Finanzielles Desaster für Lokalpächter

Weiterhin Blaualgen im Weichelsee - Badeverbot bleibt bestehen

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Auf einem Surfbrett schippert Ulrich Schorpp auf dem Weichelsee, um zu sehen, ob noch Blaualgen im Wasser sind. 

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Eigentlich freut sich jeder Pächter eines Restaurants an einem idyllisch gelegenen See über hochsommerliches Wetter. Aber im Gesicht von Ulrich Schorpp aus Rotenburg sind zurzeit vor allem Sorgenfalten zu sehen. „Es kommen kaum noch Besucher an den See und in das Strandhouse-Restaurant.“ Es tendiere gen Null – und da, wo sonst Wohnmobile dicht an dicht nebeneinander stehen, herrscht aktuell gähnende Leere.

„Hier und da hält schon mal der Besitzer eines solchen Gefährts an und bleibt für eine Übernachtung. Viele drehen aber sofort wieder um und suchen sich einen Platz mit Badegelegenheit“, erklärt der Platzwart die aktuelle Situation am Rotenburger See. 

Der Grund für die miese Lage am Gewässer klingt plausibel – denn der Weichelsee ist seit zwölf Tagen wegen Blaualgenbefalls vom Rotenburger Ordnungsamt gesperrt. „Baden verboten – und das bei dieser Hitze. Da fahren die Gäste lieber woanders hin“, so Schorpp.

Der Leiter des Rotenburger Ordnungsamtes, Frank Rütter, erklärt, welche Gesundheitsgefährdungen durch Cyanobakterien und ihre Toxine im Weichelsee ausgehen können und dass er das Badeverbot erteilen muss. Die Blaualgenblüten könnten bei Menschen Krankheiten verursachen. Die Bakterien enthalten eine große Bandbreite verschiedener Wirkstoffe. Einige davon seien sehr giftig und enthielten für den Menschen entzündlich wirkende und hautreizende Substanzen. Auch allergische Reaktionen seien laut Fachliteratur im Verdauungstrakt, in Atemwegen, Augen und Ohren bereits festgestellt worden. 

Noch ist unklar, wann die Sperre aufgehoben werden kann

Um mögliche Blaualgenbelastungen in stehenden Gewässern festzustellen, werden vom Gesundheitsamt in enger Kooperation mit dem Ordnungsamt regelmäßig Wasserproben entnommen. Erst, wenn die Proben keine Belastungen mehr aufweisen, werde das Gewässer wieder freigegeben.

„Die letzte Probe vom Weichelsee hat gezeigt, dass dieser weiterhin mit Blaualgen belastet ist“, bestätigte Rütter am Montagmorgen. Wann der Badesee wieder freigegeben werde, sei bei der momentanen Wettersituation noch nicht absehbar. Proben werden weiterhin regelmäßig genommen. 

„Wenn besorgte Leute bei uns anrufen, ob auch der Bullensee gefährdet sei, geben wir Entwarnung“, erklärt Rütter, denn der Bullensee sei ein völlig anderes Gewässer mit anderen PH-Werten. Zudem sei er viel tiefer als der Weichelsee und biete für die Blaualgenbildung zu wenig Nährstoffe.

Ein kleiner Test: Wie klar ist das Badewasser?

Wenn jemand an einem See ins Wasser gehen möchte, sollte er zunächst folgende Faustformel anwenden: knietief ins Wasser gehen und dann testen, ob man die Füße noch klar sehen kann. Dann sei das Baden zumeist gefahrlos. „Ganz hundertprozentig ist dieser Test aber nicht“, schränkt er sofort ein.

Um auf den Weichelsee zurückzukommen: Die Belastung des Gewässers durch die anhaltende Hitze sagt noch nicht aus, dass der See zu wenig Sauerstoff habe. Wenn der See aber „umkippen“ sollte, dann beginnt dazu noch das Fischsterben. „Ich hoffe auf baldigen Regen, der die Situation am Gewässer natürlich in jeder Hinsicht entschärfen würde“, so der Leiter des Ordnungsamtes.

Auf eine Gesundung des Sees durch Regen hofft auch Schorpp. Plötzlich ein Lächeln auf seinem Gesicht – ein Wohnmobil aus Hechingen (Baden-Wüttemberg) mit dem Ehepaar Christine und Bernd Herrmann kommt auf das Gelände gefahren. Als sie hören, dass im See nicht gebadet werden darf, bleiben sie trotzdem. „Es ist sehr idyllisch hier. Da bleiben wir mindestens für eine Übernachtung. Platz ist ja genug “, so der Wohnmobilbesitzer mit einem kleinen Augenzwinkern.

Derzeit sind in Niedersachsen zahlreiche Gewässer wegen der Belastung mit Blaualgen gesperrt.

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