Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land wird 50 Jahre alt / Jubiläum im Juni

Anstoßen – mit klarem Wasser

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Das Prosit zum 50-jährigen Bestehen des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land haben Ausschussvorsitzender Klaus Dreyer (r.) und Geschäftsführer Volker Meyer am Hauptversorgungsrohr im Wasserwerk schon mal mit glasklarem Wasser geprobt.

Unterstedt - Von Wieland Bonath. Womit stoßen die Ausschussmitglieder des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land an, wenn sie sich mit ihrem Vorsitzenden Klaus Dreyer aus Hassendorf treffen, um das 50-jährige Bestehen am 24. Juni vorzubereiten? Natürlich mit dem Wasser aus der riesigen Rotenburger Rinne, dem glasklaren Lebensmittel Nummer eins, mit dem rund 80000 Einwohner und fast 19000 Hausanschlüsse der Bereiche Visselhövede, Fintel, Bothel, Sottrum und Neuenkirchen (Heidekreis) versorgt werden. Inzwischen pro Jahr rund 4,5 Millionen Kubikmeter Trink- und Brauchwasser hervorragender Qualität, die aus 300 Metern Tiefe der Rotenburger Rinne geschöpft werden und über das fast 1000 Kilometer lange Hauptrohrnetz zu den Verbrauchern gelangt.

Oberstes Ziel des Verbandes mit seinem Vorsitzenden Klaus Dreyer, Geschäftsführer Volker Meyer und den 24 Mitarbeitern: Das lebens- wichtige Wasser muss so, wie die Natur es uns schenkt, erhalten bleiben – ohne menschengemachte „Zusätze“ wie Düngemittel und Pestizide. Ingenieur Meyer: „Unsere Aufgabe ist es, künftigen Generationen unser ausgezeichnetes Wasser zu erhalten.“

Dabei sah es vor einem halben Jahrhundert im Landkreis Rotenburg in ungezählten Brunnen ganz anders aus: mooriges und stark eisenhaltiges Wasser. Die Qualität, erinnert sich Ausschussmitglied Jürgen Borngräber aus Lauenbrück, sei so schlecht gewesen, dass die Wäsche teilweise in Bächen hätte gewaschen werden müssen, Filteranlagen hätten eingebaut werden müssen, ohne Rückspülung wäre es vielfach nicht gegangen.

Vor dem Chaos vor 50, 60 Jahren zogen neugegründete Versorgungsverbände die Reißleine, um künftig Trink- und Brauchwasser in guter Qualität zur Verfügung zu haben. Die Geburtsstunde des Wasserver- sorgungsverbandes Rotenburg-Land mit seinem Wasserwerk Süd bei Unterstedt und dem Wasserwerk Nord am Rande von Westerholz. Dazu gehören zwei große Wasserschutzgebiete, nämlich Unterstedt (Richtung Süden, 4000 Hektar) und das Wasserschutzgebiet Nord (Golfplatz Emmen, Richtung Norden, 1600 Hektar).

Diese Trinkwasserbereiche stehen unter besonderem Schutz, dort wird das Bewirtschaften der Flächen stark eingeschränkt. Keine Gülle auf die Felder, Pestizide sind verboten. Bis auf wenige „schwarze Schafe“ ist es zu einem guten Miteinander von Landwirtschaft und Wasserversorgungsverband gekommen.

Offensichtlich, so die Ausschussmitglieder, verankere sich bei immer mehr Menschen dieses Gefühl: Es ist unbedingt notwendig, die Wasserqualität zu schützen. Erste Alarmzeichen gibt es bereits: Im jüngsten Bericht des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Na-turschutz wird im Wasserschutzgebiet Nord eine auffällige Grundwassermessstelle genannt. Damit gehört Rotenburg neben den Kreisen Cloppenburg und Grafschaft Bentheim zu den Bereichen in Niedersachsen, wo der Ruf nach einer neuen Düngeverordnung besonders dringlich ist. Die Politik ist daher gefordert.

Vorsitzender Klaus Dreyer aus Hassendorf, sein Stellvertreter Günter Röhrs aus Süderwalsede und die Ausschussmitglieder Jürgen Borngräber, Hans-Jürgen Conrad aus Wohlsdorf, Uwe Lüttjohann aus Unterstedt, Hartmut Maaß aus Gilmerdingen bei Neuenkirchen und Enno Precht aus Visselhövede achten mit Argusaugen darauf, dass „ihr“ Wasser so rein wie seit fünf Jahrzehnten und damit das Lebensmittel Nr. 1 bleibt.

Denn, so der Vorsitzende, „eine Lobby wie die Lebensmittelindustrie haben wir im Bundestag nicht“. Dreyer: „Aber die Bereitschaft der Landwirtschaft vor Ort, in unserem Sinne mitzuwirken, ist ausgeprägt.“ Er ergänzt: „Der Wasserversor- gungsverband ist eine Erfolgsgeschichte im Süden des jetzigen Landkreises Rotenburg, erweitert um die Gemeinde Neuenkirchen aus dem benachbarten Heidekreis. Schon vor 50 Jahren gab es in den damaligen Hausbrunnen eisenhaltiges und mit weiteren gesundheitsschädlichen Stoffen belastetes Wasser. Schnell war die Lösung gefunden: In der sogenannten Rotenburger Rinne gab es Wasser bester Qualität und in einer unüberschaubaren Menge. Soweit die Städte und Gemeinden des Südkreises keine eigenen Stadt- oder Gemeindewerke hatten, be-gründeten die übrigen Kommunen den Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land.“ Klaus Dreyer: „Trotzdem machen wir uns im Jubiläumsjahr Sorgen: Noch ist die Wasserqualität tadellos – aber dieser Zustand könnte sich ändern: Die Gefahren drohen von unten: Durch die Verpressung von Lagerstättenwasser in unserer Region oder von geplanten Frackingmaßnahmen.“

„Die Gefahren“, so Dreyer, „drohen aber auch von oben: Durch einen stärker werdenen Nitrateintrag und durch die zunehmene Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Hinzu kommt der Eintrag von Gärresten von nunmehr 184 Biogasanlagen in unserem Landkreis.“

Für den 25. Juni lädt der Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land zu einem großen „Tag der offenen Tür“ nach Unterstedt ein.

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