NATURDENKMÄLER Neun Buchen hinter dem Forsthaus Luhne

Da waren es nur noch acht

Da waren es nur noch acht Buchen. Henning Küper mit dem im Frühjahr gefallenen Exemplar. Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Was sind eigentlich Naturdenkmäler? Die Antwort auf diese Frage ist im Bundesnaturschutzgesetz nachzulesen. Demnach handelt es sich um rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechende Flächen von bis zu fünf Hektar, deren besonderer Schutz erforderlich ist – und zwar aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen, aber auch, wenn sie selten, eigenartig und besonders schön sind.

Die neun Buchen hinter dem Forsthaus Luhne, ganz in der Nähe der Rotenburger Lent-Kaserne, erfüllen gleich mehrere dieser Voraussetzungen. Sie sind schön, und sie sind zugleich auch mit naturgeschichtlichen sowie landeskundlichen Aspekten in Verbindung zu bringen. Und: Sie sind sehr alt.

„Aber wie alt sind sie wirklich?“ Diese Frage hat Förster Henning Küper lange Zeit beschäftigt. Im „Anhang zur Verordnung über Naturdenkmäler im Landkreis Rotenburg“ ist in diesem Fall von geschätzten 300 Jahren die Rede. Fast 40 Meter ragen sie inzwischen in den Himmel. Doch diese Angabe reicht Küper nicht. Er will es genau wissen und betreibt daher eine ausführliche Recherche. Sein Ergebnis: Diese neun Buchen müssen in den Jahren zwischen 1796 und 1800 gepflanzt worden sein – sie sind zwar deutlich jünger, als es bisher geschätzt worden war. Aber sie sind dennoch ziemlich alt.

Alte Landkarten helfen Küper dabei, das herauszufinden, aber auch das „Abschätzungs-Werk für die Oberförsterei Rotenburg“ von 1910 sowie der „Wirtschafts-Plan für die Oberförsterei Rotenburg“ von 1875 liefern interessante Anhaltspunkte, um dem wirklichen Alter dieser Rotbuchen auf die Schliche zu kommen.

Was Küper dabei zusammenträgt, ist spannend und interessant. So habe die erste Forstordnung von 1692 bestimmt, dass jeder „Haußmann, Köther, Brinkbesitzer und Häußling“ jährlich sowie die Hauswirte, bevor sie in den Ehestand traten, eine bestimmte Anzahl von Eichen- und Buchenheistern zu pflanzen und zum Wachstum zu befördern hatten. In den herrschaftlichen Forsten waren die Einwohner benachbarter Ortschaften verpflichtet, Heister zu pflanzen. So heißt es in den Forstregistern des 18. Jahrhunderts: „Die Eingesessenen zu Bötersen, Jeerhof, Hassendorf und Waffensen sind schuldig, ein jeder jährlich zwei Tage im Luhner Forst Eich Heister auszuroden und zu pflanzen.“ Ende des 18. Jahrhunderts, so Küper, werden dann auch im Lohn Heister gepflanzt. Der Förster: „Ab dieser Zeit wird immer stärker auf die Buche bei der Begründung gesetzt.“ Die Kosten werden schriftlich festgehalten. 1796/97 werden zum Beispiel im Luhner Revier 29 Reichsthaler und acht Schilling für die Anpflanzung von Buchen- und Eichenheistern vom Amt Rotenburg gezahlt. In den Jahren 1779 bis 1780 pflanzten die Menschen im Luhner Holz 4 413 Heister.

Laut der ersten Betriebsregelung des Forstamtes Rotenburg von 1875 gehören die heute als Naturdenkmäler festgesetzten Rotbuchen zum sogenannten Jagen 147. Dazu wird ein Begründungsjahr um 1750 angesetzt. Im Abschätzungswerk von 1910 geht man indes von einem Begründungszeitraum zwischen 1660 und 1747 aus.

Die Angaben schwanken also. Doch dann das: In diesem Frühjahr fällt eine der neun Buchen dem Sturm zum Opfer. „Die Wurzel war morsch und durch Fäule zersetzt“, erklärt Küper. Nach der Abtrennung des Stammes vom Stock zählt er die Jahresringe aus. „Das war nicht einfach.“ Doch am Ende ergaben sich etwa 221 Jahre für dieses Naturdenkmal. Die Eckdaten: Der Mittendurchmesser beträgt 7,4 Meter ohne Rinde. Die Buche hatte zudem einen Gehalt von elf Festmetern.

In der offiziellen Beschreibung dieses Naturdenkmals ist übrigens erwähnt, dass ursprünglich 30 Buchen dort standen. Inzwischen sind es nur noch acht. Und auch die anderen werden nach und nach fallen. Dazu der Landkreis: „Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig neue (nachwachsende) Bäume zu finden, die bestimmten Kriterien entsprechen, um sie als neue Naturdenkmäler auszuweisen und dadurch möglichst lange zu erhalten.“ Und Henning Küper versichert, dass die Ausweisung von Naturdenkmälern eben nicht nur die Experten interessiert: „Viele Menschen kommen zu uns in den Wald, um sich genau diese anzusehen und mehr darüber zu erfahren.“ Nicht zuletzt deshalb geht er gerne – oft auch in Zusammenarbeit mit dem Nabu – mit den Menschen in den Wald, um Geschichten zu erzählen, wie er sie auch zu den jetzt nur noch acht Buchen hinterm Forsthaus Luhne zu erzählen weiß.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wie man die Abschlussarbeit neben dem Job meistert

Wie man die Abschlussarbeit neben dem Job meistert

Das Möbel für den letzten Weg kann man auch selber basteln

Das Möbel für den letzten Weg kann man auch selber basteln

So bereiten Sie Maronen im Backofen zu

So bereiten Sie Maronen im Backofen zu

Politische Aufarbeitung des Terrors von Halle beginnt

Politische Aufarbeitung des Terrors von Halle beginnt

Meistgelesene Artikel

Rotenburger Werke: Kirchenzugehörigkeit nicht mehr zwingend erforderlich

Rotenburger Werke: Kirchenzugehörigkeit nicht mehr zwingend erforderlich

Mit Forkenstiel bewaffnet: Randalierer schlägt auf Streifenwagen ein

Mit Forkenstiel bewaffnet: Randalierer schlägt auf Streifenwagen ein

Das Leben mit Krebs: Marion Hinck hilft Patientinnen mit kosmetischen Tricks

Das Leben mit Krebs: Marion Hinck hilft Patientinnen mit kosmetischen Tricks

Junger Wolf tot im Landkreis Rotenburg aufgefunden

Junger Wolf tot im Landkreis Rotenburg aufgefunden

Kommentare