Kreis Rotenburg

Wasserrahmenrichtlinie: Vom Ziel noch weit entfernt

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Viele Gewässer im Landkreis Rotenburg sind ökologisch in keinem guten Zustand.

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Von einem ökologisch guten Zustand sind auch im Landkreis Rotenburg viele Gewässer weit entfernt. Kaum irgendwo werden die in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie festgelegten Ziele erreicht. Nach Auffassung des Landkreises liegt dies nicht zuletzt an unterschiedlichen Interessen. Verbesserungen seien nur zu erreichen, wenn alle an einem Strang ziehen.

Die Kreisverwaltung benennt damit ein zentrales Problem: Die Wasserrahmenrichtlinie setzt auf Freiwilligkeit. Und da ist es oft schwierig, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Die Anlieger, insbesondere Landwirte, wollen die Flächen bewirtschaften, Angler und Kanufahrer die Gewässer für ihre Zwecke nutzen, Umweltverbände die Natur schützen.

Wären im Umfeld der Gewässer mehr Flächen im Besitz der öffentlichen Hand, ließen sich Vorgaben im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie sicher leichter umsetzen. In einer Zeit jedoch, in der die Landwirtschaft um jeden Quadratmeter ringt, ist es für Land und Kommunen schwierig, Flächen zu erwerben. „Um Gewässer positiv zu verändern, bedarf es in erster Linie Zeit, Raum und Geld“, betont der Landkreis.

Nach den 2000 erlassenen Vorgaben aus Brüssel müssten längst alle Gewässer in einem guten ökologischen Zustand sein. Tatsächlich wird etwa für Niedersachsen gerade mal eine Quote von zwei Prozent erreicht. Daten darüber, wie hoch sie im Landkreis Rotenburg ist, liegen laut Verwaltung nicht vor.

Frist ist schon verlängert

Inzwischen hat die EU ihre Frist verlängert und wird sie wahrscheinlich noch einmal bis 2027 ausweiten. Doch selbst bis dahin ist nach Einschätzung des Landkreises die Chance gering, die gesetzten Ziele zu erreichen.

Dass so viele Flüsse und Bäche in keinem guten Zustand sind, hat mehrere Gründe und laut Landkreis seine Ursache im Ausbau der Gewässer in den 1960er und 70er Jahren. Damals ging es darum, das Wasser aus der Umgebung möglichst schnell über die Gewässer abzuleiten. Dazu wurden unter anderem Gewässer begradigt, Staustufen angelegt, Pflanzen und Totgehölze beseitigt – mit verheerenden Folgen für die Ökologie des jeweiligen Gewässers. Hinzu kommen Belastungen „aus diffusen Quellen“, so die Beschreibung des Landkreises. Beispielhaft nennt er Schmutz- und Nährstoffe aus der Kanalisation, Sand aus Uferabbrüchen und Drainagen, also vor allem Einträge aus der Landwirtschaft.

Es geht in Trippelschritten voran

Inzwischen ist viel Geld bereitgestellt worden, um Schäden an den Gewässern zu beseitigen. Voran geht es jedoch nur in Trippelschritten. Dennoch, betont die Kreisverwaltung, gibt es auch im Landkreis Rotenburg durchaus Fortschritte. Zahlreiche Gewässerabschnitte seien renaturiert oder eine eigenständige Entwicklung initiiert worden. Staustufen und damit künstliche Hindernisse, insbesondere für Fische, wurden beseitigt, die Unterhaltung angepasst. Millionen seien dafür in die Hand genommen worden, kofinanziert vom Landkreis. Unter anderem die bei Vahlde in die Fintau mündende Ruschwede sowie die Veerse, ein Nebengewässer der Wümme, erfüllten bereits die Anforderungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie.

Für deren Umsetzung seien im Übrigen die Bundesländer zuständig. Der Landkreis berate und beteilige sich an Kosten. Was getan werden müsste, um in der Sache nennenswert voranzukommen? Darauf hat der Landkreis eine kurze Antwort: „Problematisch ist die mangelnde Verfügbarkeit von Flächen. Solange hier keine Lösungen gefunden werden, wird es schwer bleiben oder nicht möglich sein, wesentliche Fortschritte zu erzielen.“

Konsequentes Ahnden von Verstößen zum Beispiel gegen Düngevorschriften, wie sie Dirk Glaß kürzlich angemahnt hat, führt der Landkreis nicht auf. Der Vorsitzende des Angelsportvereins Zeven hatte dem Kreis systematisches Wegschauen unterstellt. Die Verwaltung hat solche Vorwürfe stets zurückgewiesen. - zz

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