Wachtelhof-Team trauert um einen seiner Lieblings-Autoren

„Einer, der menschelte“

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Hellmuth Karasek war ein gern gesehener Vortragender im Wachtelhof.

Rotenburg - Mit dem Tod von Hellmuth Karasek verliert der Wachtelhof einen seiner beliebtesten Autoren. Drei Mal las der Literatur-Kritiker dort aus seinen Werken. Die Direktoren Heiko Kehrstephan und Philipp Lennartz erinnern sich an seine Besuche, der letzte im Januar.

Hellmuth Karasek war seit 2009 mehrfach bei Ihnen im Wachtelhof zu Gast – wie kam es dazu?

Heiko Kehrstephan: Wir hatten ihn 2009 angefragt. Ich weiß gar nicht mehr, aus welchem Buch er las, sondern nur noch wie. Das war unvergleichlich. Später hat er diese humoristische Seite ja auch weiter verfolgt. Und auch er selbst hat sich bei uns gleich wohl gefühlt und spontan zugesagt, auch das nächste Werk bei uns vorzustellen.

Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung?

Kehrstephan: Da waren wir alle ziemlich aufgeregt. Innerlich habe ich stramm gestanden vor einer Persönlichkeit, die über Jahrzehnte die öffentliche Meinung so sehr geprägt hat. Und dann war er ganz unprätentiös und trotz seiner Berühmtheit völlig auf dem Boden geblieben.

Als was für einen Menschen haben Sie ihn erlebt?

Kehrstephan: Als ein Unikum, einen, der stark menschelte. Der alle Menschen zuvorkommend behandelte, egal, wen er vor sich hatte. Und der immer präsent war – vom Betreten des Raums bis nach der Lesung, die er bei einem Gläschen Champagner an der Bar ausklingen ließ. Auch dann hatte er ein offenes Ohr. Wenn einer kam und einen schlechten Witz erzählte, lächelte er, lobte – und erzählte einen besseren.

Philipp Lennartz: Selbst die Autogrammstunden mit ihm gerieten zum Happening, bei dem alle Umstehenden einbezogen wurden. Da sagte er mir einmal: „Nur ein signiertes Buch ist ein gutes – das können Sie nicht mehr umtauschen!“

Gab es Eigenschaften, die Ihnen besonders imponiert haben?

Lennartz: Seine Vielseitigkeit. Was er in seinem Leben alles gemacht hatte, wie in persönlichen Gesprächen herauskam – wie bekommt man so etwas in ein Leben rein?

Kehrstephan: Ich bewundere, wie er über das Berufliche nie vergessen hat zu leben. Er hat es geschafft, Termine und Familie unter einen Hut zu bringen.

An was werden Sie sich erinnern?

Kehrstephan: An sein Lachen, das von tief innen kam. Das habe ich wie heute im Ohr.

Lennartz: An einen Menschen, der die Welt bereichert hat. Die Lücke, die er als Literatur-Kritiker hinterlässt, wird wohl niemand richtig schließen können.

hey

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