Diskussionsveranstaltung bringt gegensätzliche Positionen wenig näher

Der Wolf bleibt ein Aufreger

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Jörn Ehlers (vl.), Gero Hocker, Holger Buschmann, Moderator Christopher Menge und Dörte Stellmacher lauschen den Ausführungen von Umweltminister Olaf Lies. 

Walsrode/Rotenburg - Von Henning Leeske. Der Wolf ist zurück, und die Debatte über die Notwendigkeit der Regulierung und Gefahren in vollem Gange. Das hat auch ein ganztägiges Diskussionsforum unter dem Titel „Immer mehr Wölfe in Niedersachsen – Was nun?“am Donnerstag in Walsrode gezeigt. Rotenburgs Kreislandwirt Jörn Ehlers leitete als Landesvize des Landvolks die Veranstaltung, zu der eine breite Mischung von Interessensgemeinschaften von Weidetierhaltern über Naturschützer bis zu den Entscheidungsträgern aus dem Landtag sowie Bundestag samt Umweltminister Olaf Lies (SPD) eingeladen waren.

Am Vormittag sollten Referate von Jochen Oestmann (Kreislandwirt Lüneburger Heide), vom Präsidenten der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, und Ludwig Theuvsen vom Landwirtschaftsministerium alle Teilnehmer auf den gleichen Wissensstand bringen, um eine lösungsorientierte Diskussion zu ermöglichen.

Schon der Hinweis von Dammann-Tamke als Präsident der Landesjägerschaft, dass nach Artikel 16 der FFH-Richtlinien ein aktives Wolfmanagement und die Entnahme auffälliger Tiere, wie in Polen, erlaubt sei, löste Protest bei den Naturschützern aus. Theuvsen erläuterte unter anderem die Bundesratsinitiative der Landesregierung zum Wolf und wies auf viele bürokratische Hindernisse hin, die beseitigt werden sollten. So gelte jede Besenderung der Wölfe als Tierversuch und müsse deshalb umfangreiche Genehmigungsverfahren durchlaufen. Auch Ausgleichszulagen und Weideprämien müssten nicht nur auf Landesebene vorangebracht werden.

In der nachmittäglichen Podiumsdiskussion trat Umweltminister Lies dann an, um für „Akzeptanz des Artenschutzes zu werben“. Die Gefahr, diese zu verlieren, sei durch die vielen Wolfsrisse im Herbst besonders groß. „Wir brauchen andere Regelungen für den Schutzstatus bei dicht besiedelten Gebieten mit so viel Nutztierhaltung“, forderte Lies.

Die Vize-Landesvorsitzende der Landfrauen, Dörte Stellmacher, brachte die Waldkindergärten ins Spiel. „Dass die Kinder mit Trillerpfeifen durch den Wald gehen, kann vielleicht noch lustig sein, aber es verunsichert auch die Touristen auf dem Bauernhof, die ein wichtiges Standbein im Tourismus auf dem Land sind.“

„Der Landwirtschaft ist nicht vorzuwerfen, sehr vieles schon ausprobiert zu haben im Sinne des Herdenschutzes, vom Zaun, Schutzhunden bis zu Schutzeseln“, sagte Jörn Ehlers. „Die emotionale Aufgeregtheit beim Thema Wolfsschutz kommt vor allem aus dem städtischen Umfeld“, sagte der Bundestagsabgeordnete Gero Hocker (FDP) und berichtete von der fehlenden Mehrheit im Bundestag, um den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen.

„Der Schutz des Menschen geht vor. Viele Informationen müssen vermittelt werden, weil die Menschen viel über den Wolf lernen müssen. In Ländern, wo der Wolf schon länger ist, wissen die Menschen mehr und gehen in den Wald, und kein Kind wird vom Wolf gefressen“, erwiderte der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann.

„Die Bundesratsinitiative brauchen wir, damit wir Lösungen für andere Länder haben, die sie bald brauchen und wir schon gerne hätten“, so Minister Lies. Die Menschen wollten wissen, wie viele Wölfe hier leben sollen. „Da müssen wir Antworten haben, wie groß ein gesunder Erhaltungsbestand sein soll“, sagte er. Folge sei dann auch die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. „Die Biodiversität werden wir verlieren, wenn wir die Weidetiere nicht mehr auf den Weiden haben.“ Jörn Ehlers beklagte die Versäumnisse in der Vergangenheit diesbezüglich und kündigte an, den Minister in Zukunft festzunageln. „Die Taten zählen jetzt. Den Tierhaltern fehlen die Perspektive und die Zeit, weil viele vor der Entscheidung stehen, aufzuhören“, sagte er und wollte vom Minister wissen, wie weit es mit der niedersächsischen Artenschutzverordnung sei. „Die Verordnung brauchen wir nicht, um in Einzelfällen handeln zu können, aber die Kriterien zum Handeln müssen festgelegt werden“, antwortete Lies.

Die anfangs sachliche Diskussion verselbstständigte sich nach dem Statement von Hocker, dass das Thema für den Nabu nur eine Spendengenerierungsmaschine sei, worauf Buschmann darstellte, dass der Nabu Niedersachsen null Euro Spenden durch den Wolf bekommen habe. Daraufhin zitierten andere Diskutanten den Spendenaufruf des Bundesverbandes aus dem Internet, und man verlor sich in buchhalterischen Spitzfindigkeiten.

Abschließend appelliert Lies an eine sachorientierte Problemlösung. „Wir müssen bestimmen, wo das Ende der Entwicklung ist und die Handlungsfähigkeit des Staates stärken. Sonst handeln die Leute irgendwann selber.“

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