Förster warnt vor Panikmache

Trockenheit und Erosion setzen dem Luhner Teich zu

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Förster Henning Küper und Hündin Fee am Luhner Teich.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die acht Minuten Verspätung des Redakteurs beim Ortstermin im Luhner Forst nutzt Henning Küper zum Staunen. Mit Fernglas steht der Förster am Rande des Luhner Teichs, Hündin Fee matscht ein wenig drin herum. Richtig nass wird sie dabei allerdings nicht: Der zwei Hektar große Teich inmitten des Waldgebiets im Norden der Kreisstadt, zwischen Bundesstraße und Golfplatz, ist fast leer. Die Trockenheit fordert auch in Küpers Revier Tribut.

Fischreiher und Kiebitze stochern in dem trockengelegten Seegrund, der Revierförster und Hegeringsleiter beobachtet genau, freut sich über die Libellen, die noch über den Resten des Gewässers fliegen. „Die Phasen, in denen wir extreme Wetterphasen haben, werden mehr“, sagt der 61-Jährige. Seit 32 Jahren verantwortet Küper für die Landesforsten ein Revier mit einer Fläche von über 2000 Hektar, dass ganze Seen austrocknen, habe er selten erlebt. 

„Das ist hier das vierte Mal“, sagt er, zwei Mal in den 80er- und 90er-Jahren, zuletzt im September 2014. Dem Wald insgesamt, beruhigt er, gehe es trotz der Dürreperiode aber noch ganz gut. Von der Panikmache mancher Kollegen hält Küper wenig. „Wir müssen uns damit abfinden und entsprechende Maßnahmen ergreifen.“ 

Die Waldbewirtschaftung leide aktuell natürlich, Küper spricht von „Massenverlusten“. Die Bäume wachsen einfach langsamer, insbesondere in den sonnigen Randgebieten, auch leide die Qualität bei der hochwertigen Traubeneiche. Aber: Es gehe vor allem um die Bäume, die eh schon labil seien. Mit Borkenkäfer und Co. gebe es zudem bislang keine nennenswerten Probleme im Revier. 

Die fehlenden Niederschläge der vergangenen Monate haben den Luhner Teich weitgehend austrocknen lassen.

Gefährlicher sei da schon das Fehlverhalten von „Idioten“, wie Küper sagt – die Waldbrandgefahr sei aktuell natürlich „dramatisch hoch“. In seinem Gebiet habe es schon fünf Brände gegeben, wohl mutwillig gelegt, zum Glück aber ohne größere Auswirkungen.

Die Zeit der Trockenheit nutzt der Förster mit seinem Team ganz pragmatisch. Der marode Mönch, über den der Ablauf des Luhner Teiches geregelt wird, soll am Mittwoch repariert werden. Das Jahrzehnte alte Rohrsystem in die tiefer gelegenen Entwässerungsgräben liege schließlich so einfach zugänglich selten frei. Der See selbst, da ist sich Küper sicher, werde schon in den nächsten Tagen bei den angekündigten Gewittern recht schnell wieder volllaufen – und damit als wichtiger Rastplatz für „viele seltene Vogelarten“ seine Bedeutung zurückerlangen.

In den letzten Resten Seewasser und Schlick verstecken sich derzeit kleine Wasserbewohner und vor allem Schleie, die auch mit dem sauren Moorwasser und längeren Hitzeperioden mit wenig Sauerstoff klarkommen. Karpfen und Hechte sind aus dem Luhner Teich schon lange verschwunden. Aber auch der See selbst verschwindet nach und nach, wenn nicht spätere Generationen wieder mit großem Gerät anrücken, verlandet das Gewässer. 

Tiefer als 1,20 Meter ist der See auch bei Regen nicht

Der Wasserstand wird schon jetzt immer niedriger, liegt in Regenzeiten bei maximal 1,20 Meter, Bäume und Sträucher wuchern in den Teich hinein. „Verschwindet der See, wird es auch für angrenzenden Flächen schwierig“, prognostiziert Förster Küper. Er achte stets darauf, den Wasserstand so hoch wie möglich zu halten, aber gegen die fortschreitende, natürliche Erosion dürfte das kaum ausreichen. Dabei, das betont der Förster und Umweltschützer: „Der Schutz dieser Feuchtflächen ist für unser Mikroklima sehr förderlich.“

Domänenpächter Claus Friedrich August Ehlermann hatte Ende des 19. Jahrhunderts die Idee, mit Karpfenzucht in künstlichen Teichen Geld zu machen. Drei ließ er im dortigen Stellmoor ausheben, allerdings war die Arbeit sehr aufwendig und der hohe Wasserstand für die angrenzende „Torffabrication“ nicht unbedingt förderlich. Die Zucht wurde wieder aufgegeben. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Revierförster Adolf Düring die Zucht wieder aufleben lassen, der Teich wurde als eine große Fläche angelegt, der Damm mit Entwässerungssystem gebaut. Lukrativ war das Geschäft in der Folge selten, bis zu seiner Pensionierung 1972 verkaufte der Förster die letzten Fische noch auf eigene Kosten im Waldschlösschen. 

Das Gewässer ist sich selbst überlassen

Seit den 80er-Jahren speist sich der See vor allem aus Regenwasser, Zuläufe vom Pfahlsberg wurden wegen der Düngeeinträge geschlossen. Der Luhner Teich ist seitdem sich selbst überlassen, weit abgelegen der größte seiner Art, Lebensraum für viele Tiere. 

Doch wie lange dieses Refugium noch erhalten bleibt, dazu wagt auch Förster Küper keine Prognose. Im Dezember hatte der Kreistag das bereits 1938 als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene 218 Hektar große Areal „Stellmoor und Weichel“ zum Naturschutzgebiet erklärt. Auch der Luhner Teich wird damit vor direkten Eingriffen des Menschen geschützt – gegen die Folgen des Klimawandels hilft aber kein Paragraf.

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