Der Bürgermeister: „Feuerwehr liegt uns sehr am Herzen“

Weber weist Vorwurf zurück

Die Rotenburger Feuerwehr bei einem von bis zu 300 Einsätzen innerhalb eines Jahres.
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Die Rotenburger Feuerwehr bei einem von bis zu 300 Einsätzen innerhalb eines Jahres.

Rotenburg – Von mangelnder Motivation bei den fünf Rotenburger Feuerwehren kann keine Rede sein. Das unterstreicht Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch in einem Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung. Hintergrund ist eine Anfrage des CDU-Ratsherrn Mirco Klee. Dieser hat in der vergangenen Woche einen Fragenkatalog an Bürgermeister Andreas Weber (SPD) geschickt, um in Vorbereitung auf die Ratssitzung am 19. November alle Mitglieder des Stadtrats über den Stand der Dinge bei den Feuerwehren in Kenntnis zu setzen, ehe dann auch Thorsten Reinsch im Rat darüber sprechen wird.

„Die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr genießen in der Bevölkerung höchsten Respekt“, schreibt Klee in der Begründung seiner Anfrage. Sie stünden 365 Tage im Jahr zum Wohle der Allgemeinheit uneigennützig zur Verfügung und opferten ihre Freizeit, um auf dem neuesten Stand der Technik zu bleiben sowie die Ausübung ihrer ehrenamtlichen, teils sehr gefährlichen Tätigkeit zu verinnerlichen. Klee: „Dass dies mit nicht unerheblichen Kosten in Verbindung steht, ist selbsterklärend. Dennoch habe ich in manchen Bereichen den Eindruck, dass nötige Investitionen im Feuerwehrwesen mit Blick auf den städtischen Haushalt mit einer Auffassung wahrgenommen werden, die weder dem Niedersächsischen Brandschutzgesetz entspricht, noch zur Motivation der Freiwilligen Mitglieder beiträgt.“

Ein Vorwurf, meint Andreas Weber, „der sich so nicht verfestigen dürfe“. Das Gegenteil sei der Fall. Nachdem in den Jahren 2002 bis 2014 durchschnittlich 75 000 Euro pro Jahr in die Feuerwehren investiert worden seien, sei von 2015 bis heute die jährliche Investition durchschnittlich auf einen Betrag von 600 000 Euro angewachsen. „Daher habe ich kein Verständnis für eine solche Darstellung“, so Weber. „Und darum möchte ich das gerade gerückt haben in der Öffentlichkeit.“ Die Feuerwehr liege der Verwaltung „sehr am Herzen“, betont der Bürgermeister. Sie befinde sich weitgehend auf einem modernen Stand. Die Stadt habe einen Masterplan und verfolge diesen. Mulmshorn und Waffensen verfügten inzwischen über neue Feuerwehrhäuser.

In der Tat stelle sich die Frage, was mit Rotenburg, Borchel und Unterstedt passieren muss, so Reinsch. „Aber uns umtreiben eigentlich andere Themen vor allem in der Organisation – gerade wegen der hohen Zahl der Einsätze.“ Der Rotenburger Stadtbrandmeister spricht von einem „hervorragenden Verhältnis zu Rat und Verwaltung“. Er sei zudem froh, „dass wir keinen Bedarfsplan erstellen mussten – denn der ist starr“. Schließlich sei bekannt, dass die Flexibilität Wohlbefinden ausmache.

Im Investitionsplan seien in der Tat Dinge zwei Mal verschoben worden, „das ärgert einen vielleicht“. Er stellt aber auch fest, dass nicht jeder im Stadtrat über die Feuerwehr Bescheid wisse. Ist das der Fall, müssten sie sich drum kümmern. Aber: „Einige von ihnen waren noch nie in einem Feuerwehrhaus.“

Der Bedarf sei stellenweise in der Tat sehr hoch. Borchel habe ein 31 Jahre altes Feuerwehrauto bekommen. Ein neues Fahrzeug würde nicht mehr ins Haus passen. „Da müssen wir uns also baulich was einfallen lassen“, sagt Reinsch. Die von Klee angesprochene Geschlechtertrennung sei früher kein Thema gewesen, weil ausschließlich Männer im aktiven Dienst waren. „Heute steigt der weibliche Anteil. Das ist gut. Und dem müssen wir natürlich Rechnung tragen.“ Borchel und Unterstedt seien da nicht auf dem neuesten Stand, auch nicht bei der Trennung des Umkleidebereiches von den Fahrzeugen, die in der Halle angelassen werden. Und auch in Rotenburg stoße man inzwischen an die Grenzen. „Auch dort müssen wir aus- oder umbauen“, sagt Reinsch. Die Kinder- sowie die Jugendfeuerwehren kämen zusammen schon auf 50 Mitglieder – ein Bereich, aus dem die künftigen Feuerwehrfrauen und -männer rekrutiert würden.

Zugleich erwähnt Reinsch, dass sich die Zahl der jährlichen Einsätze in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt bis verdreifacht hätten – von etwa 120 auf bis zu 300 in Spitzenzeiten. Die Art der Einsätze habe sich ebenfalls verändert – immer häufiger riefen Brandmeldeanlagen die Feuerwehren auf den Plan. Oft handele es sich allerdings um Fehlalarme.

Zugleich spricht Reinsch das durchschnittliche Alter der Feuerwehrfahrzeuge an. Eines in Waffensen sei 33 Jahre, eines in Mulmshorn 27 Jahre alt. Im Masterplan sei die Anschaffung mehrerer neuer Wagen vorgesehen. Diesen Plan müsse man den Ratsmitgliedern „plausibel vorlegen“. „Wir wollen und müssen einem Investitionsstau entgegenwirken“, fügt der Stadtbrandmeister hinzu. Andreas Weber: „Da sind wir auf einem guten Weg.“

Am Ende des Gespräches mit unserer Redaktion, bei dem auch die Erste Stadträtin Bernadette Nadermann und der für die Feuerwehr zuständige Ordnungsamtsleiter Frank Rütter am Tisch sitzen, kommt Thorsten Reinsch noch einmal auf die Motivation zu sprechen. „Wir wünschen uns alle, auf dem neuesten Stand der Technik zu sein“, sagt er deutlich. Von daher mache sich bei Übungen nicht immer nur die große Freude bemerkbar. Aber: „Die Einsatzmotivation leidet nicht.“ Dennoch müsse man versuchen, Schritt zu halten. Frank Rütter: „Wir können nur die materiellen Voraussetzungen schaffen.“ Im Wesentlichen müssten die Führungskräfte vor Ort für die Motivation sorgen.

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