Keiner will auf den Neuen Markt

War‘s das? FDP fordert Streichung des Weihnachtsmarkt-Zuschusses

Auch am Freitagnachmittag ist auf dem Weihnachtsmarkt nichts los. Foto: WUTTKE

Die zweite Auflage des dreiwöchigen Rotenburger Weihnachtsmarktes läuft gerade erst seit wenigen Tagen, und doch zeichnet sich jetzt schon ab, dass es diesen möglicherweise künftig nicht mehr geben wird.

Rotenburg - Geht es nach der FDP im Rotenburger Stadtrat, ist der im Haushaltsplanentwurf 2020 vorgesehene Zuschuss zu diesem Weihnachtsmarkt in Höhe von erneut 17 500 Euro ersatzlos zu streichen. Einen entsprechenden Antrag hat Gunter Schwedesky mit Blick auf den am Montagabend tagenden Finanzausschuss an Bürgermeister Andreas Weber (SPD) gerichtet. Im Finanzausschuss geht es um die letzten Beratungen zum Haushalt des kommenden Jahres, ehe der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung darüber entscheidet.

Weihnachtsmarkt nicht wieder auf dem Neuen Markt

Vielleicht aber wird eine Entscheidung über den Antrag Schwedeskys sogar hinfällig. Denn in einem Gespräch mit unserer Zeitung kündigt Hüseyin Tavan vom Veranstalter Event-24 aus Verden an, den Weihnachtsmarkt auf keinen Fall ein drittes Mal auf dem Neuen Markt in Rotenburg zu veranstalten. „Wir würden es noch einmal versuchen, aber nur, wenn wir auf den Pferdemarkt ausweichen können“, so Tavan. 

Einen solchen Platzwechsel hatte er sich bereits für dieses Jahr gewünscht – aber eine Absage erhalten. An dieser Entscheidung werde sich auch aktuell nichts ändern, betont die Erste Stadträtin Bernadette Nadermann. „Das ist jetzt nicht als Absage zu verstehen, aber gerade erst ist festgelegt worden, dass der Wochenmarkt dauerhaft auf dem Pferdemarkt stattfindet.“ Die dortigen Marktbeschicker dann erneut für mehrere Wochen auszulagern, sei derzeit eben kein Thema, sagt sie. Andreas Weber bestätigt das.

Standort Neuer Markt: Keiner ist zufrieden

Mit dem jetzigen Standort auf dem Neuen Markt ist keiner der Beteiligten wirklich zufrieden. Der Veranstalter beklagt die viel zu geringe Resonanz, auch die Stadt, die viel Geld dafür zur Verfügung gestellt hat, hätte sich im zweiten Jahr mehr von dem vorweihnachtlichen Angebot versprochen. Und auch die Politik blickt skeptisch auf das, was sich dort abspielt. Der Bürgermeister: „Ich bin enttäuscht. Die Erwartungen waren ganz andere.“ Er hatte gehofft, es würde diesmal mehr statt nun noch weniger Angebote auf dem Weihnachtsmarkt geben.

Weihnachtsmarkt Rotenburg: Angebot wenig weihnachtlich

„Auf dem Neuen Markt kann man zurzeit den erneuten Versuch beobachten, in Rotenburg einen ,Weihnachtsmarkt’ zu etablieren“, schreibt Schwedesky in der Begründung für seinen Antrag. Das Angebot an Buden und Unterhaltung sei schon im vergangenen Jahr wenig weihnachtlich gewesen. Und in diesem Jahr falle es nun sogar noch geringer aus. Tavan hatte eigentlich geplant, ein Karussell sowie einen Musik-Express auf dem Neuen Markt zu platzieren – „aber beide Schausteller haben abgesagt, sie wollten nicht auf den Neuen Markt.“

Keiner will auf den Neuen Markt Rotenburg

Auch die Versuche, Kunsthandwerker für den Markt zu gewinnen, seien fehlgeschlagen. Und so stellt FDP-Ratsherr Schwedesky fest: „Es befinden sich dort lediglich sechs Buden, fünf für Essen und Trinken sowie eine sechste für bunt bedruckte Kleidung.“ Die Schaubühne sei zwar täglich besetzt. „Das Musikprogramm beinhaltet alte deutsche und englischsprachige Schlager. Insgesamt entsteht dadurch keine weihnachtliche Stimmung.“ Entsprechend gering fällt der Besuch aus. Tavan weiß: Es braucht Zeit, einen solchen Markt in einer Stadt zu etablieren. Deshalb habe er einen zweiten Anlauf gestartet, doch es sei für ihn das letzte Mal auf dem Neuen Markt. Eben den aber habe er im vergangenen Jahr selbst gewählt, betont Bernadette Nadermann. „Den hatte er wegen der Lage für besser gehalten.“

Schwedesky berichtet in seinem Antrag von einem der Standbetreiber, der die Geschäfte auf Nachfrage als „mau“ bezeichnet habe. Einen Stand mit Kunsthandwerk finde man auf dem Platz nicht. Schwedesky: „Es ist auch nicht ersichtlich, an wen drei Wochen lang Kunsthandwerk in Rotenburg verkauft werden könnte.“

Nikolausmarkt Rotenburg gut besucht

Vor diesem Hintergrund blickt der Ratsherr auf den am Freitag gestarteten Nikolausmarkt in der Innenstadt. „Dieser war in den letzten Jahren gut besucht.“ Er biete Vergnügen für Jung und Alt, insbesondere damit auch für Familien. Diesen Markt gilt es zu unterstützen“, meint er. Der dreiwöchige Weihnachtsmarkt hingegen sei überflüssig. Der Zuschuss sei daher auch aus dem Haushaltsplan für 2020 zu streichen. Schwedesky: „Gegebenenfalls gibt es im Kultur- und / oder Sozialausschuss sinnvollere Verwendung.“

„In diesem Jahr ziehen wir das durch“

Ein Angebot für die Familie: So hatten sich das auch Hüseyin Tavan und der Verantwortliche für das Bühnenprogramm auf dem Neuen Markt, Ben Jayman, vorgestellt. Das sei mit dem Programm auch gegeben. Man habe sich an der Resonanz aus dem vergangenen Jahr orientiert. Er spricht von einer „Mischung“ und verspricht, dass es noch weihnachtlicher werde. „Es ist natürlich schade für die Künstler, wenn nur wenig Menschen kommen“, erklärt er. Das liege seiner Ansicht nach aber „nicht am falschen Angebot“. Als jemand, der wie er von außen komme, so Tavan, sei es schwierig zu erkennen, wie problematisch es ist mit Veranstaltungen auf dem Neuen Markt. Dennoch versichert er: „In diesem Jahr ziehen wir das durch – bis zum Ende.“

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