Diakonisches Werk: Schuldnerberatung eröffnet neue Perspektiven

„Weg mit den Schulden“

Heiko Thömen findet zusammen mit Schuldnern einen Weg aus der aussichtslos geglaubten Situation. - Foto: Meyer

Rotenburg - Deutschland ist ein reiches Land. Doch die Überschuldung von Privatpersonen ist seit 2014 zum vierten Mal in Folge angestiegen. Mehr als 6,9 Millionen Menschen in der Bundesrepublik sind überschuldet oder haben nachhaltige Zahlungsprobleme. „Diese Probleme betreffen Menschen unabhängig von ihrem Einkommen“, sagt Heiko Thömen, Schuldnerberater der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle des Diakonischen Werks im Kirchenkreis Rotenburg. Nach der bundesweiten Aktionswoche „Weg mit den Schulden“ fordert er, dass auch zukünftig den gemeinnützigen Schuldnerberatungsstellen die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stehen.

„Denn wir helfen ver- und überschuldeten Menschen dabei, ihre sozialen und finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen, damit sie wieder Perspektiven sehen. Und davon profitieren nicht nur die Schuldner“, wird Thömen in einer Mitteilung des Diakonischen Werks an die Kreiszeitung zitiert. Er kennt zahlreiche Fälle, die mit Unterstützung der Schuldnerberatung einen positiven Verlauf genommen haben. So wie beispielsweise der vom Rentner Klaus P., der seinen Namen nicht vollständig genannt sehen möchte. Vor einigen Jahren ist seine Frau gestorben und er kam ins Krankenhaus. Der dortige Sozialdienst nahm seine Lebenssituation wahr und zog einen Schuldnerbegleiter hinzu. Das sind ehrenamtlich Engagierte, die die Arbeit des hauptamtlichen Schuldnerberaters unterstützten.

Eigentlich hat Herr P. ein hohes Einkommen aus gesetzlicher und betrieblicher Rente sowie Hinterbliebenenbezüge für sich zur Verfügung. Aber in den zurückliegenden Jahren war vieles wirtschaftlich schief gelaufen. Es dauerte Monate, bis der Schuldnerbegleiter zusammen mit Herrn P. die Schuldenlage genau erfasst hatte: rund 100 000 Euro, verteilt auf 60 bis 70 verschiedene Forderungen. „Es ist kein Wunder, dass Herr P. irgendwann aufgehört hatte, die Briefe zu öffnen. Es ist ihm alles langsam entglitten“, sagt Thömen.

Es lagen Pfändungen bei den Rententrägern und bei der Bank von Herrn P. vor. Die Rückstände bei der Krankenversicherung hatten zum Ruhen des Versicherungsschutzes geführt. Es bestand nur noch Notfallversorgung. Außerdem musste Herr P. wegen seines hohen Renteneinkommens Steuervorauszahlungen leisten. Das konnte er aber schon seit langer Zeit nicht mehr.

Schuldnerberater Thömen entwarf einen Plan, mit dem Herr P. einen Weg aus den Schulden gehen konnte. So sorgte er dafür, dass die Krankenversicherungsbeiträge sämtlich von den Rententrägern direkt an die Krankenkasse abgeführt wurden und Gläubiger einem Forderungsaufschub zustimmten. Besonders wichtig war, dass Herr P. einem privaten Verbraucherinsolvenzverfahren zustimmte. Damit hatte er die Chance auf eine Verkürzung der Insolvenzzeit auf drei statt sechs Jahre, wenn er in dieser Zeit rund ein Drittel seiner Insolvenzschulden zurückzahlen und die Kosten des Verfahrens aufbringen konnte. Und er konnte. Herr P. ist inzwischen schuldenfrei. Heiko Thömen ist zu erreichen unter Telefon 04261 / 6303956 und Email schuldnerberatung@dw.kirche-rotenburg.de.

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