Wahre und unwahre Geschichten

Journalistin Elke Heidenreich liest in Rotenburg aus ihrem Buch „Alles kein Zufall“

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Elke Heidenreich erzählte im Wachtelhof viele Geschichten aus ihrem Leben.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Natürlich ist „alles kein Zufall“, was Elke Heidenreich am Mittwochabend im Rotenburger Wachtelhof erzählt hat. Die Schriftstellerin, Moderatorin und Journalistin ist bekannt für ihre Geschichten, die dem Alltag entlehnt sind. Mal wahr, mal fiktiv, mal beides zusammen, aber auf jeden Fall hochgradig unterhaltsam und mit viel Gelächter bedacht.

Diese Frau hat viel zu erzählen. Heidenreich hat viel gesehen, erlebt, beschrieben und viele Menschen getroffen: Persönlichkeiten, Menschen, die sich für solche hielten, und die aus dem normalen Alltag. Vieles von dem hat sie bereits in Büchern veröffentlicht. Mit „Alles kein Zufall“, ihrem jüngsten Werk, gibt die 74-Jährige einen tiefen Einblick in ihr Leben. „Da sind die Geschichten drin, die ich mein Leben lang durch beobachten und erleben gesammelt habe.“ Heidenreich hat sie alphabetisch geordnet. „Ich wusste nicht, wie ich sie ordnen sollte: alt, neu, wahr, nicht wahr, lustig, ernst.“ Also hat jede Geschichte eine Überschrift mit einem Wort bekommen, und die Autorin hat sie von A bis Z sortiert.

Den einzigen Rahmen, den Heidenreich während ihrer Lesungen zieht: „Ich fange immer mit derselben Geschichte an und höre immer mit derselben Geschichte auf. Die letzte ist die einzige, die zu 100 Prozent wahr ist, und die ist meine absolute Lieblingsgeschichte.“ Da Heidenreich dann doch eine Zugabe gibt, bleibt unklar, um welche es sich handelt. Die anderen Kapitel des Abends wähle sie nach Gefühl für den jeweiligen Abend. Einen Hinweis noch zu den Geschichten, die in ihrem „langen Leben“ entstanden sind, gibt die Autorin noch ihren Zuhörern: „Ich ist nicht immer ich. Das ist ein Erzählstil. Ein Teil ist wahr, ein Teil mit viel Phantasiekränzchen.“

Pianomusik von ihrem Lebenspartner

Elke Heidenreich begleitet viele ihrer Zuhörer ein Leben lang. Jetzt sitzt im Wachtelhof eine entspannte, erfahrene Frau, die in ihren Geschichten nicht nur haarscharfe Beobachtungen aus dem Alltag und Zwischenmenschlichen beschreibt. Einige berühren tief; und offenbar auch immer noch sie. Wiederholt verharrt sie während der Pianomusik von ihrem Lebenspartner, dem Komponisten Marc-Aurel Floros, scheinbar gedankenverloren.

Einige Zeilen dürften viele aus ihrem eigenen Leben kennen: Da schlendert Heidenreich durch ein Villenviertel mit opulenten Gärten, weil sie es in ihrem kleinen Haus und Leben nicht mehr aushält, und denkt sich Geschichten zu anderen aus. Ob die des häufigen Verliebens in Brüderpaare, erst in den Ältesten, dann den Jüngeren, beim fünften Mal auch in den dritten und jüngsten. „Mein Leben lang war ich leicht entflammbar“, sagt Heidenreich. Passend dazu stimmt Floros Akkorde aus dem Hochzeitsmarsch aus „Ein Sommernachtstraum“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Träume – oder kleine Rachen –, die vielleicht schon jede Frau ersann, macht Heidenreich ebenfalls wahr. Ein lästiger Mann an der Hotelbar, der hoffnungslos bei ihr und ihrer Freundin abblitzt und beide beschimpft, findet am nächsten Tag eine Flasche Champagner auf seiner Rechnung.

Gedankenverloren beugt sich Heidenreich nach der Geschichte über ihre schon lange verstorbene Mutter über ihren Tisch. Die Telefonnummer fiel ihr im Schlaf wieder ein. „Auf einmal hatte ich so eine Sehnsucht, diese Nummer anzurufen, um ihr all das zu sagen, was ich ihr nie hatte sagen können.“

Dieses Bedürfnis und den tiefen Schmerz darüber dürften ebenfalls viele von denen im Publikum kennen, die keine Eltern mehr haben.

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