt, aber sie wünschen sich für ihre Kinder einen schicken Übergang in die Oberstufe und halten es für sinnvoll, schon jetzt zu wechseln“, berichtet Thiemer.

Den Rückgang der Schülerzahl im fünften Jahrgang sieht der Schulleiter weniger kritisch als die Wechsler, weil damit die Frage verbunden sei, wie sich das weiter auswirkt. „Wenn die stärkeren Schüler gehen, ist das für das IGS-Prinzip ein Nachteil.“ Diese Schule lebe von einer „guten Durchmischung“, sagt er. Eine Durchmischung, wie man sie auch in unserer Gesellschaft vorfinde. Das gelte es jetzt auszugleichen. „Ideal für eine IGS ist das nicht“, findet Thiemer – und spricht von einer entsprechenden Herausforderung für die Lehrer. „Damit wird es anders, in unserer Schule zu unterrichten.“ Aber: „Die Grundidee der IGS ändert sich dadurch nicht.“ Nach wie vor gehe es darum, das individuelle Potenzial der Schüler zu fördern und zu fordern. Ein „Abschulen“ und ein Sitzenbleiben werde es auch weiterhin nicht geben. Alles weitere seien „ungelegte Eier“.

Wohin jene 70 Schüler wechseln, die jetzt in Richtung Abitur gehen, kann Thiemer nicht genau sagen. Nur so viel: „Die Tendenz geht in Richtung den Berufsbildenden Schulen.“ Das sei klar erkennbar, fügt er hinzu. Die IGS selbst plant zurzeit eine Kooperation mit der IGS in Zeven, die wiederum 2021 eine gemeinsame Oberstufe mit den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Zeven an den Start bringen möchte. Thiemer: „Ein paar Kollegen von uns sind bereits mit in die Planungen eingebunden.“

75 Lehrer arbeiten zurzeit an der IGS in Rotenburg. Neben der normalen Fluktuation habe es zuletzt zwei Kollegen gegeben, die gegangen sind, weil sie eben in Rotenburg auch perspektivisch keine Möglichkeit haben, an einer IGS-Oberstufe zu unterrichten. Eine Reaktion, auf die Thiemer bereits in der Diskussion über die von der Schule angestrebte Oberstufe mehrmals deutlich hingewiesen hatte. Und was die Einstellung von neuen Lehrern betrifft, befinde sich die IGS „klar im Nachteil“, sagt Thiemer. Die Kollegen an einer IGS müssen eine Stunde mehr unterrichten als die an einem Gymnasium. Und: „Wir dürfen nur noch Gymnasiallehrer einstellen.“ Da spiele vielfach eben auch das Fehlen einer Oberstufe eine große Rolle.

Aber Sven Thiemer bläst nicht Trübsal, sondern freut sich darüber, auch in seinem Kollegium eine gute Durchmischung vorzufinden – das Team verfüge über zahlreiche junge Kräfte, aber es seien eben auch Lehrer mit größerer Erfahrung dabei. Nicht zuletzt deshalb ist sich Sven Thiemer sich: „Wir entwickeln uns gut weiter und sind gut aufgestellt.“ Es freue ihn darüber hinaus sehr, die Schüler immer wieder auch in wichtige Prozesse an der Schule einbinden zu können. So sei mit ihnen zusammen entschieden worden, die zeitliche Struktur neu zu ordnen. Die Mittagspause sei von 65 auf nun 45 Minuten reduziert worden – auf Anregung der Schüler, die deutlich gemacht hatten, dass ihnen die Pause zu lang sei. Ein neuer Rhythmus erwarte sie also nach den Sommerferien, und das funktioniere auch in Abstimmung mit dem Team in der Schulmensa und trotz der zwei Standorte an der Gerberstraße sowie in der Ahe, erklärt Sven Thiemer.

Das Thema „Schule in Zeiten von Corona“ mit all den verschiedenen Schwerpunkten – Hygiene, geänderte Unterrichtsszenarien, Digitalisierung und Homeschooling beschäftigt Schüler und Lehrer weiterhin unterstreicht Schulleiter Sven Thiemer. „Und das bietet auch noch viel Gesprächsstoff“, ist er sich mit Blick auf das bevorstehende neue Schuljahr sicher. „So binden wir uns zum Beispiel jetzt in den Ferien in die Niedersächsische Bildungscloud ein, die uns ein weiteres Tool neben IServ zum Fernunterricht bietet.“ Bereits in den Osterferien hatte die Schule 40 Laptops angeschafft, die sie kostenlos an Schüler verliehen hat, die diese Geräte für den Unterricht zu Hause brauchten und berechtigt waren, weil ihre Eltern Sozialleistungen beziehen, so Thiemer.

Von Guido Menker

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