Weber will noch mal

Andreas Weber möchte seinen Bürgermeisterschreibtisch im Rathaus gerne noch länger behalten. Foto: Krüger

Nun ist es raus: Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber will sich 2021 für eine zweite Amtszeit wählen lassen. Das hat er am Sonnabend bei der Jubiläumsfeier des SPD-Ortsvereins bekannt gegeben. „Die Aufgabe, die ich vor fünf Jahren übernommen habe, bereitet mir große Freude“, sagt der 62-Jährige. Einen Gegenkandidaten gibt es noch nicht.

VON MICHAEL KRÜGER

Rotenburg – Knapp zwei Jahre vor der nächsten Kommunalwahl schafft Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) Fakten: Er will nach seinen ersten sieben Dienstjahren als Chef im Rathaus noch fünf weitere dranhängen, um die es dann geht. Vor seinen Parteifreunden hat er diese Entscheidung am Sonnabend verkündet. „Ich habe viel Zuspruch erfahren“, sagt ein gelöster Bürgermeister am Montagnachmittag beim Pressegespräch in seinem Büro: „Das bestärkt mich, mich noch einmal zu bewerben.“ Mit SPD-Stadtratsfraktions-chef Gilberto Gori habe er diesen Schritt besprochen, selbstverständlich auch intensiv mit der Familie. Vonseiten der Partei, der Weber seit 2012 angehört, gibt es keine Einwände: „Die SPD Rotenburg unterstützt uneingeschränkt die Kandidatur Andreas Webers“, teilt Vorstandsmitglied Ingo Krampitz mit. Seine Aussage, „Ich klebe nicht an meinem Sessel, wenn es jemanden anderen gibt, den die Partei will“, kann Weber also streichen.

Bei einer Wiederwahl im Herbst 2021 wäre Weber 64 Jahre alt. Für den gebürtigen Rotenburger ist das aber kein Argument, in Rente zu gehen. „Mir geht es sehr gut“, sagt Weber. So, wie er es aktuell empfinde, könne er das Amt bis zum Alter von 69 Jahren durchaus ausüben. „Ich traue mir das zu“, so sein freundlicher Gruß in Richtung der Kritiker, die das zumindest hinter verschlossenen Türen bereits in Zweifel gezogen haben.

Drei Kinder und sieben Enkelkinder hat Weber. Gemeinsam mit seiner Frau habe er lange darüber gesprochen, wie das zeitlich fordernde Amt und die Familie unter einen Hut zu bekommen sind. „Wir bemühen uns“, so der Verwaltungschef, der natürlich weiß, dass das nicht immer klappt. Einen gewissen „Freiraum“ wolle er sich aber schaffen, ohne dabei die Bürgernähe zu verlieren. In den vergangenen fünf Jahren sei ihm das „sehr gut gelungen“, wie er sagt. Bleibt Weber im Amt, wird er noch als Bürgermeister sein 50. Arbeitsjubiläum feiern können. 1976 hatte Weber seine Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Bremen begonnen, war zuletzt Leiter des Landeskriminalamts in der Hansestadt. Diese lange Zeit im Beruf sei jedoch keine Belastung, sondern „ich empfinde das als Lebensqualität“.

So sehr Weber den Umgang mit den Bürgern liebt und die Verwaltungsarbeit als Chef der rund 320 Mitarbeiter im Rathaus schätzt, so sehr nervt ihn mitunter aber auch der politische Streit in der Stadt. „Politik ist in Teilbereichen ein schäbiges Geschäft“, sagt er und verweist auf zu viele Debatten, die auch im Stadtrat aus „parteipolitischen Erwägungen“ geführt worden seien. „Da vermisse ich die Fairness, die ich aus dem Sport gewohnt bin“, sagt der ehemalige Handballer. Er hoffe inständig, dass sich dieses Verhalten im Sinne der Stadt ändern wird und sich manch ein Abgeordneter mehr der Verantwortung bewusst wird, die er trägt.

