Corona bremst Freiwilligendienst in Rotenburger Werken aus

Weder vor noch zurück

Febriyani Sopaheluwakan (l.) und Pedro Petersen sind zwei von zahlreichen Freiwilligen, die jedes Jahr bei den Rotenburger Werken arbeiten. Stefan Slommer koordiniert dort die Freiwilligendienste. 
Foto: Buschmann
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Febriyani Sopaheluwakan (l.) und Pedro Petersen sind zwei von zahlreichen Freiwilligen, die jedes Jahr bei den Rotenburger Werken arbeiten. Stefan Slommer koordiniert dort die Freiwilligendienste. Foto: Buschmann
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Rotenburg – Febriyani Sopaheluwakan und Pedro Petersen wirken entspannt. Die 27-jährige Frau aus Indonesien und ihr drei Jahre jüngerer Kollege aus Brasilien lächeln den Besuch an – und sie geben freundlich Antwort auf alle Fragen. Ihr Deutsch ist gut, Nachfragen gibt es nur bei akustischen Verständigungsschwierigkeiten. Sie bleiben aufgrund der geltenden Abstandsregeln nicht aus. Zur Not hilft Stephan Slomma aus. Er ist Koordinator für den Freiwilligendienst in den Rotenburger Werken. Sopaheluwakan und Petersen sind seit Februar für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in die norddeutsche Tiefebene gekommen.

Eigentlich wäre die Zeit bei den Rotenburger Werken Ende Juli vorbei. Doch die Covid-19-Pandemie mit weltweitem Lockdown und Reisebeschränkungen nach Übersee haben die Pläne der 27-Jährigen und des 24-Jährigen durcheinandergewirbelt. Ihre ursprünglichen Pläne, in Rotenburg eine Ausbildung zur Pflegeassistentin beziehungsweise zum Heilerziehungspfleger zu beginnen, haben Sopaheluwakan und Petersen erst einmal auf Eis legen müssen. Der Grund: Sie müssen eine erfolgreich abgelegte Deutsch B1-Prüfung nachweisen. Die Kombination steht für Sprachkenntnisse auf fortgeschrittenem Niveau. Wegen der noch immer geltenden Coronabeschränkungen finden jedoch zurzeit weder Sprachkurse noch Prüfungen statt.

Glücklicherweise hängen Sopaheluwakan und Petersen nicht komplett in der Luft. Wer nämlich einen internationalen Freiwilligendienst hierzulande absolviert, hat die Möglichkeit, sein Engagement wegen Corona um sechs Monate zu verlängern. Dieses haben beide in Anspruch genommen. Jetzt endet ihre Zeit statt Ende Juli erst Ende Januar. Bis dahin werden die beiden das machen, was sie bislang schon taten: Sopaheluwakan arbeitet in einer der Wohngruppen für Senioren mit Behinderungen, Petersens Einsatzstelle ist die Tagesförderstätte an der Lindenstraße.

Die Pandemielage zieht für die internationalen Freiwilligen unter Umständen auch ausländerrechtliche Fragen nach sich. Damit befasst sich die Ausländerbehörde des Landkreises. „Es gibt aufgrund der Covid-19-Lage besondere Regelungen im Hinblick auf auslaufende Titel und Visa“, teilt ein Sprecher mit. Und: „Langsam laufen die Terminvorsprachen zu Verlängerungen wieder an. Es gibt aber keinen generellen Verzicht auf die individuell zu erbringenden Erteilungsvoraussetzungen.“ Grundsätzlich seien „die speziellen und allgemeinen Erteilungsvoraussetzungen“ für ein Visum zu erfüllen.

Wer wie zum Beispiel Sopaheluwakan und Petersen eine Berufsausbildung an seinen Freiwilligendienst anschließen möchte, muss alle notwendigen Unterlagen vorlegen. Dazu gehören nach Auskunft der Ausländerbehörde der „Ausbildungsvertrag oder zumindest der vorbereitete Entwurf/die dazugehörige Ausbildungs- beziehungsweise Stellenbeschreibung“, der Nachweis eines B1-Sprachtests sowie die Zustimmung der Arbeitsagentur.

Zweifel daran, dass es nach ihrer Zeit für sie in Deutschland nicht weitergehen könnte, haben Sopaheluwakan und Petersen nicht. Denn auch die Einrichtungen haben sich auf die ungewöhnliche, durch das Virus verursachte Lage eingestellt. Slomma sagt: „Es ist für uns selbstverständlich, dass wir unsere Freiwilligen in dieser Situation nicht alleine lassen.“ Sollte es etwa mit den Deutschprüfungen bis zum Beginn ihrer Ausbildung nicht klappen, können Sopaheluwakan und Petersen ihre Zertifikate nachreichen. Ein Angebot seitens der Rotenburger Werke für eine Ausbildung liegt ihnen vor. Sopaheluwakan indes schaut sich auch noch an anderer Stelle um.

Wann die Indonesierin und der Brasilianer das nächste Mal ihre Familien sehen werden, wissen beide zurzeit nicht. Petersen ist dennoch einigermaßen glücklich. „Ich war im Februar in Brasilien. Damals war es schon alles ein bisschen strenger“, sagt der junge Mann. Viele Menschen seien mit Mund- und Nasenschutz herumgelaufen. Zwei Wochen nach seiner Rückkehr kam der Lockdown.

Das alles habe ihn schockiert, erinnert sich Petersen, denn er sei von Natur aus eher ein ängstlicher Mensch. Er blickt zurück: „Ich habe keine Lösung gefunden. Zum Glück habe ich gearbeitet.“ Auch Sopaheluwakan musste überlegen, wie es für sie weitergeht. Ihre ersten Gedanken nach Verkündung des Lockdowns hätten sich um die eigene Zukunft gedreht, erzählt sie: „Zurück nach Hause ging nicht, und eine Ausbildung zu machen geht auch nicht.“ Die Freiwillige sei sich wie ein festgefahrenes Auto vorgekommen: Es ging weder vor noch zurück. Immerhin: Sopaheluwakan hält via Social Media Kontakt zu den Lieben daheim.

Von den neuen Herausforderungen waren außer Sopaheluwakan und Petersen weiter rund 40 junge Leute betroffen – Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst ableisten. Sie alle mussten sich nach Auskunft von Koordinator Slomma überlegen, wie sie mit der Situation umgehen. „Die Incomer sind viel entspannter als die Locals“, sagt er. Soll heißen: Die Menschen aus anderen Ländern haben das Ganze lockerer genommen als ihre in der Regel gleichaltrigen Mitstreiter aus Deutschland. Lediglich drei Freiwillige haben ihren Freiwilligendienst wegen Corona beendet.

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