Weitere Sichtungen sorgen für Debatten / Jäger-„Märchen“ ärgern Verwaltung

Der Wolf fesselt weiter die Aufmerksamkeit

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Burkhard Uhle aus Hetzwege begegnete beim Gassigehen mit Labrador-Hündin Lea im Bruch der erste Wolf. Bei der zweiten Wolfssichtung vom Trecker aus war Sohn Sebastian (6) dabei.

Rotenburg - Von Ulla Heyne und Michael Krüger. Wolfssichtungen im Landkreis werden zum viralen Renner. Am Wochenende hatte die Jägerschaft des Landkreises Rotenburg ein Video im sozialen Netzwerk Facebook veröffentlicht, auf dem gleich fünf Wolfswelpen aus Westertimke zu sehen sein sollten. Doch die Bilder waren schnell wieder verschwunden – anders als Videos aus Scheeßel, Reeßum und anderen Ortschaften.

Jägerschaft-Sprecher Kuno Kumpins hat das Westertimke-Video, das für große Debatten sorgte, wieder aus dem Netz benommen: „Die Aufnahme stammte nicht wie vermutet aus dem Landkreis, sondern aus dem Raum Uelzen.“ Ein weiteres Video, das ebenfalls am Sonnabend von der Jägerschaft ins Netz gestellt wurde und seitdem dort für reichlich Klicks sorgt, ist dagegen tatsächlich von hier: In der Nähe des Eichenrings wurde ein Wolf gesichtet. Eine knappe Minute verfolgte Burkhard Uhle das Tier mit der Handy-Kamera, „es lief direkt auf uns zu, bevor es sich irgendwann vom Acker machte“. Der Berufssoldat hatte bereits am Vorabend beim Gassigehen mit seinem Hund in Hetzwege einen Wolf gesehen, „da war der Handy-Akku leider alle“. Am nächsten Morgen, gemeinsam mit seinem sechsjährigen Sohn half er einem Freund bei der Bearbeitung eines Feldes direkt am Eichenring: die nächste Sichtung.

Uhle ist sich sicher, dass es sich um zwei verschiedene Tiere handelt: „Der vom Vorabend war scheuer gewesen und auch ein Stück kleiner.“ Doch auch jetzt gelang ihm kein Foto. Einige Stunden und rund 1,5 Kilometer weiter vom Eichenring entfernt in Richtung Büschelskamp dann das dritte Auftauchen von Meister Isegrim. „Das war kurz nach 11 Uhr. Mein Sohn hatte gerade fünf Rehe beim Äsen beobachtet und fragte, was wohl wäre, wenn jetzt der Wolf kommt.“ Gerade habe er erwidert, dass der sich wohl kaum in die Nähe eines Treckers trauen würde – „da stand er nicht weit von uns entfernt vor uns, gut zu erkennen“. Dieses Mal klappte es mit dem Festhalten per Handy. Was Uhle so sicher macht, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt? „Als Soldat habe ich schon mal einen in der Oberlausitz gesehen, und auch in Munster auf den Truppenübungsplätzen gibt es welche. Und wir sind öfter mal mit der Familie im Tierpark.“ Angst habe er nicht gehabt, „es war vielmehr total faszinierend“, so der Hetzweger. „Wölfe sind nach Fußball das Thema überhaupt – und auf einmal sieht man einen in echt!“ Eigentlich, ist ihm klar, „müsste man die ja verjagen – aber wir waren einfach zu gefesselt“.

Hier wurden Wölfe gesichtet

Jürgen Cassier, Leiter des Amts für Naturschutz und Landschaftspflege im Landkreis und Wolfsbeauftragter, bleibt allerdings skeptisch. Nach den offiziell bestätigten Sichtungen bei Lauenbrück und Reeßum tauchten nun viele Bilder auf, deren Echtheit überprüft werden müsste – es könnten auch Hunde sein. Wie viele Wölfe mittlerweile im Landkreis unterwegs seien, lasse sich auch nicht abschließend sagen. Lauenbrück, Reeßum und zuletzt am Montagabend eine Sichtung an der Bundesstraße 74 bei Basdahl – mehrere Tiere, oder womöglich ein und dasselbe Tier? Zumindest in Lauenbrück konnten aus der Losung des Tieres DNA-Proben entnommen werden. Die werden noch überprüft und mit möglichen weiteren Funden verglichen. Britta Habbe. Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft Niedersachsen: „Nachgewiesen ist bislang nur ein Tier.“ Dass der Landkreis irgendwann zum Wolfsgebiet wird, sei aber immer klar gewesen – durch die Nähe zur Heide mit den größeren Beständen.

Die Aufregung sei groß, sagt auch Cassier. Mitunter so groß, dass sie bei manchem Jäger zu seltsamen Verhaltensweisen führten. Ein Fall aus Sottrum sei ihm zugetragen worden, wo eine Frau mit ihrer Enkeltochter im Wald von einem Jäger angesprochen worden sei, der ihnen einreden wollte, sie sollten sofort verschwinden, es sei doch nun gefährlich. Cassier: „Solche Märchen ärgern mich sehr.“

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