Vorstrafenregister und Drogenabhängigkeit werden 38-Jährigem zum Verhängnis

Zehn Monate Haft für Bohrer-Diebstahl

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Mediengruppe Kreiszeitung

Rotenburg - Von Wiebke Bruns. Einen hohen Preis muss ein 38 Jahre alter Angeklagte für den Diebstahl von zwei Akkuschraubern aus einem Baumarkt in Rotenburg zahlen. Das Landgericht Verden hat eine Verurteilung des Mannes im September 2014 durch das Amtsgericht Rotenburg zu zehn Monaten Haft wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in zwei Fällen bestätigt.

Eine Überwachungskamera hatte den Mann gefilmt, als er am 16. und 24. November 2012 jeweils einen Akkuschrauber auspackte und in seinem Hosenbund versteckte. Die Geräte seien mit 180 Euro ausgezeichnet gewesen, für jeweils 40 Euro will er sie verkauft haben. „Es gibt genügend Leute die so etwas zu einem günstigen Preis kaufen“, erklärte der mittlerweile in den Landkreis Hameln-Pyrmont umgezogene Mann. Dass er sich jeweils für das gleiche namhafte Geräte entschieden hat, sei Zufall gewesen. „Reingehen, schnell einstecken, rausgehen – das hat Automatismus. Man denkt auch nicht darüber nach, dass man jemandem damit einen Schaden zufügt“, sagte der in diesen Dingen sehr erfahrene Angeklagte.

17 Eintragungen, die meisten davon einschlägig, listet sein Strafregister. Er habe das Geld für Drogen gebraucht, erklärte der Angeklagte. Um von diesen loszukommen, sei er wieder zu seinen Eltern gezogen. Er werde von einem Arzt mit einem Drogenersatzstoff substituiert. Jeden Tag fahre er nach Hannover und bekomme dort das Mittel verabreicht. Der Verteidiger legte eine Bescheinigung des Mediziners vor, indem dieser eine Inhaftierung als kontraproduktiv bezeichnet.

Eine Entgiftung und Therapie zum jetzigen Zeitpunkt lehnte der Angeklagte ab. Dort treffe er auf Süchtige, die ihn verleiten würden, wieder Drogen zu konsumieren. „In die Gefahr will ich mich nicht begeben. Das kann ich meinen Eltern nicht antun“, so der 38-Jährige. Erst wenn sein Arzt ihn runter substituiert habe, sei er zu einer Entgiftung und Therapie bereit. „Bitte geben sie mir die Chance mein Leben auf die Reihe zu kriegen“, bat er in seinem Schlusswort.

Verteidiger Michael Helwig hatte zuvor eine Strafaussetzung zur Bewährung beantragt. Sein Mandant sei auf einem guten Weg. Das Wichtigste, die räumliche Trennung von den Kumpels, die auch Drogen konsumieren, habe sein Mandant gemacht. „Wäre die Entgiftung bereits erfolgt, würden wir hier besser dastehen. Aber wenn er sich dafür nicht gefestigt genug fühlt, hat das keinen Zweck“, so der erfahrene Strafverteidiger.

Staatsanwalt Lutz Gaebel reichte das nicht aus. Ohne eine stationäre Therapie seien die Erfolgsaussichten schlecht, doch die wolle der Angeklagte derzeit genauso wenig wie in den Knast. Der Angeklagte habe schon mehrere Chancen bekommen, so sah es auch die Kammer und verwarf, wie vom Staatsanwalt gefordert, die Berufung. „Wir sehen eine positive Entwicklung, aber es reicht nicht für eine positive Sozialprognose. Sie werden substituiert, aber das Problem besteht weiter“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Wenn es ihnen ernst ist mit der Abstinenz, können sie den Beweis nach der Haft antreten“, sagte die Vorsitzende Richterin Andrea Ramsauer.

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