Zwei Flächen in Arbeit

Waldumbau in der Ahe läuft - mit neuen Vorzeichen

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Knut Sierk (r.) und Tobias Gebers zeigen, was passiert.

Rotenburg - Das, was da in diesen Tagen im Rotenburger Ahewald passiert, ist nichts Ungewöhnliches. Waldumbau nennt sich das. Und den hat es schon immer gegeben, versichert Tobias Gebers, der zuständige Revierförster. Inzwischen allerdings erfolgt eben dieser Waldumbau mit anderen Vorzeichen, als noch vor zehn, 20 oder 30 Jahren. In einer Mitteilung an die Presse, die Knut Sierk, Sprecher der Landesforsten Niedersachsen, herausgegeben hat, ist von einem „klimaangepassten Waldumbau in der südlichen Ahe“ die Rede. Auf zwei Flächen lassen die Experten Kiefernwälder in Mischwälder umbauen.

Es sieht martialisch aus. Die beiden schweren Maschinen hinterlassen tiefe Spuren auf den Wegen, auf denen jetzt nur noch der sogenannte Vorwarder unterwegs ist, um das Holz einzusammeln und abholbereit zusammenzulegen. Der Harvester – die eigentliche Holzerntemaschine – hat ganze Arbeit geleistet. Entsprechend wüst erscheinen die beiden nur wenige hundert Meter voneinander entfernten Flächen. Die eine ist 1,3 und die andere einen Hektar groß. „In ein paar Tagen sieht das alles schon wieder richtig gut aus“, versichert Revierförster Gebers. Bis Ende Februar ist nicht nur das gefällte Holz herausgeholt, sondern bis dahin sollte eigentlich auch die vorgesehene Neuanpflanzung erledigt sein, meint er.

Die Kiefernbestände sind mehr als 110 Jahre alt. Aber sie werden nicht komplett entfernt. Eine ganze Reihe von Bäumen ist mit weißen Streifen gekennzeichnet – ein Hinweis für den Fahrer des Harvesters, sie eben nicht mithilfe der großen Säge Stück für Stück abzutragen. Die bleiben stehen. Auch Fichten, Douglasien und vereinzelte Eichen sowie Buchen haben hier jahrzehntelang den Wald bereichert. Jetzt machen sie Platz für Neues, für Bäume, die mit Trockenheit besser zurechtkommen und vor dem Hintergrund des Klimawandels als ökologisch vertretbar eingestuft worden sind. Buchen, Roteichen sowie Douglasien, die ursprünglich aus Nordamerika kommen, aber auch bei uns schon sehr mehr als 100 Jahren gepflanzt werden. „Sie sind eine gute Alternative zu den Fichten“, weiß Knut Sierk. 

Mit dem Vorwarder sortiert ein Arbeiter das Holz und legt es zur Abholung bereit.

Bereits seit fast 30 Jahren wird der Wald der Niedersächsische Landesforsten konsequent nach den Grundsätzen der langfristigen ökologischen Waldentwicklung – kurz LÖWE – bewirtschaftet. 1991 wurde das LÖWE-Programm von der Niedersächsischen Landesregierung verabschiedet. Gemäß des Programms werden ältere Nadelwälder systematisch mit klima- und standortangepassten Baumarten wie Buche, Eiche, Roteiche aber auch mit Douglasie oder anderen standort- und klimaangepassten Bäumen unterpflanzt; für eine Mischwaldvermehrung und einen auf Dauer vitalen Wald, heißt es. Hintergrund sei die Überzeugung gewesen, dass eine an ökologischen Grundsätzen ausgerichtete Waldentwicklung einen wichtigen Beitrag zu einem insgesamt stärker an Nachhaltigkeit orientierten Wirtschaften leisten könne, hat dazu Ministerpräsident Stephan Weil gesagt.

„Wir ernten nichts, was nicht auch reif ist“, sagt Gebers. Im Fall dieser beiden Flächen geht es um fast 200 Kubikmeter Holz, die schon bald an die Käufer gehen – Sägewerke vor allem, die es je nach Qualität entsprechend verwerten. Auf der größeren der beiden Flächen ist vorgesehen, 1900 Douglasien sowie 1400 Buchen anzupflanzen. Für die kleinere Fläche sind 3400 Roteichen und Buchen vorgesehen, am Rand sollen darüber hinaus 50 Kirschen ihren Platz finden. An vielen Stellen finde sich zudem natürliche Verjüngung von Fichte, Lärche, Weißtanne, Douglasie und auch Kiefer ein und lasse auf diese Weise einen abwechslungsreichen Wald entstehen. Die langsame Nutzung der Altbäume über dem nachwachsenden Jungwald ergebe zudem ein abwechslungsreiches Waldbild. 

Waldumwandlung kann martialisch aussehen.

„Markante Bäume und ein Teil der Altkiefern, die ja auch Zeitzeugen aus der Wiederbewaldungsphase sind, bleiben auf jeden Fall auf der Fläche stehen“, beschreibt Tobias Gebers den Erhalt von sogenannten Habitatbäumen für den Naturschutz und von landschaftsprägenden Bäumen für ein harmonisches Waldbild. Die alten verbliebenen Kiefern auf den jetzt in Angriff genommen Flächen in der Ahe böten den jungen Bäumen Schutz vor zu viel Sonne, so beschirmt könne der Nachwuchs bestens gedeihen. Auf der kleineren der beiden Fläche sei allerdings auch für mehrere Jahre eine Einzäunung unumgänglich.

Gebers und Sierk wissen, dass gerade im stadtnahen Ahewald viele Menschen unterwegs sind. Und damit diese sich nicht wundern, sind Informationstafeln aufgestellt, auf denen sie die Erklärungen für die Maßnahmen erhalten. Auch das ist ein Teil der Revierarbeit eines modernen Försters.

Zudem erklären Sierk und Gebers: „Ohne große Maschinen wäre das hier nicht möglich.“ Ganz bewusst arbeite man aber mit breiten Reifen, wodurch der Druck besser verteilt werde. Außerdem fahre der Vorwarder auf vorgesehenen und mit Geäst ausgelegten Pfaden.

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