Standorte noch offen

Wissenschaftler suchen den Wolf - und wollen Schlingenfallen einsetzen

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Die Spuren des Wolfes sind unverkennbar, auch Sichtungen lebender Tiere sind mittlerweile Alltag.

Rotenburg - Von Michael Krœger. Die Wissenschaft macht in Niedersachsen Jagd auf Wölfe. Und zwar künftig auch so, wie es bislang verboten war: mit Schlingenfallen. Die sollen helfen, die Tiere mit Peilsendern auszustatten, um deren Bewegungsrouten analysieren zu können. Für drei Fänge dieser Art hat das Landesamt für Verbraucherschutz der Tierärztlichen Hochschule Hannover artenschutzrechtlich grünes Licht gegeben.

Anders als von einigen Medien in dieser Woche gemeldet, sind die Einsatzorte allerdings noch nicht ausgewählt. Der Landkreis Rotenburg könnte wegen der vermuteten größeren Wolfspopulation um dem Vorfall mit dem möglichen, aber sehr unwahrscheinlichen Wolfsbiss im November in der Samtgemeinde Tarmstedt ins Blickfeld geraten, muss er aber nicht. Das sagt Professor Ursula Siebert, die Leiterin des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung an der Hochschule. Sie und ihr Team sind vom niedersächsischen Umweltministerium beauftragt, ein Untersuchungsdesign zu entwerfen. Acht Wölfe sollen landesweit mit Sendern ausgestattet werden. Bislang ist das nicht gelungen. In die herkömmlichen Kastenfallen tappen die Wölfe nicht, sie wittern Gefahr. Nun gibt es die Ausnahmegenehmigung, Schlingenfallen zu nutzen. Die sind eigentlich in Deutschland verboten, sollen unter strengen Sicherheitsauflagen für die Tiere, um Verletzungen zu vermeiden, nun aber zum Erfolg führen.

Entfacht war die Debatte zuletzt nach dem Vorfall auf einem Friedhof im Kreis Rotenburg am 27. November. Als es eine Woche danach hieß, dass kein DNA-Nachweis für einen Wolf erbracht werden könne, der einen Gärtner angegangen haben sollte, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD): „Wir können aber nicht ausschließen, dass ein Wolf in Betracht kommt.“ Ziel sei es deswegen, den Vorfall möglichst weit aufzuklären. Dazu wolle das Land das Wolfsrudel in der am Moor gelegenen Gemeinde mit Sendern ausstatten lassen, um herauszufinden, ob sich die Raubtiere Menschen nähern. Die Wölfe - vermutlich zwei Eltern- und sieben Jungtiere - müssten dazu mit Fallen gefangen werden. „Ich will nicht ausschließen, dass die Besenderung Wochen oder Monate dauert“, so der Minister vor zwei Monaten.

„Noch keine konkreten Pläne für Kreis Rotenburg“

Am Mittwoch sagte Projektleiterin Siebert, dass es „noch keine konkreten Pläne für den Landkreis Rotenburg“ gibt. Zunächst würden Daten zu den Bewegungen der Wölfe erhoben - das klassische Wolfsmonitoring. Helfen sollen Daten aus Fotofallen und Zeugenhinweise.

Rotenburgs Wolfsberater Jürgen Cassier hat bereits angekündigt, gemeinsam mit der Jägerschaft im Stellingsmoor bei Steinfeld weitere Fotofallen aufzustellen, weil dort das Rudel lebt, das im benachbarten Tarmstedt vermutet wurde. In Niedersachsen gibt es laut der Landesjägerschaft nach aktuellem Stand 21 Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und einen residenten Einzelwolf. Im Landkreis Rotenburg sind bei Gnarrenburg mit sieben bestätigten Welpen und Visselhövede mit zwei Nachkömmlingen Wolfsrudel nachgewiesen worden.

Über die Standorte, wo die Schlingenfallen eingesetzt werden, „werden wir uns bedeckt halten“, sagt Studienleiterin Siebert. Man gehe damit nicht an die Öffentlichkeit, „weil wir befürchten, dass dort Interaktionen geplant sind“. Im Klartext: Dass Gegner der Besenderung der Wölfe eingreifen und dies verhindern wollen, zum Beispiel, indem sie die Fallen zerstören. Schlingenfallen sind grundsätzlich nach dem Tierschutzgesetz verboten, weil sie eine hohe Verletzungsgefahr für Tiere bergen. Die Methode ist aus der Wilderei altbekannt - und dort wird oft ein dünner Faden benutzt, der sich zuzieht und ins Fleisch schneidet, wenn ein Tier in die Falle tappt. Für das Wolfsmonitoring wollen die Experten der Tierärztlichen Hochschule aber sehr sorgsam vorgehen. Die Forscher bleiben solange vor Ort, bis ein Wolf die Schlinge auslöst, dann das Tier mit einem Peilsender versehen und umgehend wieder freilassen. Das sei personell natürlich nur in kleinem Rahmen möglich, auch deswegen die Begrenzung auf drei Wölfe.

Sollte die Methode erfolgreich sein und so Daten über die Bewegungsmuster der Tiere gesammelt werden können, werde die Öffentlichkeit natürlich sofort informiert - das sei aufgrund der emotional geführten Debatte wichtig.

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