Seine bisherige Amtszeit betrachtet Weber als durchaus erfolgreich für Rotenburg. Mit dem Erreichten gehe man „gestärkt für herausragende Zukunftsaufgaben“ hervor. Diesbezüglich nennt er die Herausforderungen der Integration vieler Flüchtlinge, die Verkehrswende in der Kreisstadt, die Schaffung günstigen Wohnraums und neuer Baugebiete sowie Gewerbeansiedlungen und attraktive Freizeitangebote wie das neue Weichelsee-Projekt. Künftig, und das betreffe natürlich auch eine etwaige zweite Amtszeit, gelte es, die Innenstadt mit dem Wohnquartier Auf dem Loh gemäß des in Arbeit befindlichen Stadtentwicklungskonzepts umzubauen und vor allem dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, wozu auch eine gute und vielfältige Schullandschaft gehöre. Dass er seine Kandidatur drei Wochen vor der für ihn so wichtigen Entscheidung über die IGS-Oberstufe verkündet hat, sei Zufall, sagt Weber. Die 100-Jahr-Feier der Rotenburger SPD sei der Anlass gewesen, dort sei der Kreis versammelt gewesen, „der mich fragend anschaut“.

Die Nominierung Webers muss indes die SPD selbst vornehmen. Und die stellt sich im Frühjahr neu auf, berichtet Krampitz. Dann werde ein neuer Vorstand gewählt, der den Ablauf bis 2021 skizzieren wird.

„Das ist eine ganz persönliche Entscheidung von Andreas Weber, die ich nicht zu bewerten habe“, kommentiert derweil Eike Holsten als CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender die Aussagen aus dem Rathaus. Gut sei, dass nun rund zwei Jahre vor der Wahl bereits Klarheit über die Absichten des amtierenden Bürgermeisters besteht. Klar sei aber auch: „Die Rotenburger CDU wird seine Kandidatur nicht unterstützen.“ Vielmehr führe Holsten mit seinem Team in diesen Wochen „eine Reihe guter Gespräche mit potenziellen Kandidaten“. Holsten auf Nachfrage weiter: „Unser Anliegen ist es, einen Kandidaten zu finden, der Verwaltungserfahrung besitzt und parteiübergreifend in Rat und Verwaltung wirken kann. Als Vorsitzender will ich meinen Mitgliedern im Herbst kommenden Jahres einen Vorschlag unterbreiten können, über den dann auf einer Versammlung abgestimmt wird.“

Kommentar von Michael Krüger

Weber legt vor: Jetzt müssen alle liefern 

Andreas Weber schafft Fakten, und man möchte umgehend erwidern: Richtig so! Der Bürgermeister eiert nicht herum in der Frage, ob er 2021 erneut kandidieren möchte. Diese Konsequenz hätte man dem Rathauschef in den vergangenen Jahren auch in manch anderer Frage gewünscht, wo er sich zu oft als Harmonie suchender Moderator präsentiert hat. Ein Bürgermeister muss auch mal unangenehme Entscheidungen treffen und damit leben können, dass ihn dafür nicht jeder im Dorf mag. Auch dass er – vielleicht anders als in seiner vorherigen Tätigkeit als Polizeichef – durchaus mal andere (politische) Sichtweisen erdulden muss, ist ein Lernprozess. 

Michael Krüger

Jetzt, mit der Gelassenheit der ersten fünf Jahre im Dienst und der Aussicht, 2021 mit dem Amtsbonus im Gepäck wieder gute Chancen zu haben, müsste das besser klappen. Webers Verkündung setzt die anderen unter Zugzwang. Die CDU wird keinen Kandidaten präsentieren können, auf denen sich alle Lager verständigen, sondern es kommt zur richtigen Wahl mit Alternativen. Das ist gut so und stärkt die Demokratie. Anders als die SPD, die in der Bürgermeisterfrage im Grunde voll auf Weber angewiesen war, hat die CDU durchaus verschiedene Optionen. Noch hält sie sich allerdings bedeckt, welche das sind. Es wäre schön, wenn sich das bald ändert.

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