Wasserversorgungsverband-Chef Volker Meyer zu den aktuellen Risiken

Gemeinsam für sauberes Trinkwasser

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Das große Anliegen des Versorgers Rotenburg-Land mit seinem Geschäftsführer Volker Meyer: reines Wasser auch für kommende Generationen.

Unterstedt - Von Wieland Bonath. Volker Meyer (45), Diplom-Ingenieur und seit fünf Jahren Geschäftsführer des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land, ist alles andere als ein Pessimist. Wenn es aber um die aktuelle Qualität des Wassers, mit dem der Verband Visselhövede, Sottrum, Fintel, Bothel und Neuenkirchen (Heidekreis) versorgt, geht, dann schrillen bei Meyer inzwischen die Alarmglocken: Wird den rund 80000 Einwohnern in den Kerngemeinden und den Ortsteilen auch künftig das Trinkwasser unbehandelt angeboten werden können?

So sauber wie einst von der Natur geschaffen und aus 300 Metern Tiefe von den mächtige Armen der Rotenburger Rinne gespeist? Wird über das 980 Kilometer lange Hauptrohrnetz auch künftig „problemfreies“ Wasser zu den 18500 Hausanschlüssen fließen? Verteilt wurden im Verbandsbereich aktuell etwa 4,5 Millionen Kubikmeter Trink- und Brauchwasser. Meyer: „Wir können uns freuen, dass wir so ein ausgezeichnetes Wasser ohne Bedenken einfach aus der Leitung trinken können. Dies ist sogar europaweit nicht in jedem Land selbstverständlich.“ Das Lebensmittel Nummer eins gelte es in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten.

Aber die Gegenwart mit ihren hässlichen Begleiterscheinungen ist längst auch im Wümmekreis angekommen: „Der Landkreis Rotenburg ist, was den Wirtschaftsdünger betrifft, gesättigt.“ Und weiter: „Durch neue Messwerte des ersten Grundwasserleiters ist bekannt geworden, dass der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten worden ist. Bei einer stetigen Überdüngung kann dies ein Problem für die Wasserversorgung bedeuten. Aus diesem Grund ist der Wasserverband stark an einer guten Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft zur Nitratreduzierung interessiert. Die vergangenen fünf Jahre haben gezeigt, dass dieser Wille in der Landwirtschaft ebenso besteht. Belegt wurde das durch die abgerufenen und geförderten Grundwasser-Schutzmaßnahmen.“ Geschäftsführer Meyer verdeutlicht: „Wir befinden uns gerade in einer EU-weiten Ausschreibung der Wasserschutz-Zusatzberatung. Das heißt, wir müssen diese Beratung für die Jahre 2016 bis 2020 neu beauftragen. Wir wünschen uns eine weiterhin gute Zusammenarbeit in der Trinkwasserschutz-Kooperation, in der die Landwirte und die Wasserversorger im Raum Rotenburg zusammenarbeiten.“ Die Novellierung der Düngeverordnung, fährt Volker Meyer fort, werde „noch größere Einschränkungen für die Landwirtschaft hervorbringen“. In Zukunft würden sämtliche Düngemittel erfasst, auch die Substrate der Biogasanlagen.

Ein weiteres Problem steht im Landkreis Rotenburg „vor der Tür“: die Pestizide, also die Schädlings- bekämpfungsmittel. Der Geschäftsführer: „Ein zukünftiges Thema des Wasserverbandes wird sein, die Pflanzenschutzmittelbelastung des Grundwassers zu erfassen und die Herkunft des Eintrags von Schutzmitteln zu ergründen, da im jüngsten Bericht des Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz eine auffällige Grundwassermessstelle im Wasserschutzgebiet genannt wird.“ Diese aktuelle Messung scheint harmlos zu klingen, ist es aber ganz und gar nicht. Eine weitere wichtige Frage ist noch offen: Wie gefährlich sind Fracking und Erdgasförderung?

Der Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land hat eine zentrale Aufgabe: den Menschen weiterhin reines Wasser zu liefern. Das wichtige Lebensmittel, gefördert aus zwei großen Bereichen: dem Wasserschutzgebiet Süd (Unter- stedt, Richtung Süden, 4000 Hektar groß) und aus dem Wasserschutzgebiet Nord (Golfplatz Emmen, Richtung Norden, 1600 Hektar). Und dieses Wasser gilt es für künftige Generationen in seiner Qualität zu erhalten: „Das Wasser in der Rotenburger Rinne“, sagt Volker Meyer, „hat ein Alter von mehreren tausend Jahren. Durch den regelmäßigen Zulauf von Regenwasser wird das geförderte Wasser auf ein Alter von mehreren hundert bis tausend Jahre gebracht.“

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