WVV bekommt Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren

Wasserpreis bleibt stabil

Ralf Heuer ist Geschäftsführer beim Wasserversorgungsverband (WVV) Rotenburg-Land.
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Ralf Heuer ist Geschäftsführer beim Wasserversorgungsverband (WVV) Rotenburg-Land.

Rotenburg – In Zeiten, da alles teurer wird, ist es eine gute Nachricht: Der Wasserpreis für die rund 23 000 angeschlossenen Abnehmer im Bereich des Wasserversorgungsverbandes (WVV) Rotenburg-Land bleibt im kommenden Jahr stabil. Das erklärt WVV-Geschäftsführer Ralf Heuer in einem Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung. Der Preis war erst Anfang dieses Jahres von 77 auf 89 Cent je Kubikmeter angehoben worden. Die Grundgebühr schlägt mit 6,42 Euro zu Buche.

Der Wasserversorgungsverband mit Sitz in Unterstedt betreibt zwei Wasserwerke: eines in Unterstedt, ein weiteres in Westerholz. Zuletzt hat der Verband rund 5,1 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert – „Tendenz steigend“, betont Heuer. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe: Einerseits nehme die Zahl der Anschlüsse jährlich um rund 220 zu, andererseits mache sich der Effekt des Klimawandels bemerkbar. „Wir verzeichnen seit 2018 angesichts der Trockenheit eine deutliche Mehrabgabe in den Sommermonaten.“ Die Menschen nutzten das Trinkwasser nicht nur zunehmend zum Bewässern ihrer Gärten, sondern mehr und mehr Pools in den Gärten trieben die Nachfrage nach oben.

Vor diesem Hintergrund richtet Ralf Heuer einen deutlichen Appell an alle: „Jeder sollte den Wert unseres guten Trinkwassers anerkennen, verantwortlich und auch nachhaltig damit umgehen.“ Es gebe zwei Milliarden Menschen auf der Welt, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, sagt Heuer. „Wir aber haben Trinkwasser von hoher Qualität und sollten es nicht nutzen, um damit den Rasen zu sprengen.“ Nicht zuletzt das aber sorge nicht nur für massive Spitzenabgaben im Sommer, sondern stelle den WVV zugleich vor große Herausforderungen.

In den vergangenen 15 Jahren, rechnet Heuer vor, sei die Abgabemenge um rund eine Million Kubikmeter pro Jahr gestiegen. Wenn er von Herausforderungen spricht, zielt er nicht zuletzt auf die Technik ab. Das aus der Rotenburger Rinne geförderte Wasser müsse gefiltert und aufbereitet werden. „Unsere Anlagen sind auf gewisse Fördermengen ausgelegt und stoßen an extremen Hitzetagen mittlerweile an ihre Grenzen.“ Das gelte zugleich für die Zwischenspeicher, mit denen sich der WVV in der Versorgung einen Puffer verschafft. „Die müssen künftig größer sein, wenn wir die Versorgungssicherheit gewährleisten wollen.“ Die Folge: Investitionen.

Diese Entwicklung hat Heuer auch der Verbandsversammlung im „Waldhof“ in Unterstedt dargestellt – und sie verbunden mit einem neuen Wasserversorgungskonzept. Das basiere auf der Annahme, dass Hitzesommer künftig zur Normalität werden. „Darauf müssen wir uns also einstellen.“ Im Klartext: Der Blick geht in Richtung Zukunft. Gutachterlich sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass für die Zeitspanne von 2030 bis 2050 der Wasserbedarf weiter steigt. Heuer: „Wir werden dann noch einmal ein weiteres Viertel mehr von unserer jetzigen Fördermenge bereitstellen müssen.“ Der WVV Rotenburg-Land versorgt rund 63 000 Menschen in den Rotenburger Ortschaften Waffensen, Unterstedt, Mulmshorn und Borchel, in den Samtgemeinden Sottrum, Fintel und Bothel, in den Gemeinden Scheeßel und Neuenkirchen sowie in Visselhövede mit Wasser. Durchschnittlich lässt jeder von ihnen täglich 100 bis 120 Liter durch den Hahn laufen.

Wenn der Verbrauch weiter steigt und daher auch mehr Wasser gefördert werden muss, bedarf es neben einer Planung auch die wasserrechtliche Genehmigung, die der Landkreis Rotenburg zu erteilen hat. „Wir fangen jetzt damit an und bereiten alles vor“, betont Heuer.

Vor diesem Hintergrund verdeutlicht der 34-Jährige zugleich, dass der WVV von dem deutlich gestiegenen Wasserpreis nichts habe. „Bisher lag die Wasserentnahmegebühr für Trinkwasser bei 7,5 Cent pro Kubikmeter und ist Teil des Trinkwasserpreises. Nun hat das Land Niedersachsen beschlossen, die Wasserentnahmegebühr für alle Nutzergruppen zu verdoppeln; damit beträgt diese nun 15 Cent für jeden Kubikmeter Trinkwasser als Abgabe“, erläutert Heuer. Mit diesem Geld soll der „Niedersächsische Weg“ finanziert werden.

Das alles wirkt sich selbstverständlich auf den Etat des Wasserversorgers aus. Dieser steigt auf nunmehr 6,1 Millionen Euro, 28 Mitarbeiter sind im Team von Ralf Heuer beschäftigt. Ihnen übrigens steht im Verwaltungsgebäude in Unterstedt ein eigenes Corona-Testzentrum zur Verfügung – „viele unserer Kollegen müssen schließlich in die Haushalte. Da gehen wir auf Nummer sicher.“

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