Weg mit der „Kartoffelkiste“

Erlebnisbad Ronolulu in Rotenburg beginnt mit großem Umbau

Von Wasser und Wellen inspiriert ist die neue Dachkonstruktion mit großen Glasflächen des Ronolulu. Das alte Flachdach mit der dunklen „Kartoffelkiste“ aus den 1970er-Jahren ist marode.
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Von Wasser und Wellen inspiriert ist die neue Dachkonstruktion mit großen Glasflächen des Ronolulu.

Vieles im Rotenburger Ronolulu ist in die Jahre gekommen. Nun beginnt der große Umbau. Erst einmal geht es ums Grobe.

Rotenburg – Das Schild müsse auch so groß am Dach hängen, sonst sähe niemand von der Straße aus, dass sich hinter dem schwarzen Kasten ein Schwimmbad verbirgt. Axel Zimmermann schmunzelt, die Bezeichnung „Kartoffelkiste“ rutscht ihm raus, so ganz falsch liegt der Architekt damit aber nicht. Denn wenn man einmal genauer hinblickt, wie 1974 des Hallenbad des Erlebnisbads Ronolulu „verpackt“ wurde, staunt man nach den Maßstäben des Jahres 2021 doch einigermaßen.

Der Lagerhallen-Charme muss weg, nicht nur aus ästhetischen Gründen, die Decke ist „energetisch eine glatte Sechs“, sagt Volker Meyer als Chef der Stadtwerke, die das Ronolulu betreiben. Nach einer umfassenden Bestandsaufnahme im vergangenen Corona-Jahr nimmt die große Sanierung der Rotenburger Freizeit-Attraktion nun Fahrt auf.

15 bis 20 Millionen, so die aktuelle Kalkulation, werden die Sanierungsmaßnahmen in den kommenden Jahren kosten. Eine erste Million gab es bereits aus dem Sportstättensanierungsprogramm des Landes, 200 000 Euro vom Landkreis. Nun gilt es, weitere Fördertöpfe anzuzapfen. Eine Machbarkeitsstudie zur Finanzierung ist in Auftrag gegeben worden, auch gab es Überlegungen für einen Neubau an anderer Stelle. Doch diese wurden schnell wieder verworfen, drei mögliche Standorte am Rand oder gar außerhalb der Stadt verdeutlichten die Vorzüge der aktuellen Lage und waren zudem deutlich teurer konzipiert. Mindestens 50 Millionen Euro hätte man einplanen müssen – und hätte die Lage mitten im Zentrum im Grünen an der Wümme, bestens erreichbar auch für Schulen oder für Auswärtige vom Bahnhof, aufgegeben. Also wird saniert.

Ein gewisser Zeitdruck

Und das mittlerweile auch mit einem gewissen Zeitdruck. Denn wer an die Fördertöpfe will, muss nicht nur Fristen bei der Beantragung einhalten, sondern die Maßnahmen auch in einer bestimmten Zeit abschließen. „Der Wettlauf geht jetzt los“, sagt Meyer. Fliesenboden und Sprungbecken sind im Hallenbad bereits erneuert, es gibt ein weitere Kinderbecken, jetzt geht es an das große 25-Meter-Sportbecken, das eine neue Wand braucht. Ziel ist es, idealerweise im November fertig zu sein, solange soll das Freibad auch geöffnet bleiben. Nach der Hallensaison geht es möglichst zeitig im Frühjahr, wenn das Wetter mitspielt, ans Hallendach. In diesem Zuge werden die technischen Anlagen erneuert, die Lüftung aus dem Keller näher ans eigentliche Bad auf den Umkleidebereich verlegt. Ziel: Fertigstellung Ende 2022.

Der Blick auf das neue Dach vom Eingangsbereich.

Zimmermann und sein Kollege Jürgen Lohmann haben als „ajp architekten“ den Auftrag, das Erscheinungsbild des Ronolulu zu verändern. Drei Prioritätenstufen sind im Sanierungsprogramm des Ronolulu verankert, es ist auf viele Jahre ausgelegt, vieles ist noch ungewiss, deswegen geht es zunächst ums notwendige Grobe. Was das die Stadt selbst kosten wird, ist noch unklar. Möglichst viel Geld soll natürlich aus Fördertöpfen fließen, das Ronolulu ist auch in diesem Jahr im beantragten Städtebauförderungsprogramm verankert, aber es wird ein deutlicher Anteil weiter in Rotenburg bleiben. „Wir können es nicht allein stemmen“, sagt Meyer für die städtische Tochter, die Stadtwerke. Millionen von Euro sind in den vergangenen Jahren aus den Überschüssen der Stadtwerke in den städtischen Haushalt geflossen, oftmals konnte dieser so überhaupt erst ausgeglichen werden. Doch nun muss im Bad, das selbst übrigens auch in besseren Besucherzeiten vor Corona stets ein Zuschussgeschäft war, investiert werden.

Die „Dynamik von Wasser und Wellen“ wollen die Architekten im neuen Dach aufnehmen, auch die Innenraumgestaltung orientiert sich daran. Mehr natürliches Licht durch große Glasfronten, LED-Beleuchtung, besserer Schallschutz, eine abgestimmte Farbgestaltung und viel mehr als bisher ein Miteinander von Innen und Außen mit den großen Naturflächen direkt an der Wümme versprechen die Planer. „Man muss mit Architektur Atmosphäre schaffen“, sagt Architekt Lohmann.

Das alte Flachdach mit der dunklen „Kartoffelkiste“ aus den 1970er-Jahren ist marode.

Während der Bauphase müssen Badegäste mit Einschränkungen leben. Meyer verspricht aber, dass die Sanierung keine höheren Eintrittspreise nach sich ziehen wird. Vielmehr sei geplant, in weiteren Schritten die Attraktivität des Badeerlebnisses zu steigern. Denkbar seien zum Beispiel ein Kletterturm, eine Innen-Actionrutsche, „Chill-Out-Bänke“ oder die Neukonzipierung der Außenanlage mit einer verbesserten Beckengestaltung. Auch „ganz große Überlegungen“ mit einer neuen Rutschenanlage gebe es. Aber all das sei derzeit noch in weiter Ferne, und ehrlicherweise „absolut nicht notwendig“ – anders als die Sanierungen an der alten Bausubstanz und Technik. Die Politik müsse dann auch die Finanzierung mittragen – am 12. September wird gewählt.

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