Wenig Chancen für den Redakteur im Duell mit dem Naturkindergarten

Waldzwerge trumpfen groß auf

Keine Chance für den Redakteur: Die „Bauwagenschüler“ wissen in ihrem Wald besser bescheid. - Foto: Menker

Rotenburg - Von Michael Krüger. Gummistiefel und reichlich Mückenspray: Die Ausrüstung ist perfekt, immerhin. Mit dem Rad geht es in den Rotenburger Ahe-Wald zum Duell unserer Serie „Redakteur vs. Leser“ gegen die Kinder des Naturkindergartens. Zur Begrüßung schmettern ein paar Zwerge, auf Baumwurzeln kletternd, dem Redakteur ein „Halli Hallo Herzlich Willkommen“-Ständchen entgegen. Dabei lachen sie. Lachen sie dich schon aus? Fakt ist jedenfalls: Schon vor der ersten Aufgabe vom großen Waldquiz scheitert der Autor grandios.

Frida, Jule, Jona und Skadi sind „Bauwagenschüler“. Diejenigen, die aus der Gruppe im Sommer eingeschult werden und die vier, mit denen sich der Redakteur duelliert in allen Fragen des Waldes. Sie sind es auch, die längst am Rande der Picknickdecke auf Matten knien, als ihr Gegner eine etwas komfortablere Sitzposition sucht. So sitzen? Unmöglich, höchstens Sekunden. Eine Holzbank bringt Erlösung – und etwas Sicherheit zumindest in Punkto Gleichgewicht. Inhaltlich wird es gleich schwieriger, das betont der sechsjährige Jona nochmal schnell: „Wir machen dich fertig!“ Und bevor Waldpädagoge Bodo Lüdemann die erste der insgesamt zehn vorbereiteten Quiz-Runden startet, schnellt Jonas Arm in die Höhe: „Ich weiß es!“ Geht ja gut los.

Aber er behält auch noch Recht. Frage eins: Von welchen Vögeln stammen die drei Federn? Die Bauwagenschüler sind als erste dran, schauen kurz, dann klären sie auf. Fasan, Taube und Rabe. Alles richtig, Bodo macht einen Haken, der Redakteur staunt. 1:0. Frage zwei, Bodo legt zwei Tannenzapfen in die Mitte.

Eins der anderen, jüngeren Kinder, die eigentlich nur Publikum sind, aber mit dem einen oder anderen Zwischenruf nicht sparen, fragt den Fotografen: „Hast du auch einen Popo?“ Ein Ablenkungsmanöver? Völlig egal, denn als die Frage gestellt wird, schließt sich auch hier eine weitere an: Woher soll ich das denn wissen? „Wer hat die Zapfen abgenagt?“ Eichhörnchen vielleicht, ein Vogel, die Maus? Am komplett abgeknabberten, erklärt der Waldpädagoge, war die Maus tätig: Sie hat Zeit und Ruhe. Dort, wo noch sogenannte Federn abstehen und alles ein bisschen wilder aussieht, dort war das Eichhörnchen dran. Die Bauwagenschüler wussten es besser.

Welche Blätter kann man eigentlich essen? „Salat“, denkt der Redakteur, aber diese Blätter in der Schüssel sehen irgendwie anders aus. Die Kinder platzen in die Überlegungen mit eifrigem Sortieren. Buche, Sauerklee, Knoblauchsrauke – die könne man essen. Aha. „Und was ist mit dem Löwenzahn dort?“, fragt der Redakteur. „Das ist ein Eichenblatt“, klärt Bodo auf. Und so nimmt das Quiz seinen Lauf.

Von welchen Baum stammt der Zapfen? Wo seht ihr eine Douglasie? Welche Vögel sind auf den Bildern zu sehen? Welche Nadeln gehören zur Kiefer? Vom wem stammen die Fußspuren? Wie viele Beine hat eine Kellerassel? Es sind Fragen wie diese, die nicht nur die etwas älteren Bauwagenschüler, sondern fast alle der 15 Kinder des Naturkindergartens relativ spielend beantworten können.  Es ist ihr „Wohnzimmer“, in dem wir uns befinden, ihr kleines Zuhause auf Zeit, bei Wind und Wetter, im Sommer wie im Winter. Nebenan in den Bauwagen geht es im Winter nur zum Aufwärmen am Ofen. Regen, Mücken, Dreck und Matsch, Kälte oder Hitze. Frage des Journalisten, vornehmlich Büroarbeiter: „Macht euch das nichts aus?“ Antwort im Chor: „Nein, wir sind doch Waldkinder!“

7:3 für die Zwerge heißt es am Ende. Beneidenswert, denkt der sich verabschiedende Redakteur, wie intensiv die Kleinen ihre Umgebung erleben und daraus lernen. Der Kaffee in der Redaktion fällt heute aus. Erstmal ein leckeres Buchenblatt.

Unsere Serie: Fordern Sie uns heraus – und gewinnen Sie ein E-Paper-Abo der Rotenburger Kreiszeitung! Sie haben eine Idee für ein Duell mit einem unserer Redakteure? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail und bieten Sie uns einen Zweikampf an. Schlagen Sie den Redakteur, gehört das E-Paper-Jahres-Abo Ihnen. Wir freuen uns über weitere Vorschläge. Können Sie etwas ganz besonders gut und glauben, wir sollten Sie in Ihrer Disziplin herausfordern? Dann melden Sie sich! E-Mail: redaktion.rotenburg@kreiszeitung.de, Telefon: 04261 / 72311.

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