Komplett neues Quartier

Rotenburger Werke weihen neues Wohnhaus ein

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Das Haus der Rotenburger Werke bietet Platz für 16 Bewohner mit leichter bis mittelschwerer Behinderung. Ein Gastraum steht für Kurzzeitunterbringungen bereit.

Rotenburg - Von Joris Ujen. Die Stadt Rotenburg steht für Inklusion, viele Menschen mit Behinderung leben hier und sind Teil des Alltags. Mehr als 1 130 Wohnplätze bieten ihnen die Rotenburger Werke. Jetzt gibt es 16 mehr.

Am Montag hat die gemeinnützige Einrichtung die Einweihung des Wohnhauses gefeiert, das innerhalb nur eines Jahres fertiggestellt wurde. Einzelpersonen, Paare und kleine Wohngemeinschaften werden hier leben.

Ein Leitfaden der Werke besagt, dass sie ihren Bewohnern eine weitestgehend selbstständige Lebensführung ermöglichen wollen. Die Einrichtung sieht sich in einem Veränderungsprozess, den sie Konversion nennt. „Dieses Wohnheim ist ein weiterer Baustein“, sagte Jutta Wendland-Park, Pastorin und mit Thorsten Tillner an der geschäftsführenden Doppelspitze der Werke, in ihrem Grußwort an die rund 80 Gäste. 

Unter ihnen waren auch die künftigen Bewohner des zweistöckigen Wohnhauses sowie viele Nachbarn aus dem Libellenweg. Acht Mitarbeiter werden die 16 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Behinderung zwar betreuen – anfangs wird es auch einen Nachtdienst geben –, ihre Selbstständigkeit steht mit der neuen Unterkunft aber im Fokus. 

Tillner: „Wir sind in der Nachbarschaft angekommen“

Je nach Schwere der Behinderung wirken die Bewohner aktiv an der Gestaltung ihrer vier Wände mit oder überlassen die Planung den Rotenburger Werken. Einziehen werden sie am kommenden Montag. Ähnliche Wohnhäuser gibt es unter anderem schon in Harsefeld, Visselhövede und Rotenburg. 

„Das waren aber Grundstücke mit schon bestehenden Gebäuden“, so Thorsten Tillner. „Hier ist ein komplett neues Quartier entstanden, und wir sind in der Nachbarschaft angekommen.“ Dankbar sei er der Stadtverwaltung, die schnell auf Ergänzungen zum Bebauungsplan reagiert habe.

Von dem neuen Quartier konnten sich auch die Gäste ein Bild machen, nachdem Wendland-Park in ihrer Funktion als Pastorin das Gebäude, die Mitarbeiter und Bewohner unter Gottes Schutz gestellt hatte. Schon beim Haupteingang fällt auf, dass hier an bewegungseingeschränkte Bewohner gedacht wurde. „Schwellenlos“, nennt Friedhelm Sager, Leiter Abteilung Wohnen, diesen ebenen Übergang von draußen nach drinnen.

Jutta Wendland-Park steht vor dem Haupteingang des Wohnhauses.

Die Barrierefreiheit ist im Gebäude an jeder Ecke zu sehen, scharfe Kanten gibt es keine. Insgesamt 740 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Ebenen stehen den Bewohnern zur Verfügung. Sechs Zimmer mit angeschlossenen Duschbädern und einem Pflegebad sind auf Menschen mit Körperbehinderungen abgestimmt. Gemeinschaftsräume, sanitäre Einrichtungen, ein Balkon mit Sonnenschutz sowie eine Terrasse zählen ebenfalls dazu.

Gerade in Ferienzeiten sind häufig Kurzzeitunterbringungen für Menschen mit Behinderung oder bei Krankheit der pflegenden Angehörigen gefragt. Hierfür ist ein Gastplatz vorgesehen, der sich direkt neben dem Mitarbeiterbüro befindet. „Dadurch hat unser Gast bei Notfällen oder Fragen direkt einen Ansprechpartner in der Nähe“, erläutert Sager.

Der Bau soll die Stressquelle Lärm reduzieren

Diplom-Ingenieur Dieter Carstens aus Visselhövede entwickelte in ständiger Absprache mit den Rotenburger Werken das moderne Wohnhaus, das auch eine Photovoltaikanlage hat. Das Bauunternehmen Oelkers aus Verden setzte die Ziele dann innerhalb eines Jahres um. Schallgeschützte Decken und harte Böden sollen für möglichst wenig Lärm sorgen. „Das ist beruhigend für unsere Bewohner“, erklärt Sager.

Rund 1,8 Millionen Euro haben die Rotenburger Werke in den Neubau inklusive Grundstück investiert. 110.000 Euro steuerte die Sozialorganisation Aktion Mensch bei.

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