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Waffensens neuer Bürgermeister will Senioren-Tagespflege im Dorf

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Von: Guido Menker

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Der Bürgermeister sitzt am Schreibtisch. In Hintergrund sind viele Aktenordner in einem Schrank.
Im ehemaligen Verkaufsraum des Bauernhofes hat sich Henning Poppe das Büro eingerichtet. © Menker

Henning Poppe, neuer Ortsbürgermeister in Waffensen, hat einen Plan: Im Sommer soll im Mehrgenerationenhaus (MGH) eine Tagesbetreuung für Senioren an den Start gehen. Gespräche dazu laufen.

Henning Poppe über Waffensen und die Herausforderungen

Rotenburg – Nach fünfjähriger Pause ist der Christdemokrat Henning Poppe zurück in der Kommunalpolitik. Seit November sitzt er nicht nur wieder im Ortsrat, sondern auch im Stadtrat. Außerdem grüßt der 46-jährige Landwirt nun auch als Ortsbürgermeister in der Rotenburger Ortschaft Waffensen. Für die Zeit, die er dafür am Schreibtisch verbringt, hat er sich im früheren Hofladen-Gebäude des landwirtschaftlichen Familienbetriebes ein Büro eingerichtet. Und auch, wenn er selbst das nicht so betont und es natürlich nicht offiziell so heißt: Waffensen verfügt damit über das wohl kleinste „Rathaus“ im Landkreis.

Genau dort haben wir den Nachfolger von Hartmut Leefers besucht. Es zeigt sich in diesem Gespräch, dass Henning Poppe schon jetzt einige Themen und Pläne auf dem Zettel hat, die er angehen möchte. Der Ortsbürgermeister erinnert etwa daran, dass sich in Sachen Kinderbetreuung erfreulich viel getan habe im Laufe der vergangenen Jahre. „Ähnlich wie in diesem Bereich, müssen wir auch et was für die alten Leute in Waffensen machen.“

Das Thema Senioren beschäftigte schon Poppes Vorgänger

Das Altwerden mitten im Geschehen, sagt Poppe, müsse in der Ortschaft möglich sein – auch dann, wenn die Menschen nicht mehr so können, wie sie möchten, die eigenen Kinder vielleicht nicht mehr im Ort leben. „Viele von ihnen ziehen dann weg und gehen in ein Seniorenheim.“ Und das zum Teil nach vielen Jahrzehnten. Schon Poppes Vorgänger hat viel über dieses Thema nachgedacht, um Lösungen dafür zu finden, wie sich die Senioren im Ort halten lassen.

Ein kleines Fachwerkhaus
Auch wenn es diesen Namen offiziell nicht trägt: In Waffensen steht das wohl kleinste „Rathaus“ des Landkreises Rotenburg. © Menker

Das Mehrgenerationenhaus (MGH) – da ist sich Poppe mit Hartmut Leefers einig – biete dafür einen guten Anknüpfungspunkt. Genau dort soll dann auch bestenfalls schon im Spätsommer eine Tagesbetreuung für ältere Menschen an den Start gehen. Genau diesen Plan verfolgt Henning Poppe. Gespräche dazu habe es gegeben. Die Diakonie-Sozialstation im Ort möchte er gerne an diesem Vorhaben beteiligen. Für ihn sei es ein erster Schritt, aus dem sich später vielleicht noch viel mehr entwickeln lasse.

Eigentlich möchte Waffensen auch weiter wachsen. Das ist schon lange ein zentrales Thema – und zugleich ein Problem: „Wir haben bestimmt 120 Interessenten, die hier bauen möchten. Anbieten können wir ihnen zurzeit eigentlich nichts.“ Poppe versucht dennoch, möglich zu machen, was irgendwie zu schaffen ist.

Selbstbild: Mittler zwischen Bürgern und Verwaltung

Gerade erst sei ein Dorfbewohner zu ihm ins Büro gekommen. Der möchte einen Teil des Nachbargrundstücks kaufen und bebauen, um anschließend mit den Eltern das Haus zu tauschen, um so weiterhin in ihrer Nähe bleiben zu können. Poppe nimmt Kontakt mit Stadt und Landkreis auf – und es geht. Klassische Lückenbebauung auf dem Dorf – „nach drei oder vier Tagen konnte ich ihm die positive Nachricht mitteilen“.

Als Ortsbürgermeister versteht Poppe sich als Mittler zwischen Bürgern und Verwaltung. Auf Ideen und Impulse aus dem Ort heraus könne er dabei bauen. Das sei gut – nicht zuletzt auch wegen der begrenzten Haushaltsmittel. „Die fünfjährige Pause hat mir gutgetan“, sagt Henning Poppe. Es sei ihm einfach wichtig, sich im Dorf mit einzubringen. „Die Aufgabe macht mir Spaß – wir haben im Ortsrat ein wirklich gutes Team.“ Jedes Ortsratsmitglied habe inzwischen einen eigenen Bereich übernommen, für den es sich zuständig erklärt, um alles im Blick zu behalten. Die Lasten verteilt man in Waffensen auf vielen Schultern. Wer was macht, steht in einem Info-Flyer für die Bürger.

Der Ortsbürgermeister lobt außerdem die gut funktionierende Dorfgemeinschaft. Es ist das Leben, wie es dem 46-Jährigen gefällt. „Es gibt eine Reihe von Automatismen im Ort. Hartmut Leefers hat mir dazu eine Liste gegeben. Es sind Leute, die sich wie selbstverständlich um ganz bestimmte Dinge kümmern.“ Es sind Menschen, die sich mit dem Ort identifizieren und eben nicht nur darauf warten, dass die Stadt etwas unternimmt. „Das alles ist Heimat, und die ist mir wichtig“, sagt Poppe.

Mittel sind knapp

Geht es etwa um die Sanierung von Gehwegen, weiß er von Baggerfahrern und Steinsetzern im Ort. „Man muss sie nur motivieren.“ Dann klappt auch das – mit der Unterstützung aus dem Bauamt, aber ohne die Notwendigkeit, für jeden Handgriff gleich viel Geld ausgeben zu müssen. Der Haushalt müsse schließlich reichen, um das Ortsbild zu erhalten, doch allein dafür sei alles knapp bemessen. Etwas mehr als 71 Euro pro Einwohner und Jahr gibt es als Verfügungsmittel. Waffensen hat etwa 850 Einwohner.

Fünf bis zehn Stunden in der Woche hat der Ortsbürgermeister für sein Amt aufzubringen. Dazu kommen die Sitzungen. Als einen Glücksfall für den Ort bezeichnet Henning Poppe das MGH. Mit seinen Angeboten sorge es dafür, dass viele Menschen auch von außerhalb nach Waffensen kommen. Das ist ganz nach seinem Gusto – man wolle sich schließlich nicht isolieren als Ortschaft.

Hartmut Leefers, erzählt Poppe, habe ihn gut auf den Posten als Ortsbürgermeister vorbereitet. „Besondere Tipps hat er mir aber nicht mit auf den Weg gegeben.“ Er macht also seine eigenen Erfahrungen. Zum Beispiel die, dass sich die Friedhofskultur mittlerweile auch in den Dörfern weiterentwickelt und damit neue Pläne gemacht werden müssen. Es ändert sich also viel – auch in Waffensen. Es gibt nach langer Zeit einen neuen Ortsbürgermeister. Und es gibt im Ort das wahrscheinlich kleinste „Rathaus“ des Landkreises – auch, wenn es offiziell nicht so heißt und auch keine offiziellen Öffnungszeiten gibt. Die Leute kommen, wie es gerade passt.

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